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Sonnenbrand durch Antibiotikum

Gerda F. konnte es sich nicht erklären: "Meine Haut war eigenartig gerötet, und die Arme schmerzten, als hätte ich mich irgendwo verbrannt." Dabei sei sie gar nicht so lange in der Sonne gewesen. Auch ihre Augen schmerzten heftig und waren stark gerötet – so stark, dass sie schließlich einen Augenarzt aufsuchte.

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"Die Ursache der Beschwerden war rasch aufgeklärt", sagt Augenarzt Univ.-Prof. Mathias Zirm: "Die Frau hatte eine Borreliose, ihr Hausarzt hatte ihr das Antibiotikum Doxycyclin (aus der Gruppe der Tetracycline) verschrieben. Und dieses wirkt fototoxisch." Das heißt: Es verstärkt die hautschädigende Wirkung natürlichen und künstlichen UV-Lichts. "Oft rötet sich schon nach kurzer Zeit in der Sonne die Haut." Folge für die Augen: Bindehautentzündungen – zum Teil sehr stark – sowie teilweise auch (vorübergehende) Lichtschäden an der Hornhaut, "vergleichbar mit dem ,Verblitzen‘ beim Schweißen ohne Brille".

Bestimmte Antibiotika

"Mein Hausarzt hat mir nicht gesagt, dass ich auf die Sonne aufpassen muss", so Gerda F. "Um sich vor solchen Überraschungen zu schützen, sollte man immer den Beipackzettel gründlich lesen", betont Zirm.

"Besonders Antibiotika aus der Gruppe der Tetracycline sind für diese Reaktionen bekannt." Sie werden häufig zur Behandlung von Atemwegserkrankungen, Infektionen des Magen-Darm- und des Urogenitaltraktes eingesetzt. Aber auch Antibiotika aus der Gruppe der Gyrasehemmer seien nicht ungefährlich, so Augenfacharzt Zirm. Besonders stark fototoxisch wirke hier das zur Therapie von Harnwegsinfekten verwendete Cinoxacin.

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Besonders vorsichtig müsse man bei Kinderaugen sein: "Durch die Augenlinse eines Fünfjährigen gelangt weitaus mehr schädigendes Sonnenlicht zur Netzhaut als beim 50- oder 80-Jährigen." Deshalb sollte man Kindern im Urlaub, aber auch beim Spielen in der intensiven Sonne immer eine Sonnenbrille aufsetzen: "Andernfalls sind auch Spätschäden an der Netzhaut nicht auszuschließen." Bleibende Schäden an Linse und Netzhaut durch UV-Strahlung sind schmerzlos – und machen sich erst über Jahre bemerkbar.

Da hauptsächlich UVA-Licht für die Hautreaktionen verantwortlich ist, kann es auch hinter Glas zu solchen Haut- und Augenbeschwerden kommen. Hingegen lassen Windschutzscheiben aus modernen Kunststoffen kaum mehr UVA-Licht durch.

Für Anfragen zum Thema "Augenschäden durch UV-Strahlung" hat jetzt die Augenklinik Zirm die Seite www.zirm.net/sonne erstellt.

Übrigens: Auch die sogenannte "Sonnenallergie" – die polymorphe Lichtdermatose, die keine Allergie, sondern eine Unverträglichkeit ist – wird ebenfalls meist durch UVA-Licht ausgelöst (siehe unten).

Die akutellen UV-Werte finden Sie auf der Homepage www.uv-index.at

http://www.uv-index.at

Viele Symptome. „Sonnenallergie“ in der Umgangs-, „polymorphe Lichtdermatose“ in der Fachsprache: „Das Erscheinungsbild ist sehr unterschiedlich – Knötchen, Pusteln, rote Flecken“, sagt Univ.-Prof. Andreas Steiner, Vorstand der dermatologischen Abteilung im Krankenhaus Hietzing.

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„Fast jeder Mensch leidet irgendwann einmal darunter. Aber nur wenige sind jedes Jahr betroffen.“ Viele würden glauben, die Hautreaktionen kämen von Sonnencremes oder dem Meerwasser – „aber das stimmt nicht“. Oft treten die Symptome bei der ersten intensiveren Sonnenbestrahlung im Jahr auf, nach einigen Tagen bessern sie sich – die Haut wird abgehärtet (Hardening-Phänomen). „Die Lichtdermatose ist sehr therapieresistent und spricht auf Salben und Antihistaminika (Anti-Allergie-Mittel) nur schlecht an“, sagt Steiner.
Vorbeugend sollte man Sonnencremes mit hohem UVA-Schutz verwenden. Bei schweren Fällen kann man drei bis vier Wochen vor dem Urlaub eine PUVA-Lichttherapie durchführen: Zuerst wird die Haut mit dem Medikament Psoralen lichtempfindlicher gemacht und dann kurz mit UVA-Licht bestrahlt. „So kann man die Haut vor dem Urlaub daran gewöhnen.“ Eine Lichtempfindlichkeit sollte man immer vom Arzt abklären lassen: „Sie kann auch Vorbote einer Autoimmunerkrankung sein.“
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