Wissen/Gesundheit

Warum Fasten im Advent eine gute Idee ist

Alle Jahre wieder gibt es in der Vorweihnachtszeit kein Entkommen – Kekse, Punsch, Stollen und andere Köstlichkeiten lauern verführerisch duftend an jeder Ecke. Spätestens zu den Feiertagen drückt der Hosenbund und der Körper vermittelt, dass nichts mehr geht. Dann bleibt nur – ganz im Sinne der Bedeutung des Advents – das Warten auf Erlösung. Besser aber, man lässt es gar nicht erst soweit kommen.

Wer auf Völlerei während der Adventszeit verzichtet, kehrt damit zu ihren Wurzeln zurück. In der katholischen Kirche gilt sie traditionell als Fastenzeit, die ursprünglich nach dem 11. November begann; daher der Brauch, sich an Martini noch einmal richtig am Gansl satt zu essen. Seit 1917 wird das Adventfasten vom Kirchenrecht aber nicht mehr gefordert. Ein Grund, warum es bei vielen in Vergessenheit geraten ist. Jüngst entdecken jedoch wieder mehr Menschen diese Tradition für sich – sei es aus religiösen Gründen oder schlicht, um etwas für das eigene Wohlbefinden zu tun.

Gegentrend

Elisabeth Rabeder, die Betriebsleiterin im oberösterreichischen Curhaus Bad Mühllacken (siehe Bildergalerie) ist, sieht darin einen Gegentrend zum vorherrschenden „Konsum, Überfluss und der Völlerei“ im Advent. „Viele Menschen haben die Sehnsucht, da nicht mehr mitzumachen“, sagt die Fastenbegleiterin, die jedes Jahr zu dieser Zeit eine Gruppe eine Woche lang unterstützt– „sie wollen sich keinen Wettkampf liefern, wer die meisten Kekssorten gebacken hat“.

Die Lust am Verzicht haben längst auch Wellness- und Spa-Hotels erkannt und ihr Angebot adaptiert. „Mehr Menschen wollen im Urlaub etwas für ihre Gesundheit tun“, sagt Johann Haberl, Inhaber und Betreiber des Hotels Larimar in Stegersbach im Burgenland. Der ganzheitliche Ansatz spiegelt sich unter anderem in der Bio-Kost wider, aber auch in der symmetrischen Bauweise des Hotels, wie er erklärt.

Buchinger-Fasten

Nach einem Entlastungstag mit leichter Kost wird mindestens fünf Tage nur getrunken: Gemüsebrühe, Kräutertee, Obst- und Gemüsesäfte sowie Wasser. U. a.  werden Leberwickel angewendet, der Darm wird mithilfe von Abführmitteln oder Einläufen entleert. Am Ende stehen zwei Aufbautage.

F.-X.-Mayr-Kur

Die früher auch als Semmel-Milch-Diät bekannte Kur wird heute vielerorts modernisiert angeboten. Ziel ist die Reinigung des Darms. Einnahme von Bittersalz sowie Körperbehandlungen.

Basenfasten

Die Entsäuerung des Körpers steht im Vordergrund.

Ayurveda-Fasten

Das „Agni“  (Verdauungsfeuer) soll gefördert werden, indem bei der Lebensmittelauswahl der Konstitutionstyp  (Vata, Pitta, Kapha)  berücksichtigt wird, meist kein Totalfasten.

Intervallfasten

Bei Esszeiten und -pausen wird ein  Rhythmus eingehalten. 16/8, 36/12 und 20/4 sind Stundenintervalle, die erste Zahl ist die Dauer des Nicht-Essens, die zweite jene Stunden, in denen man essen darf. „5/2“ bezieht sich auf Tage, aber umgekehrt: fünf Esstage, zwei Tage Pause.

Dort zu fasten, wo auf hohem Niveau gekocht wird, klingt im ersten Moment paradox, findet aber zunehmend Anklang. Die Gäste buchen im Larimar nicht mehr nur den klassischen Wellnessurlaub, sondern auch Kuren, die von Heil- und Basenfasten bis hin zu Detox oder Ayurveda reichen. Bewegung und Anwendungen, die von – zum Teil medizinischem – Fachpersonal durchgeführt werden, spielen eine ebenso wichtige Rolle, wie das (Nicht-)Essen. Beliebt ist die ayurvedische Abhyanga-Massage, in Indien als Massage der reinen Liebe bezeichnet, bei der auf den Typen abgestimmte Öle verwendet werden und die im Hotel in Stegersbach von einem indischen Therapeuten durchgeführt wird.

Kulinarische Genüsse

Wer sich nicht für das Vollfasten entscheidet, wird zu Beginn der Kur aufgeklärt, dass Fasten nicht heißen muss, auf Nahrung zu verzichten. Im Gegenteil: Bei vielen Methoden gibt es reichlich zu essen, die Kost ist jedoch ausschließlich basisch. Heißt, es wird bewusst auf säurebildende Lebens- und Genussmittel wie Fleisch, Eier, fette Milchprodukte, Alkohol und Süßigkeiten verzichtet und diese durch basische Lebensmittel wie Obst und Gemüse, Kartoffeln und frische Kräuter ersetzt. Dass das nicht zwingend mit Verzicht auf kulinarische Genüsse einhergehen muss, beweist die Küche im Larimar (Hotel-Rezepte unten).

Wer eine Detox-Kur macht, findet Gerichte wie „Geschmorter Ofenkürbis mit cremigem Gemüse“ oder „Banane im Orangenfond“ auf der Speisekarte – und muss nicht hungrig ins Bett gehen. Damit der Gusto auf das Käse- und Dessertbuffet der Gäste ohne Fastenschwerpunkt nicht allzu groß wird, werden die Mahlzeiten im „Luftstüberl“, einem abgetrennten Bereich, eingenommen.

Auswahl an Fastenhotels:

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Für eine solche Erfahrung, welcher Art auch immer, eignet sich der Advent laut Rabeder besonders gut. „Es ist die Zeit des Rückzugs. Die Natur zeigt das wunderbar vor. Der ideale Zeitpunkt, um innezuhalten, Ordnung zu machen und sich damit auseinanderzusetzen, was man ins nächste Jahr mitnehmen möchte.“ Gewichtsverlust sei ein häufiger Nebeneffekt, jedoch nicht vorrangiger Sinn des Verzichts. „Fasten ist ein ganzheitlicher Prozess. Die Frage, womit ich meinen Körper und meine Seele nähren möchte, ist wesentlich“, sagt Rabeder, die Menschen im Kurhaus der Marienschwestern seit über zwanzig Jahren auf diesem Weg begleitet.

Ein weiterer Zweck liegt darin, die Willenskraft zu erhöhen. Und da kann man eindeutig sagen: Wer es im Wellnesshotel schafft, den vor sich hin sprudelnden Schokobrunnen zu ignorieren, hat diese Übung erfolgreich gemeistert.

Vorbereitung: 15 min
Zubereitung: 35 min
Portionen: 2

100 g Kartoffeln
1/2 l Gemüsebrühe  
1 EL Olivenöl
100 ml Kokosmilch 
Salz, Pfeffer, Kümmel 
Knoblauch, Majoran

Olivenöl erhitzen. Knoblauch klein hacken und hell anschwitzen. Die Kartoffeln zerkleinern, dazugeben und mitrösten, bis wenig Kruste im Topf entsteht. Anschließend mit Gemüsebrühe aufgießen. Zirka dreißig Minuten weichkochen. Danach mit dem Stabmixer ganz fein pürieren. Mit Salz, Pfeffer, Kümmel und Majoran abschmecken und mit Kokosmilch abrunden. 

TIPP: Nach dem Mixen können auch noch ein paar Kartoffelwürfel dazugegeben und weich gekocht werden. Dann kann die Suppe auch als Kartoffeleintopf präsentiert werden.

Vorbereitung: keine
Zubereitung: 20 min
Portionen: 2

100 g Bio Hirse    
100 ml Kokosmilch
300 ml Mandelmilch 
100 g Nüsse nach Wahl
Zimt, Kardamom 
Bio Agavendicksaft  
 

Die Kokosmilch mit der Mandelmilch zum Kochen bringen. Die Nüsse und die Hirse beimengen und fünfzehn Minuten bei mittlerer Flamme köcheln lassen. Wenn die Hirse weich wird, können die Gewürze und der Agavendicksaft dazugegeben werden. So lange weiterkochen, bis es von selbst cremig wird

TIPP: Sternanis kann von Anfang an mitgekocht werden, das ergibt einen feineren Geschmack. Beim Servieren können getrocknete Früchte und Kokosraspeln als Dekoration auf den Brei gestreut werden.