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Allergieauslöser entdeckt

"25 Jahre forsche ich in dem Bereich, aber erst jetzt kann ich sagen: Ich kenne den allerersten Schritt bei der Entstehung einer Allergie." Das sagt jetzt – nicht ohne Stolz – Univ.-Prof. Erika Jensen-Jarolim, Leiterin der Abteilung für Komparative Medizin am Messerli Forschungsinstitut in Wien (einer gemeinsamen Einrichtung der Vetmeduni Vienna, der MedUni Wien und der Uni Wien).

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Gelungen ist das am Beispiel der Birkenpollen: "Wir wussten, dass 95 Prozent der Birkenpollen-Allergiker auf ein bestimmtes Eiweiß im Pollen – Bet v 1 – reagieren." Aber warum ein eigentlich harmloses Molekül zu einer Überreaktion des Immunsystems führt, war bisher nicht bekannt. Ein Team um die Forscherin Franziska Roth-Walter (Bild links, Erstautorin einer Studie im Top-Magazin Journal of Biological Chemistry) und Jensen-Jarolim fand eine mögliche Ursache: Dieses Eiweiß kann Eisen an sich binden – bleibt es allerdings ohne Eisenbeladung, wird es zum Allergen, zum Allergieauslöser.

Gestörte Balance

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Denn es ist einem menschlichen Protein, das sich vor allem in der Lunge befindet und an der Balance der Reaktionen des Immunsystems beteiligt ist, sehr ähnlich. Jensen-Jarolim (Bild links): "Hat das Polleneiweiß kein Eisen gebunden, greift es in diese Balance des Immunsystems ein und sorgt dafür, dass sich vermehrt bestimmte Abwehrzellen bilden, von denen man weiß, dass sie Allergien ganz stark fördern."

Verschärfte Umweltbedingungen für die Birken (z. B. in Städten) könnten der Grund dafür sein, dass dieses Protein heute seltener als früher mit Eisen beladen ist. So könnten andere Metallpartikel wie etwa Aluminium – z. B. aus Luftschadstoffen – das Eisen von seinen Bindungsstellen an dem Protein verdrängen und seinen Platz einnehmen. "Aber das muss erst eindeutig belegt werden."

Auch bei Kuhmilch

Auch bei einem Eiweiß aus der Kuhmilch konnten die Forscher nachweisen: Es führt nur dann zu einer überschießenden Reaktion des Immunsystems, wenn es kein Eisen gebunden hat. Und auch hier könnte das Eisen öfter als früher von anderen Metallen verdrängt werden. Jensen-Jarolim: "Soja etwa nimmt aus dem Boden viele sogenannte dreiwertige Metallionen, wie etwa Aluminium, auf. Durch die vermehrte Ernährung der Kühe mit Soja könnten untypische Metallionen in ihren Körper eingeschleust werden und das Eisen verdrängen." Theoretisch könnte dies die Häufigkeit echter Milcheiweißallergien erhöhen.

Die neue Erkenntnis könnte weitreichende praktische Folgen haben: "Möglicherweise könnte auch Eisenmangel im Körper ein Risikofaktor für eine Allergieentstehung sein – weil sich dadurch eben jene Zellen des Immunsystems, die eine Allergieentstehung begünstigen, besser entwickeln. Aber auch hier sind weitere Studien notwendig, um das zu erhärten."

Auch die derzeit recht aufwendige Immuntherapie von Allergikern könnte verbessert werden. Dabei werden den Patienten Moleküle wie "Bet v 1" in steigender Dosierung injiziert, damit sich das Immunsystem daran gewöhnt. "Würde man diese Moleküle gezielt mit Eisen beladen, könnte man einen besseren Effekt erzielen. Die Therapie, die heute noch zwei bis vier Jahre dauert, könnte möglicherweise deutlich verkürzt werden."

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