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Europas jüngstes Frühchen: "Ein kleines Wunder"

Ich wünsche mir ein Puppenhaus", sagt Frieda. Sie freut sich auf einen Geburtstag mit Freunden und auf "Schokoladenkuchen mit Smarties". Für Ärzte ist es ein medizinisches Phänomen, dass das Mädchen heute, Samstag, seinen fünften Geburtstag feiern kann. Am 7. November 2010 kam sie im Klinikum Fulda als Europas jüngstes Frühchen bereits nach 21 Schwangerschaftswochen auf die Welt. Eine normale Schwangerschaft dauert 40 Wochen, die 23. Woche gilt als "Grenze der Überlebensfähigkeit".

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Bei der Geburt war das Mädchen nur 26 Zentimeter groß und wog 460 Gramm. "Frieda ist ein kleines Wunder. Wir können sehr zufrieden sein. Körperlich hat sie zwar Nachholbedarf, aber es geht stetig bergauf. Sie ist altersgemäß entwickelt und hat keine großen Defizite, die über individuelle Besonderheiten hinausgehen", sagt Reinald Repp, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Fulda. Der Nachholbedarf bezieht sich vor allem auf Friedas Motorik. Die ist "nicht so geschmeidig", sagt Mutter Yvonne. "Wenn sie hüpft oder rennt, sieht es etwas staksig aus. Dafür ist sie kognitiv sehr weit, hat eine gute Auffassungsgabe", erzählt die 38-Jährige. Nicht selten tragen extrem unreife Frühchen dauerhafte Schäden davon – wenn sie überleben. Lunge, Darm, Gehör und Netzhaut können geschädigt sein. Es drohen bleibende Behinderungen. Frieda stellt die Prognosen aber auf den Kopf.
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Das Mädchen ist kontaktfreudig, singt gerne und besucht einen Englisch-Kurs im Kindergarten. Bei Tests kann es mit Normal-Geborenen mithalten. Ob sich Friedas positive Entwicklung fortsetzt, sei dennoch schwer zu sagen, meint Repp. Es gebe zu wenig wissenschaftliche Erkenntnisse über den Lebensweg von extrem unreifen Frühchen. "Aber derzeit bestehen keine Anzeichen, dass schwere Probleme zu erwarten sind. Sie hat eine gute Prognose, aber keine Garantie", sagt Repp.

Definition Frühgeburt

Kinder, die vor Woche 37 zur Welt kommen, gelten als Frühgeburt. Sie machen fünf bis acht Prozent aller Geburten aus. Je früher die Kinder geboren werden, desto unreifer sind ihre Organe. In den vergangenen Jahren gab es große medizinische Fortschritte. Prognosen sind dennoch schwierig, da sich die Entwicklung nicht abschätzen lässt. Manche Beeinträchtigungen zeigen sich erst später, etwa bei Schuleintritt.

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