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Asiatischer Marienkäfer verdrängt die heimischen Arten

Zwei, sieben oder mehr als 20 Punkte: Der Sympathieträger Marienkäfer fliegt in unzähligen Arten herum. Doch gerade einst für Mitteleuropa typische Varianten wie etwa der Zweipunkt-Marienkäfer sind immer seltener anzutreffen. Sie sind Opfer eines komplexen Verdrängungskampfes auf Wiesen und an Waldrändern.

Warum die heimischen Coccinellidae-Arten so stark leiden, konnten nun Forscher der deutschen Universität Gießen entschlüsseln: Die Flugkäfer verfügen über keinen natürlichen Schutz gegen einen einzelligen Parasiten, der in den Larven des zugewanderten Asiatischen Marienkäfers lebt. Frisst der einheimische nun die Larven seines Verwandten, infiziert er sich und stirbt.

Zahlreiche Abwehrmoleküle

Dieses Problem hat der Asiatische Marienkäfer nicht: Die Gießener Wissenschaftler haben in ihrem Forschungsobjekt eine Vielzahl von Abwehrmolekülen entdeckt. Er verfüge über "die höchste Anzahl antimikrobieller Stoffe, die bisher bei Tieren nachgewiesen wurde", schreiben sie im Fachmagazin Science. Es wird untersucht, inwieweit sie gegen Tuberkulose- und Malariaerreger einsetzbar sind.

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Dem als Glücksbringer geschätzten heimischen Marienkäfer nützt das allerdings nichts – ihm ist womöglich kein Glück beschert: Ansätze, um seine Verdrängung aufzuhalten, sehen Wissenschaftler derzeit nicht – wenn der Zweipunkt-Käfer nicht selbst eine Abwehr gegen den Parasiten entwickeln sollte. Verschärft wird das Problem auch dadurch, dass sich der Migrant stärker vermehrt als der heimische – und dadurch auch als Leckerbissen für diesen häufiger verfügbar ist.

Nützling wird zum Schädling

Selber Schuld, wenn er so gefräßig ist? Das wäre zu kurz gedacht, die Folgen sind weitreichender. Der in den 1980er-Jahren zur Schädlingsbekämpfung (Blattläuse) importierte Asiatische Marienkäfer wandelt sich auch aus anderen Gründen vom Nützling zum Schädling. "Der positive Beitrag als biologisches Kontrollmittel von verschiedenen Schädlingen wird von seinen negativen Eigenschaften überschattet", heißt es am Institut für Nachhaltige Pflanzenproduktion der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit des Gesundheitsministeriums (AGES).

Gefahr für den Weinbau

Betroffen ist etwa der Weinbau, denn auch in Weingärten wird der Asiatische Marienkäfer immer häufiger wahrgenommen. Vor allem im Herbst wird der Blattlaus-Liebhaber zum Obst-Fan. Offensichtlich wird er von bereits beschädigten Weintrauben angelockt. "Die Käfer fressen sich in die Trauben hinein, wo sie schwierig zu entfernen sind", betont man bei der AGES.

Werden die Käfer mit den Weintrauben verarbeitet, verderben sie dessen Aroma. Sie sondern bei Bedrohung ein Sekret ab, das aufgrund von Pyrazinen zu einem unerwünschten, bitteren Geschmack im Wein führt. Versuche in den USA und der Schweiz hätten gezeigt, dass bereits 1,9 Asiatische Maikäfer pro Kilogramm weiße Trauben für Beeinträchtigungen ausreichen.