Wirtschaft/Karriere

Fachhochschulen: Bleiben die Plätze bald leer?

Studieren, nebenbei arbeiten und dabei in Mindeststudienzeit abschließen – diese Form des Studierens erfordert ein hohes Maß an Organisation, gutes Zeitmanagement und sehr viel Biss. Aber Studium und Job zu vereinen ist nicht nur für Studenten eine Herausforderung. Sondern auch für Bildungseinrichtungen.

„Heutzutage beginnen Menschen in den unterschiedlichsten Lebensphasen eine Ausbildung“, sagt Alexander Bari, Standort-Leiter des IUBH-Campus. Es seien nicht nur Maturanten, die nach der Schule an die Uni oder FH gehen, sondern auch Absolventen mit Jobs oder Eltern in Karenz. „Lebensläufe - und Situationen sind immer fragmentierter, Bedürfnisse von Studenten immer individueller“, so Bari. „Die Flexibilisierung spürt man damit nicht nur am Arbeitsmarkt, sondern auch in der Bildung. Jeder ist mobil und auch FH’s müssen es werden.“

Nicht mehr im Hörsaal abholen

Die IUBH Internationale Hochschule macht dies mit einem breiten Angebot an Studienmodellen: Campusstudiengänge, Berufsbegleitende, Duale Studienformen sowie reine Fernstudien. „Wir haben uns überlegt, wie man diese Menschen abholen kann.“ Und abholen kann man sie nicht mehr im Hörsaal, sondern im digitalen Raum: Bis zu 30 Prozent der Kurse eines Dualen Studiums werden bereits Online organisiert, im Berufsbegleitenden Studium sind es 50 Prozent.

„Die Flexibilisierung spürt man damit nicht nur am Arbeitsmarkt, sondern auch in der Bildung. Jeder ist mobil und auch FH’s müssen es werden.“

Alexander Bari, Standort-Leiter des IUBH-Campus
über Änderungen an Hochschulen

Da mit Job, Familie oder Nebenberuf Anwesenheiten schwierig einzuhalten und zeitaufwendig sind, integrieren FH und Privatuniversitäten immer mehr Elemente aus Fernstudiengängen in ihr Curriculum: Klassische Campusstudien beinhalten weniger Frontal-Vorlesungen und bieten stattdessen Video- oder Podcasts an, Fachwissen wird über Online-Kurse im Selbststudium erlernt, Präsenzzeiten werden reduziert, Distant-Learning-Anteile erhöht.

Fernstudiengänge: Nie an der Uni

Ein Höchstmaß an flexibler Zeit- und Ortswahl im Studium ermöglichen Fernstudiengänge. Allerdings fordern sie auch ein Höchstmaß an Disziplin – sich nach der Arbeit vor den Laptop zu setzen und zu lernen, Studienzeiten auf das Wochenende auszuweiten, ist nicht jedermanns Sache.

Die Hälfte der Erstsemestrigen an der Fernuniversität Hagen bricht das Studium ab, danach pendle es sich ein, so Josef Reif, Leiter des Zentrums für Fernstudien in Linz. Reif betreut u.a. die Fernuniversität Hagen. Aktuell würden 3.000 Studenten das Fernstudium absolvieren, knapp 80 Prozent seien berufstätig. Der Vorteil: Null Präsenztermine. Der gesamte Lernstoff wird digital vermittelt.

Kein Campusleben mehr?

Aber: Was wird nun aus den Hörsälen, aus dem Campusleben und den Stammtischen? Und wie kommt eine Ausbildung, in der Wissen im Alleingang und weniger in der Gruppe kritisch reflektiert wird, in der Arbeitswelt an? „Das muss jeder persönlich entscheiden. Aus unserer Sicht ist eine Mischung aus Präsenz- und Online optimal“, sagt Michael Ludwig der Personalberatung Brenner & Company. Es sei zwar für Personaler nicht immer einfach, den Überblick über Abschlüsse zu behalten, aber „prinzipiell ist jede Form der Weiterbildung gut.“

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Dass es irgendwann keine Gruppenarbeiten mehr geben werde, glaubt Andreas Breinbauer, BFI-Rektor und Vizepräsident der Fachhochschulkonferenz, nicht. Zwar biete auch seine FH immer mehr reine Online-Weiterbildungskurse an, man achte aber auf Balance: „Selbstorganisiertes Lernen über digitalisierte Inhalte ja – aber mit Maß.“ Aus Feedback-Gesprächen wisse er, dass selbst Studierende die Flexibilität begrüßen, zum Lernen gerne an die Fachhochschule kommen. Zudem sei der persönliche Kontakt zu Vortragenden und Netzwerken am Campus wichtig für die Karriere.