Wirtschaft/Karriere

Bezahlen mit der Hand: Unternehmer lässt sich Chip implantieren

„Ich bin in Österreich kein Unikum“, sagt Thomas Urbanek, Mitbegründer der Sicherheitstechnik-Firma Taurus. „Es gibt schon einige, die das haben“, sagt er, doch in seinem näheren Umfeld sei er der Einzige.

Die Rede ist von NFC- (Near Field Communication) und RFID-Chips (Radio Frequency Identification), die kontaktlos Daten übertragen und die sich der Unternehmer vor einem halben Jahr unter die Haut implantieren hat lassen. Wofür? Um Türen zu öffnen und alle wichtigen Daten und Passwörter immer – im wahrsten Sinne des Wortes – bei der Hand zu haben.

Zwei Chips an der Zahl sind es – bis jetzt. Heute, am 23. März, kam ein dritter dazu. Mit diesem will Urbanek jetzt seine Einkäufe erledigen, ohne an Geldbörse oder Handy denken zu müssen.

„Für mich ist das tägliche Leben mit Implantaten extrem angenehm“, sagt der Taurus-Gründer. „Ich brauche nie wieder daran denken, meinen Schlüssel mitzunehmen. Ich bin Minimalist und kann jetzt so wenig wie möglich bei mir tragen“, erklärt er.

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Die bereits implantierten Chips sehen aus wie winzige Glasröhrchen, sind einen Zentimeter lang und haben einen Durchmesser von gerade einmal zwei Millimetern. Nur beim genauen Hinsehen machen sie sich zwischen Daumen und Zeigefinger bemerkbar.

Der Chip, mit dem Urbanek künftig im Geschäft zahlen will, nimmt etwas mehr Raum ein. Rund 2,5 Zentimeter lang und 7 Millimeter breit ist der Chip, den er an der Handseite von einem geprüften Piercer im Taurus-Bürogebäude platzieren lässt. Das Einsetzen dauert nur wenige Minuten. Nach zwei bis drei Wochen, wenn die Schwellung abgeheilt ist, wird er ihn verwenden können.

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Sicherheit, die unter die Haut geht

„Natürlich ist es zu einem gewissen Grad auch ein Gimmick“, sagt Urbanek, der Gefallen an außergewöhnlichen Methoden für elektronische Zutrittssysteme gefunden hat. Denn notwendig sei ein Implantat natürlich nicht, um vollends abgesichert zu sein.

Es sei nur eine Option von vielen – für die nationale und internationale Kundschaft seiner Firma setzt er vorzugsweise auf herkömmliche Methoden der Sicherheitstechnik wie Zahlen- und QR Codes, Gesichts- oder Kennzeichenerkennung. „Ich verstehe, dass meine Implantate für viele ausgefallen oder ungewohnt sind und die Mehrheit sich diese auch nicht machen lassen würde“, sagt er und hängt ein „noch“ lachend an.

Taurus wurde 2016 von Markus Hambrusch und Thomas Urbanek gegründet. Das ursprüngliche Zwei-Personen-Unternehmen beschäftigt heute rund 30 Mitarbeiter an Standorten in Österreich und Deutschland. Zu den Kunden zählen laut Angabe des Unternehmens die Casinos Austria, diverse Botschaften, KMU und Privatkunden. Die Monteure und Techniker sind europaweit im Einsatz. Spezialisiert hat sich das Unternehmen auf die Errichtung von Alarm-, Video- und Gefahrenmeldeanlagen sowie auf Zutrittssysteme.

Eine Nachfrage seitens der Kundschaft zu den implantierten Chips gibt es aber vereinzelt schon. Denn die Chips sind relativ ausfallsicher. Höchstens ein schwerer Unfall könnte die Funktionalität beeinträchtigen. Und sind die Chips tief genug unter den ersten Hautschichten angebracht, würde auch kein Risiko bestehen, dass sie rauswachsen würden.

Grenzen bei künftigen Implantaten gibt es für den Unternehmer trotzdem. Nicht jede neue Technik stößt bei ihm auf Begeisterung: „Ich wäre schon skeptisch bei Dingen wie Neuralink von Elon Musk wo ein Implantat direkt ins Gehirn gesetzt wird. Das ist schon ein anderes Level.“