Wirtschaft

US-Notenbanker verunsichern Aktienanleger

Nach dem mehr als enttäuschenden Juni zeigten sich Europas Aktienmärkte im Juli wieder von ihrer sonnigen Seite. Und das, obwohl es weiter Sorgen rund um die Aussagen des US-Notenbankchefs Ben Bernanke gibt, der ein vorzeitiges Ende der lockeren Geldpolitik der Fed angedeutet hat. Zudem gibt es – trotz mehrheitlich positiver Konjunkturdaten in der Eurozone – nach wie vor konjunkturelle Risiken. Die Branchen im Euro-Stoxx-Index, der die Aktien der größten Konzerne des Euroraums enthält, zeigten sich im abgelaufenen Monat davon fast unbeeindruckt. „Lediglich der zyklische Konsum rutschte mit 0,10 Prozent ins Minus“, sagt Harald Schoder , Aktienexperte der RLB NÖ-Wien. Alle anderen 17 Branchen verzeichneten Gewinne. Seit Jahreswechsel stehen 14 Gewinnern nur vier Verlierer gegenüber (siehe Grafik).

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Spitzenperformer war sowohl auf Monatssicht als auch in der Bewertung seit Jahresbeginn die Automobilindustrie, deren Aktien allein im Juli 12,5 Prozent an Wert hinzugewinnen konnten. Die Papiere von Daimler etwa kletterten nach guten Halbjahreszahlen auf den höchsten Stand seit zwei Jahren. Auf den ersten Blick scheint es überraschend, dass Autowerte angesichts der großen Absatzprobleme in Europa dermaßen gut performen. Doch Analysten verweisen auf steigende Absätze, vor allem deutscher Hersteller, in den Boommärkten Asien und USA. Zudem seien die Aktien der Branche noch immer recht günstig bewertet. Die Investoren setzen darauf, dass es 2014 auch in Europa wieder aufwärts geht.

Schoder erwartet, dass die Diskussion über eine Reduktion des US-Anleihenkaufprogramms – und damit um die Versorgung der Kapitalmärkte mit Liquidität – weiter anhalten wird. „Da die bisher mehrheitlich positive Entwicklung der Aktienmärkte zu einem großen Teil von dieser Liquiditätsversorgung getragen wurde, sollte mit Verunsicherungen an den Börsen in nächster Zeit gerechnet werden.“

Zinserhöhung

John Greenwood, Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Invesco, rechnet damit, dass die Zentralbanken ihre Liquiditätsspritzen allmählich zurückführen werden, um dann gemäßigt die Zinsen zu erhöhen. „Immer unter der Voraussetzung, dass die wirtschaftliche Lage ausreichend robust ist, um die Volkswirtschaften trotz der Erhöhungen auf einem soliden Wachstumspfad zu halten.“ Das werde aber noch einige Zeit dauern. Steigende Zinsen machen Aktien weniger attraktiv.