Wirtschaft

Ex-Mitarbeiter klagen Henry am Zug

Am Montag trafen sich Attila Dogudan, Chef des Catering- und Gastronomie-Konzerns DO&CO, drei Funktionäre der Wirtschaftskammer und Berend Tusch von der Gewerkschaft Vida zu heiklen Verhandlungen. Am Ende soll eine Sonderregelung für Catering-Unternehmen und mobile Gastronomiebetriebe zustande gebracht werden. Diese soll dann als Sonderabschnitt in den bestehenden Gastro-Kollektivvertrag eingebettet werden. Am Montagnachmittag gab es noch kein Ergebnis. Ausgelöst wurden die Gespräche von arbeitsrechtlichen Problemen bei der DO&CO-Tochter Henry am Zug (600 Mitarbeiter), die bei den ÖBB unter Vertrag ist. Das Arbeitsinspektorat soll wegen Arbeitszeit-Überschreitungen und Ruhezeit-Unterschreitungen 1,3 Millionen Euro Verwaltungsstrafe beantragt haben.

Klagen eingebracht

Da ist es auch kein Wunder, dass die Arbeiterkammer (AK) für ehemalige Henry-am-Zug-Mitarbeiter viel zu tun hat. "Wir haben acht Fälle eingeklagt und am Dienstag wird die neunte Klage eingebracht", sagt AK-Rechtsexpertin Julia Vazny-König zum KURIER. "In Vorbereitung sind sechs weitere Fälle."

So soll die gesetzliche Ruhezeit von elf bzw. zehn Stunden (zwischen den Arbeitseinsätzen) in Einzelfällen um bis zu fünf Stunden unterschritten worden sein.

"Wir fordern vor Gericht zum Beispiel für die fehlenden fünf Ruhestunden drei Jahre zurück 100 Prozent Lohnzuschläge ein", sagt Vazny-König. "Die Henry-am-Zug-Mitarbeiter werden nach dem Mindestkollektivvertrag entlohnt, das sind 1400 Euro brutto im Monat." Bisher gibt es noch kein Urteil in Sachen Henry am Zug. Vier ältere Fälle wurden vor Gericht verglichen.

"Fliegende Köche"

Auch bei den "fliegenden Köchen", sprich jenen DO&CO-Köchen, die an Bord von AUA-Fliegern die Kochlöffel schwingen, gibt es anscheinend Probleme. Vier Fälle von früheren DO&CO-Köchen betreut die AK.

"Die Verfahren wurden bereits geschlossen und wir warten auf die Urteile", sagt die AK-Juristin. "Die Flugbegleiter bekommen weit mehr bezahlt und haben ihre Ruhezeiten einzuhalten. Die Köche werden nach dem Mindestkollektivvertrag entlohnt." Hier stellt sich die Frage, so die Arbeiterkammer, ob die Köche kollektivvertragsmäßig richtig eingestuft sind.

Zwar hat DO&CO-Chef Dogudan angekündigt, dass er den Vertrag mit den ÖBB beenden wolle. Doch es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Keine Seite will Schaden verursachen oder Jobs aufs Spiel setzen. "Wir befinden uns derzeit in Gesprächen mit DO&CO über die weitere Zusammenarbeit, der aktuelle Vertrag läuft bis Anfang 2017", bestätigt ÖBB-Sprecherin Sonja Horner. "Wichtig ist uns, festzuhalten, dass es keine Beeinträchtigungen und weiterhin ein qualitativ hochwertiges Speisenangebot für unsere Kunden geben wird." Eine Stellungnahme von DO&CO traf bis zum Redaktionsschluss nicht ein.