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ORF konzentriert sich auf Küniglberg

Der ORF wird alle seine Wiener Standorte auf dem Küniglberg konzentrieren. Diesem Vorschlag der ORF-Geschäftsführung folgte der Stiftungsrat am Donnerstag mit großer Mehrheit - 26 Ja, drei Gegenstimmen (zwei Betriebsräte und Mag. Alexander Scheer, BZÖ) sowie sechs Enthaltung. Gegenwind gab es vor allem vom ORF-Betriebsratschef und Hörfunk-Mitarbeiter Gerhard Moser.

Damit geht eine jahrelange Diskussion über den Standort des Öffentlich-Rechtlichen zu Ende. Dessen Höhepunkt waren die heftigen Diskussionen um einen Neubau in Wien St. Marx gewesen, was von der Wiener SPÖ - im Gegensatz zur Bundes-SPÖ - massiv befördert worden war. Dagegen hatten die ÖVP und der Betriebsrat letztendlich erfolgreich opponiert.

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz sagte in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz: "Das ORF-Zentrum wird tatsächlich zum Zentrum des ORF. Die Frage des Standorts ist eine der wichtigsten unternehmensstrategischen Entscheidungen, die der ORF in den vergangenen Jahrzehnten zu treffen hatte."

Führung sieht Einsparungen

Wrabetz und sein kaufmännischer Direktor Richard Grasl unterstrichen, dass es zu keinen betriebsbedingten Kündigungen aus dem Titel der Konsolidierung der Standorte kommen wird. Gleichzeitig betonten beide, dass der ORF auf Sparkurs bleiben müsse.

Die Gesamtkosten ohne Finanzierungskosten werden auf 35 Jahre gerechnet bei etwa 303 Millionen Euro liegen. Eine Beibehaltung der Standorte wie bisher hätte zu Kosten von 296 Millionen geführt, allerdings erwarten Wrabetz und Grasl mittelfristig jährliche Einsparungen von 10 Millionen Euro. Die Zusammenführung der Standorte soll bis zum 31. Dezember 2021 abgeschlossen sein.

Die Vorsitzende des Stiftungsrates, Brigitte Kulovits-Rupp, sprach von einer "zukunftsweisenden Entscheidung, die eine Neuaufstellung des Unternehmens möglich macht."

Ausbau

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Das ORF-Zentrum wird nun nicht nur renoviert, sondern auch ausgebaut werden. Es wird dies von der Führung als die ökonomisch als auch strategisch sinnvollste Maßnahme bezeichnet. Die laufenden Studien und Berechnungen hätten ergeben, dass auf dem Küniglberg alles Notwendige in wirtschaftlich verantwortbarer Weise umsetzbar sei. Die ORF-Führung erhofft sich davon längerfristig eine jährliche Einsparung von zehn Millionen Euro. Herzstück des neuen ORF-Zentrums soll ein trimedialer Newsroom werden, in dem tagesaktuell Mitarbeiter von Fernsehen, Hörfunk und Online zusammenarbeiten, was Doppelgleisigkeiten abbauen und Synergien bringen soll.

Betroffen von dieser Entscheidung sind die Mitarbeiter des Funkhauses in der Argentinierstraße mit Ö1 und dem Landesstudio Wien sowie Ö3 und die ORF.at-Redaktion in Wien-Heiligenstadt. Das Radio-Kulturhaus und die Hörspielstudios verbleiben hingegen weiterhin im vierten Wiener Gemeindebezirk. Der denkmalgeschützte Große Sendesaal wird auch künftig vom ORF und dessen Radio Symphonie Orchester bespielt werden.

Befürchtet wurde von Mitarbeitern wie vom Betriebsrat, dass die Führung die Konsolidierung der Standorte zum Abbau von Arbeitsplätzen nutzen könnte und sich auch die Arbeitsbedingungen verschlechtern könnten.

Reaktionen

Der Vorsitzender des Finanzausschusses, Franz Medwenitsch, begrüßt die Entscheidung. Medwenitsch, der auch Leiter des ÖVP-"Freundeskreises" im Stiftungsrat ist: "Der beste Garant für journalistische Unabhängigkeit ist ein wirtschaftlich gesundes Medienunternehmen. Die heutige Standortentscheidung trägt auch zur Zukunftssicherung des ORF bei."

BZÖ-Vertreter Alexander Scheer stimmte hingegen dagegen: "Man konnte mich nicht davon überzeugen, dass die gewählte Variante tatsächlich die für das Unternehmen günstigste ist und das sowohl in finanzieller als auch in strategischer Hinsicht."