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Ein junges Gesicht für die Rentnergang

Beim Auftaktbewerb am Freitag war er noch als Achter und damit zweitbester Österreicher ins Ziel gelaufen. Beim Teambewerb am Sonntag ist er trotzdem nur in der Zuschauerrolle. Christoph Bieler erlebt bei einem Großereignis wieder einmal eine Enttäuschung.

Wie bereits bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver, als er das österreichische Team-Gold nur als Zaungast erlebt hatte; wie auch bei der letzten WM 2011 in Oslo, als er erst gar nicht nominiert worden war. In Val di Fiemme wird der Routinier, der zuletzt den Weltcup in Almaty gewonnen hatte, im heutigen Teambewerb durch Lukas Klapfer ersetzt, der in diesem Winter bisher nur einen elften Platz vorweisen kann. „Ich fühle mich um die Chance einer Medaille betrogen“, ärgert sich der 35-jährige Bieler.

Personalrochade

Dabei hatte alles mit einem Aufritt der österreichischen Rentner-Gang gerechnet, wie Mario Stecher (35), Christoph Bieler (35), Wilhelm Denifl (32) und Bernhard Gruber (30) liebevoll genannt werden. Gemeinsam sind die vier Evergreens 132 Jahre alt und können sieben Jahrzehnte Weltcup-Erfahrung vorweisen. Bieler und Denifl gehörten schon jener Mannschaft an, die 2003 eben hier im Val di Fiemme Gold geholt hatte.

Bieler kann seine Ausbootung nicht verstehen. „Der Trainer konnte mir auch keine richtigen Argumente sagen.“ ÖSV-Cheftrainer Christoph Eugen begründet die überraschende Personalrochade mit dem speziellen Charakter des Teambewerbs, der traditionell die Langlauf-Spezialisten bevorzugt. Bielers Stärken liegen zwar auf der Schanze, dafür kann der 35-jährige Olympiasieger von 2006 aber einen enormen Erfahrungsschatz in der Loipe vorweisen. „Wir haben so entschieden, weil es ein lauflastiger Bewerb ist“, erklärt Eugen, „und weil Bieler die Steigungen auf dieser Strecke nicht so liegen.“ Deshalb fiel die Wahl auch auf den 27-jährigen Klapfer.

Führungsfigur

Ein Mann stand sowieso schon seit seiner Comeback-Ankündigung als Fixstarter fest: Mario Stecher. Zwischen seinem ersten Weltcupsieg (1994) und seinem jüngsten Coup liegen fast zwei Jahrzehnte. Mit seinem zweiten Platz im Auftaktbewerb auf der Normalschanze hat der 35-jährige Steirer wieder einmal alle überrascht – die Konkurrenz, die Ärzte und auch sich selbst. „Damit konnte man ja nicht wirklich rechnen“, meint Stecher, der noch vor wenigen Wochen zum x-ten Mal auf dem Operationstisch gelegen war.

Stecher selbst prophezeit für den Teambewerb einen Mehrkampf. „Es sind fünf Teams, die hier um die Medaillen mitlaufen. Die Franzosen, Norweger, Deutschen, Japaner, und natürlich auch wir. Es wird das Team gewinnen, das sich die wenigsten Fehler erlaubt.“

Oder in den Worten von Denifl: „Eigentlich ist es ganz einfach: Möglichst weit springen und möglichst wenig langlaufen.“