Leben/Reise

Und wann hatten Sie das letzte Mal 60 Flaschen Wein im Gepäck?

"Die intelligenten Führer, wie man deren in der Schweiz so manche findet, kennt Tirol nicht“, so steht es im „Österreich-Ungarn“ Handbuch für Reisende von 1860 und weiter: „Man muss mit den Leuten fertig zu werden suchen, so gut es geht. Ganz leicht ist es nicht, gewöhnlich wollen sie mit der Sprache nicht recht heraus. Nicht selten bieten sich ganz wohlhabende Bauern zu Führern an, in der Absicht, ein gutes Stück Geld aus dem Herrn zu verdienen; sie sind die unverschämtesten. Auch mit den Führern, welche die Wirthe besorgen, hat man wohl seine Noth, es sind häufig Verwandte des Wirths oder ihm sonst verpflichtet.“

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Diese und viele weitere amüsante Auszüge findet man im neuen „Baedekers’s Handbuch für Schnellreisende“. Im original Baedeker-Format und in historischer Aufmachung will das Buch die ersten 100 Jahre des modernen Reisens „aufblättern“ – alte Passagen mit aktuellen Kommentaren. So erfährt der Leser, dass u. a. 60 Flaschen französischer Rotwein ins Reisegepäck des geneigten Ägypten-Touristen gehören – zumindest war das so vor 120 Jahren. Indien wird 1914 unter den außereuropäischen Ländern als verhältnismäßig am leichtesten zu erkunden bezeichnet. Trotzdem wird empfohlen, mit eigenem Waschbecken zu reisen. Den Frack kann man zu Hause lassen, der Gehrock muss ins Gepäck, wenn mit Empfängen beim Vizekönig zu rechnen ist.

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In Wien hingegen trifft man den Fiaker, der „Fremden gegenüber, besonders mit norddeutschem Anstrich (...), oft unverschämt“ ist. „Der eingeborene Wiener weiss schon ohne Polizei mit ihm zurecht zu kommen; er nennt ihn Du und der Fiaker kennt seinen Mann.“

Details Baedeker’s Handbuch für Schnellreisende – Ausgewählt und kommentiert von Christian Koch, Philip Laubach und Rainer Eisenschmid. 19,50 €, Dumont Reiseverlag / Karl Baedeker Verlag, 2019.

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