Politik/Inland

Dramatischer Appell an die Kosovaren

Einen Appell richtete Innenministerin Johanna Mikl-Leitner Freitag bei einer Pressekonferenz in Pristina an die Kosovaren: „Bleiben Sie im Lande. Österreich war auch einmal in diesem Zustand. Wir verdanken es unseren Eltern und Großeltern, dass es wieder aufgebaut wurde!“ Und der kosovarische Ministerpräsident Isa Mustafa rief seine geflüchteten Landsleute mit eindringlichen Worten zur Heimkehr auf, weil sie für den Wiederaufbau benötigt würden.
Der Besuch der Innenministerin beim kosovarischen Premier und bei Präsidentin Atifete Jahjaga war der Abschluss ihrer Balkan-Offensive, die sie über Kroatien, Serbien und Montenegro in den Kosovo führte. Die Verhandlungen fanden im beschädigten Parlament statt, das im Jänner während gewalttätiger Demonstrationen teilweise entglast wurde. Das Medieninteresse bei der anschließenden Pressekonferenz war enorm.

30.000 Auswanderer

Insgesamt 30.000 Kosovaren haben in den vergangenen Monaten wegen der schlechten Wirtschaftslage das Land verlassen. Premier Mustafa skizzierte die dramatischen Folgen der Fluchtwelle. Es betreffe vor allem den Mittelstand. Menschen hätten ihre Arbeitsplätze verlassen und ihre Kinder aus den Schulen genommen, um nach Österreich oder Deutschland zu gehen. Den Schulbehörden melden offiziell 5000 verwaiste Plätze in den Klassenzimmern. Mustafa forderte seine Landsleute zur raschen Heimkehr auf. Denn nur dann sei eine reibungslose Reintegration möglich. Der Premier sagte, dass die kosovarische Regierung alle Anstrengungen Österreichs zur raschen Rückführung der ausgewanderten Kosovaren unterstütze.

Regierungsinserate

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Auch die österreichische Inseratenkampagne in den kosovarischen Medien wird vom Regierungschef unterstützt. Freitag erschienen erstmals ganzseitige Inserate des Innenministeriums in den wichtigsten Tageszeitungen des Kosovo, die alle Kosovaren eindringlich vor der Auswanderung nach Österreich warnten. Die Botschaft: „Kein Asyl in Österreich – die Schlepper belügen euch, um an euer Geld zu kommen.“ Denn die Schlepperbanden locken die Menschen zur Flucht mit der Behauptung, man würde mit einem Asylantrag in Österreich automatisch Geld und Arbeit bekommen. Erst im Erstaufnahmezentrum in Traiskirchen kommen die Meisten dann drauf, dass das alles nicht stimmt.

Die Menschen im Land brauchen Perspektiven – insbesondere Arbeitsplätze. Mikl-Leitner stellte in Aussicht, dass Österreich entsprechende EU-Initiativen unterstützen werde. Sie werde sich an die EU-Kommissare Hahn und Avramopoulos wenden. Zurückhaltend zeigte sie sich bezüglich der von den kosovarischen Journalisten angesprochenen Visa-Liberalisierung. Über die könne man erst reden, wenn es zu einer wirtschaftlichen Stabilisierung im Lande gekommen sei.

Emotionen

Die Ministerin schloss sehr emotional mit dem Verweis auf den Wiederaufbau Österreichs nach dem Krieg und dem Appell, im Lande zu bleiben und am Wiederaufbau des Kosovo mitzuwirken. „Unsere Eltern und Großeltern sind vor dem Nichts gestanden. Aber sie haben sich dieser Situation gestellt und Österreich aufgebaut. Sie verdienen dadurch unseren Dank und unsere Anerkennung. Arbeiten Sie hier im Lande für die Anerkennung in der Zukunft.“