Politik/Ausland

Israels Armee führt "Offensivaktion" im Südlibanon aus

Eine Kolonne grüner israelischer Militärfahrzeuge, die sich Richtung Nordgrenze schlängeln; schwarze Rauchwolken und Explosionen auf der anderen Seite der Grenze im südlichen Libanon. Die israelische Luftwaffe hat am Mittwochnachmittag mehrere Ziele im Grenzgebieten des Südlibanon angegriffen. Der Angriff richtet sich gegen die islamistische Hisbollah-Miliz. Seit dem 7. Oktober, seit die islamistische Hamas Israel angegriffen hat, und der darauffolgenden Gegenreaktion der israelischen Armee in Gaza, fliegen hier täglich Raketen über die Grenze, von beiden Seiten. Die Hisbollah sieht sich als Verbündete der Hamas. Vor einer zweiten, großen Front im Norden Israels, davor wird seit Monaten gewarnt.

Unklar ist, ob diese nun aufbrechen könnte: Denn kurz nach Bekanntwerden des Angriffs meldete sich Verteidigungsminister Yoav Gallant in einer Videobotschaft zu Wort: Dem Minister zufolge wurde "die Hälfte der Hisbollah-Kommandeure im Südlibanon getötet, die andere Hälfte versteckt sich. In operativer Hinsicht wird die kommende Zeit entscheidend sein."

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Israel: 40 Hisbollah-Ziele beschossen

Die Angriffe fanden in der Nähe des Dorfes Aita ash-Shaab statt. In einer gesonderten Erklärung des israelischen Militärs hieß es, die Armee habe 40 Hisbollah-Ziele, vorrangig Lagereinrichtungen, Kampfausrüstung und Infrastruktur, mit Kampfjets und Artillerie beschossen. Die pro-iranische Miliz habe dort "dutzende Anlagen und Einrichtungen" platziert, um Israel anzugreifen. Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA wiederum berichtete von 13 israelischen Angriffen.

Unklar blieb jedoch zunächst, ob israelische Bodentruppen auf libanesisches Gebiet vorgedrungen sind.

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Wenige Stunden zuvor hatte die Hisbollah ihrerseits den Abschuss dutzender Raketen vom Typ Katjuscha auf Israel gemeldet. Dies begründete die Miliz mit dem Tod zweier Zivilisten, die bei einem israelischen Angriff getötet worden seien.

Nach dem Angriff des Irans vor zwei Wochen auf Israel war die Befürchtung im Libanon groß, Israel könnte mit einem Angriff auf die vom Iran finanzierte Hisbollah zurückschlagen auch unter der Bevölkerung. Berichten zufolge war es vielerorts zu Hamsterkäufen gekommen, der Luftraum war vorübergehend geschlossen.

Geschätzt 130.000 bis 200.000 Raketen

Geschätzt 130.000 bis 200.000 Raketen umfasst das Arsenal der Miliz, selbst die Luftraumabwehr Iron Dome der Israelis wäre damit überfordert, heißt es oft. Jedoch spielen sich Beobachtern zufolge 98 Prozent des Beschusses im Nahbereich der Grenze ab.

Längst bildet die Hisbollah, die unter anderem in Österreich und Deutschland verboten ist, selbst Kämpfer im Irak oder in Afghanistan aus. Ihr Einfluss in der Region ist damit massiv gewachsen.

Der AFP zufolge wurden seit 7. Oktober Zehntausende Menschen auf beiden Seiten der Grenze vertrieben. Im Libanon sollen mindestens 380 Menschen getötet worden sein, die meisten davon Hisbollah-Kämpfer, aber auch 72 Zivilisten. Nach israelischen Angaben starben auf der israelischen Seite der Grenze elf Soldaten und acht Zivilisten.