Politik/Ausland

Hunderttausende bei Anti-Trump-Demo in Washington

Es war ein anderes Washington, das Donald Trump einen Tag nach seiner Amtseinführung als neuer US-Präsident erlebte. Protestplakate statt Fahnen, zornige Sprechchöre statt Jubel und Blaskapellen, ein Meer pinkfarbener Strickmützen statt roter Trump-Kappen: Krasser hätten die Gegensätze zum umjubelten Vereidigungsfestival vom Freitag nicht sein können.

Dies hier am Samstag war ein Teil des "anderen" Amerika - Menschen, die fürchten, dass Trump ihr Land und ihre Rechte um Jahre zurückwerfen könnte. Umfragen haben ergeben, dass Trump mit so geringen Zustimmungswerten ins Weiße Haus einzog wie kein anderer designierter Präsident vor ihm. Und wenn er es auch stets herunterzuspielen versucht: Er gewann dank des ungewöhnlichen Wahlsystems in den USA, seine Gegnerin Hillary Clinton kam auf fast drei Millionen Stimmen mehr als er. Aber das alles sind nur Zahlen.

Bilder vom Women's March gegen Trump

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"Women's March on Washington" - Frauenmarsch auf Washington war die Massenkundgebung am Samstag in der US-Hauptstadt überschrieben, begleitet von Hunderten "Schwestermärschen" in anderen amerikanischen Städten, aber auch im Ausland. Die Proteste vom Samstag waren plakativ, zeigten die tiefe Spaltung im Land, die mit Trumps feurig-radikaler Antrittsrede womöglich noch tiefer geworden sind. In Washington sollen angeblich rund eine halbe Millionen Menschen auf den Beinen sein.

Der von Frauenrechtsaktivisten initiierte Protest richtet sich gegen Frauenfeindlichkeit, Gewalt, Rassismus, Homophobie und religiöse Intoleranz. Prominente traten als Redner auf, darunter Schauspielerin Scarlett Johansson, Regisseur Michael Moore, Frauenrechtlerin Gloria Steinem sowie Bürgerrechtlerin Angela Davis.

Auch in zahlreichen anderen Städten des Landes gingen die Menschen auf die Straßen, wie diese Bilder aus Chicago zeigen.

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Weltweit

Zum Auftakt waren bereits in Australien und Neuseeland Tausende Demonstrantinnen auf die Straße gegangen, "Schwestern-Märsche" gab es ebenfalls in Paris, London und Stockholm; geplant waren insgesamt mehr als 670 weltweit.

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Auch in Wien versammelten sich am Samstag laut Polizei rund 2.500 Menschen vor der Karlskirche und zogen zum Platz der Menschenrechte vor dem Museumsquartier.

Trump legt los

Trump hatte sein Amt am Freitag angetreten und ist sogleich mit einem Dekret gegen "Obamacare" in seine Präsidentschaft gestartet - begleitet von zum Teil gewaltsamen Protesten. Die für Samstag geplante Großkundgebung in der US-Hauptstadt wird nach Angaben der Organisatoren von umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen begleitet.

Die USA sind nach dem erbittert geführten Wahlkampf zwischen dem Republikaner Trump und seiner demokratischen Konkurrentin Hillary Clinton tief gespalten. Die Demonstration in Washington ist unter anderem ungewöhnlich, weil die Zeit direkt nach der Amtseinführung als Phase gilt, in der dem neuen Präsidenten eher Wohlwollen entgegengebracht wird. Trumps Umfragewerte sind aber derzeit so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht mehr bei einem Amtsantritt eines US-Präsidenten.

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Die Wahl gewonnen hatte der 70-jährige Immobilien-Mogul nicht zuletzt mit den Stimmen weißer Männer aus der Arbeiterschicht, die sich abgehängt und von Ex-Präsident Barack Obamas Demokraten nicht repräsentiert fühlen. Trump begeistert seine Anhänger mit seiner Doktrin "America First" ("Amerika zuerst"), die er auch in den Mittelpunkt seiner Antrittsrede stellte. Sie sorgt aber in Politik und Wirtschaft weltweit ebenso für Verunsicherung wie Trumps Pläne für den Bau einer Mauer zu Mexiko und seine Kritik an Freihandelabkommen oder der NATO. Anders als seine Vorgänger schlägt Trump nicht nur kritische Töne gegenüber dem westlichen Verteidigungsbündnis an, sondern zeigt sich auch offener gegenüber der Regierung in Moskau.

Putin zu Treffen mit Trump bereit

Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte sich indes grundsätzlich zu einem Treffen mit seinem neuen US-Kollegen bereit. Damit wäre Putin einer der ersten internationalen Politiker, die mit Trump zu Unterredungen zusammenkommen. Die Vorbereitungen würden aber einige Zeit in Anspruch nehmen, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow der BBC laut der Nachrichtenagentur Tass vom Samstag. "Das wird nicht in den kommenden Wochen sein. Lassen Sie uns das Beste hoffen - dass das Treffen in den kommenden Monaten passieren wird." Die Beziehungen zwischen den USA und Russland sind auf einem Tiefpunkt. Gründe sind unter anderem die Kriege in Syrien und der Ukraine, wo beide Länder gegnerische Konfliktparteien unterstützen. Die US-Geheimdienste werfen Russland vor, versucht zu haben, den US-Wahlkampf zugunsten Trumps zu beeinflussen.

Trump dankt Medien für "großartige" Bewertung

Der neue US-Präsident Donald Trump hat seine erste Nacht im Weißen Haus anscheinend nicht zum Ausschlafen genutzt. Erst gegen Mitternacht waren er und First Lady Melania nach Auftritten auf drei offiziellen Vereidigungsbällen am Freitag in ihr neues Domizil an der Pennsylvania Avenue in Washington zurückgekehrt.

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Dann war es noch nicht einmal sieben Uhr am Samstagmorgen, als sich Trump zurückmeldete - natürlich via Twitter, seinem Lieblingskommunikationsmittel. "Ein fantastischer Tag und Abend in Washington", schrieb er und bedankte sich beim konservativen TV-Sender Fox News "und so vielen anderen" Medien für die "großartigen Bewertungen" seiner Antrittsrede vom Freitag - das "Großartig" in Großbuchstaben.