Politik/Ausland

Syrien: "Die Angriffe werden zunehmen"

An die 300.000 Menschen im Osten der belagerten Stadt Aleppo befinden sich in verzweifelter Lage. Dank massiver russischer Luftangriffe ist die syrische Armee, unterstützt von schiitischen Kämpfern, vorgerückt und hat die Stadt nahezu eingekreist. Bombardiert wird ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung alles, was auf dem Weg liegt – auch Schulen, Spitäler, Märkte. Hoffnung auf einen Waffenstillstand machte Montagabend Syriens Diktator Assad zunichte: Feuerpause? – Keine Chance.

Weil sich die einst bevölkerungsreichste Stadt Syriens nicht binnen Tagen von den Rebellen zurückerobern lässt, stehen ihr grausame Wochen bevor: Belagerung, zu wenig Nahrung, Wasser, Medizin.

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Die "Befreiung" Aleppos – sie wäre der entscheidende Sieg für die syrische Armee und das Regime Assad. "Damit hätten sie die Kontrolle über das Kernland Syriens zurückerobert", führt Brigadier Walter Feichtinger (Landesverteidigungsakademie) gegenüber dem KURIER aus. Bis zum 1. März – das Datum, das Russland für einen möglichen Waffenstillstand vorgeschlagen hatte – erwartet der profilierte Militäranalytiker eine weitere Eskalation. "Die Vehemenz der Angriffe wird zunehmen." Den Assad-Truppen gehe es darum, ihre Position zu verbessern, also Fakten auf dem Boden zu schaffen, ehe man in Verhandlungen trete.

Zulauf zum IS

Noch aber, so Feichtinger, "zeichnet sich eine militärische Niederlage auf keiner Seite ab". Und auch der "Islamische Staat" geriet trotz der massiven Offensive noch in keine schlechtere Position. Im Gegenteil. "Viele islamistische Gruppen, die bisher bei anderen gekämpft haben, laufen jetzt zum IS über", sagt Feichtinger.

Im Windschatten des syrischen Armeevormarsches nutzten auch Syriens Kurden die Gunst der Stunde. Der Kurdenmiliz YPG gelang es, im Norden von Aleppo islamistischen Rebellen (von der Türkei unterstützt) einige Gebiete abzunehmen. Nun rücken sie weiter Richtung Norden, an die Grenze zur Türkei vor – für die Regierung in Ankara eine "absolute rote Linie".

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Seit vier Tagen feuert die Türkei aus Artilleriestellungen auf die Kurden und droht nun sogar: Man sei bereit, an der Seite einer US-geführten Allianz Bodentruppen nach Syrien ins Kriegsgebiet zu schicken. Feichtinger hingegen sieht dies als "Kriegsrhetorik", um Druck auf den Verbündeten USA zu machen. Tatsächlich seien keine "konkreten operativen Vorbereitungen" für die Entsendung von türkischen Soldaten zu sehen, sagt der Militärexperte. "Und auch vonseiten der USA gibt es keine Anzeichen, Bodentruppen zu schicken."

Für die vorrückenden syrischen Truppen, die auf den vollen Rückhalt Moskaus zählen können, aber heißt das: Ihren Großangriff gegen die Rebellen wird von außen niemand stoppen.