Leben/Reise

Leogang: Wo der alpine Luxus am und auf dem Berg thront

Es ist ein echter Gletscher, der sich da auf gerade einmal tausend Metern Seehöhe vor einem ausbreitet. Kein großer zwar, optisch nur ein langes Schneefeld, aber doch als Gletscher anerkannt. Weil so viele Lawinen vom Birnhorn auf ihn abgehen, dass der Schnee im Sommer nicht abschmilzt und zu ewigem Eis wird. Wobei „ewig“ bald zu Ende sein wird, lange wird es den Birnbachgletscher, den tiefstgelegenen in Mitteleuropa, nicht mehr geben.

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Und so fragt bei der Rückkehr von der (übrigens nur zweistündigen, aber durchaus anstrengenden) Wanderung der Einheimische Philipp Madreiter: „Und, ist er eh noch da?“ Er ist der jüngere der beiden Brüder, die das „Puradies“ führen, eines der feinen Hotels, die sich in Leogang entwickelt haben. Warum die Dichte an Tophäusern in dem Ort mit kaum fünftausend Gästebetten so hoch ist, hat damit zu tun, dass fast alle noch immer Einheimischen gehören. Die treiben einander gegenseitig an und entwickeln ihre Häuser mit viel Liebe zum Detail und zur Gegend.

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So wird Leogang zunehmend zum Alpenort mit Luxusflair. Michael Madreiter, der ältere Bruder und Hotelchef, betont: „Wir haben halt die beste Lage.“ Tatsächlich liegt das sehr großzügige Gelände des Puradies auf einem freien Hang oberhalb des Ortes und hat den unverstelltesten Blick auf die Leoganger Steinberge.

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Die sind die Hauptsehenswürdigkeit des Salzburger Ortes, hinter dem gleich Tirol beginnt. Man kennt das ja: In alpinen Orten gibt es immer den einen Blickfang. Hier sind das die Steinberge, eine Gruppe der Nördlichen Kalkalpen mit besonderer Schicht-Charakteristik. Ob man will oder nicht, immer schaut man sie an, sobald man aus dem Haus geht. Und so haben die Madreiters bei der Entwicklung ihres Embachhofs, wie das Puradies früher hieß, immer alles nach ihnen ausgerichtet, auch das gerade eröffnete neue „Heaven Spa“: Ein altes, früher als Badehaus genutztes Holzgebäude haben sie zum mehrstöckigen Sauna- und Ruhebereich ausgebaut. Mit ständigem Blick auf – richtig: die Steinberge. Wie alles auf dem Gelände, vom Haupthaus über den Zubau „Traumquartier“ bis zu den vierzehn Premium Chalets, fügt sich das neue Spa optisch in die Idee eines alten Bauernhofs. High-End-Hotellerie mit Regionalschick, samt Badeteich, Haubenlokal, Skipisten-Zufahrt und Streichelzoo. Willkommen in Leogang.

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Und doch erinnern einen die umliegenden Berge penetrant daran, das schöne Naturresort gefälligst zu verlassen. Gegenüber der Steinberge, auf der anderen Talseite Leogangs, thront der Asitz. Über den mit mehreren Seilbahnen erschlossenen Berg ist Leogang in das Riesenskigebiet „Home of Lässig“ eingebettet. Im Sommer wird hier sehr viel Rad gefahren, oder eigentlich: gebiked. Gemeinsam mit den Schladmings und Saalbachs dieses Landes hat Leogang sich zu einem der Zentren für Downhiller, Trailfahrer und Mountainbikegourmets gemausert.Wer dabei eher nicht auf Adrenalin-geladenes Runterbolzen steht, kann so malerische Routen wie jene in den Schwarzleograben machen, eine Empfehlung. Natürlich per E-Bike, das die Hotels einem direkt vor den Eingang stellen. Auch Yoga am und auf dem Berg, Kletterrouten und natürlich Hunderte Wanderwege motivieren (eigentlich: drängen) zu Bewegung.

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Anreise
Leogang ist gut per Zug erreichbar, z. B. ab Wien (1 Umstieg) in 4,5 Stunden; oebb.at

Unterkunft
Naturresort Puradies, vielfältige Zimmertypen und Chalets; auch für Familien, viele Aufenthaltsbereiche, Haubenlokal Ess:enz; Pool, Badeteich, Heaven Spa, u. v. m.; Sommersaison 2023 ab 170 € p. P./N mit Bio-Frühstück-Buffet, inkl. Saalfelden Leogang Card

1.000 Meter
– so tief reicht Mitteleuropas tiefstgelegener Gletscher: der Birnbach

Oder doch wieder in die Steinberge. Auf dem Weg zum Gletscher erfährt man auf Infotafeln, dass aus ihm Ende des 19. Jahrhunderts Haus-große Eisblöcke geschnitten, per Holzrutsche ins Tal und per Zug nach München gebracht wurden, um dort die Bierkeller zu kühlen. Heute kommen stattdessen die schicken Münchner in die Leoganger Hotels.

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Nur ein paar Wanderminuten neben dem Gletscher liegt ein noch faszinierenderer Bergplatz: das Birnbachloch auf 1.240 Meter Seehöhe. Sieht aus wie eine Höhle, führt aber nur ein paar Meter in den Berg und ist mit Wasser gefüllt. Das drückt sich hier von unten aus dem Berg und verlässt das Birnbachloch als Gebirgsbach, der aus dem Nichts entsteht. Die meisten gehen hier nur für ein paar Fotos her, dabei sollte man diesen Ort wirken lassen. Schuhe und Socken ausziehen, und das Loch erkunden. Das Stechen des eiskalten Wassers kurz einmal gegen die gewärmten Panoramapools in Leogang tauschen. Sich mit einer einfachen Jause – oder einem Buch, ja, man darf auf dem Berg auch mal lesen – hinsetzen und diesen einmaligen Ort als den größtmöglichen Luxus empfinden.

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