Kultur

Sängerin Sinead O'Connor im Alter von 56 Jahren gestorben

Die in Irland geborene Sängerin Sinead O'Connor, bekannt für ihre Hitsingle "Nothing Compares 2 U“, ist im Alter von 56 Jahren gestorben. Das berichtete die Irish Times am Mittwoch.

Sinead O'Connor galt als eine der bekanntesten Musikerinnen Irlands. Den internationalen Durchbruch feierte sie 1990 mit ihrer Coverversion des Prince-Songs "Nothing Compares 2 You". Mit kontroversen Auftritten und Aussagen erregte O'Connor immer wieder Aufmerksamkeit, zum Beispiel zerriss sie 1992 bei einem Auftritt in der US-Sendung "Saturday Night Live" vor laufenden Kameras ein Bild des Papstes Johannes Paul II. 2003 hatte sie schon einmal angekündigt, sich aus der Musikindustrie zurückzuziehen, wie die BBC damals berichtete.

"Mit großer Trauer geben wir den Tod unserer geliebten Sinéad bekannt", zitierten die "Irish Times", RTÉ und die BBC aus dem Statement der Familie. Familie und Freunde baten demnach darum, in dieser schwierigen Zeit ihre Privatsphäre zu wahren.

Psychische Probleme

Am 8. Dezember 1966 in Glenageary bei Dublin geboren, wurde Sinead Marie Bernadette O'Connor nach der heiligen Bernadette von Lourdes getauft. Ihre Eltern trennen sich früh und O'Connor wuchs zunächst bei ihrer Mutter auf. Sie behauptete später wiederholt, dass ihre Mutter sie misshandelt habe, und setzte sich damit in ihrem 1994er Song "Fire on Babylon" auseinander. O'Connor führt viele ihrer späteren psychischen Probleme auf diese Erfahrungen zurück.

Mehr über das Leben der Sängerin lesen Sie hier: Skandale und Schicksalsschläge: Das tragische Leben der Sinead O'Connor

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Anfang der 1980er-Jahre nahm O'Connor als Teenager ihre ersten Songs auf und gründete die Band Ton Ton Macoute. Ihr erstes Solo-Album "The Lion and the Cobra" entstand, als sie hochschwanger mit ihrem ersten Kind war - das Werk stürmte international die Hitparaden, brachte ihr eine Goldene Schallplatte ein und verkaufte sich 2,5 Millionen mal. Doch wirklich berühmt wurde sie erst mit ihrem zweiten Album "I Do Not Want What I Haven't Got" (1990) und vor allem mit ihrer Version von "Nothing Compares 2 U", in dem O'Connor sich mit dem Unfalltod ihrer Mutter auseinandersetzt.

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Psychische Erkrankungen begleiteten ihr gesamtes Erwachsenenleben und beeinflussten ihre Musikkarriere und Äußerungen. So drohte O'Connor alle paar Jahre, sich aus dem Musikgeschäft zurückzuziehen, nur um wieder neue Alben aufzunehmen - allerdings konnte sie an den großen Erfolg ihrer früheren Karriere nie mehr anknüpfen. 2011 war ein besonders dramatisches Jahr, in dem sie Selbstmorddrohungen und verzweifelte Hilferufe twitterte. Wenige Monate später sagte sie ihre geplante Tour wegen einer manisch-depressiven Erkrankung ab.

Spirituell hatte O'Connor verschiedene Richtungen eingeschlagen. Vor einigen Jahren wurde bekanntgegeben, sie sei zum Islam konvertiert. In den 90ern hatte sie sich von einer katholischen Splittergruppe angeblich zur Priesterin weihen lassen.

Sohn dürfte Suizid begangen haben

Vor 18 Monaten, am 8. Jänner 2022, war O'Connors17-jähriger Sohn Shane, nachdem er wegen mehrmaliger missglückter Suizidversuche in ein Krankenhaus eingeliefert worden war, zuerst vermisst und dann tot aufgefunden worden. Der Schicksalsschlag traf die Sängerin schwer, auf Twitter schrieb sie:  "Mein wunderschöner Sohn, Nevi’im Nesta Ali Shane O’Connor, das Licht meines Lebens, hat heute entschieden, seinen irdischen Kämpfen ein Ende zu setzen und ist nun mit Gott. Möge er in Frieden ruhen und möge niemand seinem Beispiel folgen. Mein Baby. Ich liebe dich so sehr. Bitte sei in Frieden."

In den vergangenen, sehr schwierigen und traumatischen Monaten habe sich O'Connor in mehreren Interviews mit ihrer Vergangenheit befasst, hieß es von ihrem Management. "Sinead wurde sehr zerbrechlich und fasste die emotionale Entscheidung, aufzuhören, erschöpft und kaputt. Nun hat sie einen neuen Spirit und eine neue Entschlossenheit gefunden und ist glücklicherweise stärker denn je." Ein neues Album, "No Veteran Dies Alone" (Kein Veteran stirbt allein), war eigentlich fürs das Jahr 2022 vorgesehen. Es ist nie erschienen.

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Wer Suizid-Gedanken hat, sollte sich an vertraute Menschen wenden. Oft hilft bereits das Sprechen über die Gedanken dabei, sie zumindest vorübergehend auszuräumen. Wer für weitere Hilfsangebote offen ist, kann sich an die Telefonseelsorge wenden: Sie bietet schnelle erste Hilfe an und vermittelt Ärzte, Beratungsstellen oder Kliniken. Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person von Depressionen betroffen sind, wenden Sie sich bitte an die Telefon-Seelsorge in Österreich kostenlos unter der Rufnummer 142.

Das österreichische Suizidpräventionsportal www.suizid-praevention.gv.at bietet Informationen zu Hilfsangeboten für drei Zielgruppen: Personen mit Suizidgedanken, Personen, die sich diesbezüglich Sorgen um andere machen, und Personen, die nahestehende Menschen durch Suizid verloren haben. Das Portal ist Teil des österreichischen Suizidpräventionsprogramms SUPRA des Gesundheitsministeriums.