Kultur

"Tatort": Zu jeder vollen Stunde geschieht ein Mord

Die Uhr tickt unbarmherzig – und die Ermittler Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) und Felix Voss (Fabian Hinrichs) wissen in „Ein Tag wie jeder andere“ (20.15, ORF2) zunächst gar nichts davon: Ein Bayreuther Anwalt erschießt im laufenden Prozess einen Richter. Kurz vor der Tat hält er inne, schaut auf die Uhr und wartet offenbar die volle Stunde ab. Schießt. Dann flüchtet er. Exakt eine Stunde später stirbt eine Universitätsmitarbeiterin. Wieder ist der Anwalt der Täter. Das Problem für die Ermittler: Der Mörder ist weiter unterwegs und es gibt zunächst kein erkennbares Motiv. Erst nach und nach kristallisiert sich ein zurückliegender Lebensmittelskandal als Verbindung zwischen den Opfern und Täter heraus.

Ausflippen

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Die Vorlage zu diesem Franken-„Tatort“ lieferte Drehbuchautor Erol Yesilkaya ein privates Erlebnis. „Es stand einmal bei meiner, damals schwangeren Frau eine Lebensmittelvergiftung im Raum. Es war so, dass ich mir gedacht habe, wenn unserem ungeborenen Kind deshalb etwas passiert, flippe ich aus. Es war das erste Mal, dass ich so gefühlt habe.“ Es ging schließlich gut aus, und es wurde zu dem gesunden Kind noch eine Buch-Idee dazu geboren, die der Bayerische Rundfunk nun umsetzte.

Ringelhahn und Voss stehen diesmal schwer unter Druck, was die beiden Ermittler auch als Menschen an ihre Grenzen bringt. „Diese Ticking-Clock-Geschichte gibt dem Ensemble die Möglichkeit zu zeigen, was in ihm steckt. Dazu gehören auch die verschiedenen Zugänge und Ansichten, die die beiden Kommissare haben und die damit auf eine harte Probe gestellt werden“, erklärt Regisseur Sebastian Marka. Der Spannungspegel beim Zuschauer bleibt hoch. „In diesem Film wird die ganze Zeit Gas gegeben. Es ist das der Versuch, das Publikum in diese Geschichte reinzusaugen.“

Grüner Hügel

Passend zu Bayreuth sollte die Inszenierung von „Ein Tag wie jeder andere“ auch etwas Opernhaftes haben, was schließlich durch den Dreh im Opernhaus, was nur sehr selten genehmigt wird, vollkommen wurde. „Wir gehen da schon ins Extreme, um aus der Fernseh-Realität herauszukommen. Das passt auch zu Bayreuth – das ist Leidenschaft. Wagner hat im Grunde hier das erste Cinemaxx-Kino erschaffen, wo die Zuseher ganz auf die Bühne fokussiert und die Musiker unter die Bühne gepackt sind. Man kann sich hier der Handlung nicht entziehen“, erläutert Marka. Parallel zur „Walküre“ vorne wurde der Thriller im Besucherraum gedreht. „Es liefen quasi zwei Filme gleichzeitig ab.“ Gut 700 Komparsen waren im Einsatz. „Das hinzubekommen, war eine Herausforderung.“

Eine Besonderheit dieser „Tatort“-Ausgabe ist auch die Erzählweise. Drehbuchautor Yesilkaya: „Wir erzählen nicht chronologisch, sondern mit Rückblenden, die aber ebenfalls nicht chronologisch sondern dramaturgisch eingefügt sind.“

Der Film wirkt trotzdem nicht chaotisch. „Wir sind aufeinander sehr gut eingespielt. Das geht vom Buch bis hin zum Schnitt. Das ist kreative Teamarbeit, die so etwas ermöglicht, ohne dass man danach denkt: oje.“

„Tatort“ Franken: Daten und Fakten

Der Franken-„Tatort“  feierte 2015 seine Premiere. Es ist der zweite „Tatort“-Schauplatz in Bayern, wo seit Jahren  Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl) die Platzhirsche sind. „Ein Tag wie jeder andere“ ist erst der fünfte Fall des Franken-„Tatort“. Die Ermittler heißen Paula Ringelhahn und Felix Voss, gespielt von  Dagmar Manzel und Fabian Hinrichs. Mit ihnen gibt es derzeit 23 „Tatort“- Teams  in Österreich, Deutschland und der Schweiz.