Kultur

"Sky Rojo": Weg mit den High Heels!

„Sky Rojo“ ist die neue Serie von Álex Pina und Esther Martínez Lobato. Das sind jene beiden Drehbuchautoren, denen mit dem verschachtelten Bankräuber-Epos „Haus des Geldes“ eine der herausragendsten Produktionen der jüngsten Seriengeschichte gelungen ist. Wer nun hofft, dass ihr neuer Wurf in eine ähnliche Kerbe schlägt, wird erstmal bitter enttäuscht. Denn die Geschichte rund um Wendy (Lali Espósito), Coral (Verónica Sánchez) und Gina (Yany Prado), die sich aus der Umklammerung ihres Zuhälters Romeo und der damit verbundenen Zwangsprostitution befreien möchten, wirkt anfangs flach, mühselig aufgesext und auf Hochglanz poliert – mit knalligen Farben, schwarzhumorigen Sprüchen und heißen Tanzeinlagen zu fetten Beats: Willkommen in einem Hochglanz-Sexklub im Nirgendwo auf Teneriffa. Aber durch das rasante Tempo, das in den acht nur rund 20 Minuten dauernden Folgen, an den Tag gelegt wird, hat man diesen Leerlauf bald überstanden und wird in Rückblenden mit den einzelnen Geschichten des sich auf der Flucht befindlichen Trios konfrontiert.

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Es geht um die Vergangenheit, Gründe und Ursachen, warum sie nun in der Rue de la gack festsitzen – übrigens eine Sackgasse, denn ohne Pass (er wurde ihnen vom rachsüchtigen Zuhälter Romeo abgenommen) gibt es auch keine Möglichkeit, das Land legal zu verlassen. Da aber auch eine Rückkehr ins Bordell und die damit verbundene Fortsetzung als Sexsklavin ausgeschlossen sind, gibt es nur noch eine Möglichkeit: Augen zu und durch – es gibt nichts mehr zu verlieren. Dementsprechend kompromisslos gehen die Damen zur Sache. Da werden Kugelschreiber in Körper gerammt und Hindernisse blutig beseitigt. Das hat bei aller Brutalität aber immer auch einen hohen Trash- und Sucht-Faktor. Man will „Sky Rojo“ (abrufbar auf Netflix) eigentlich nicht weiterschauen, kann aber auch nicht aufhören. 

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