Kultur

Ja, Panik fegten im Triumphzug durch das Wiener Konzerthaus

Am Ende wird das Konzert von Ja, Panik spektakulär gewesen sein. Aber es beginnt wunderbar unspektakulär. Vermutlich um die Orchester-Veranstaltung im großen Saal nicht zu stören, ist es schon fast 22 Uhr, als Sänger und Hauptsongwriter Andreas Spechtl und seine Freunde auf die Bühne des Mozartsaals des Wiener Konzerthauses kommen – alle in schwarz gekleidet, spärlich beleuchtet.

Spechtl begrüßt das Publikum und wünscht „Viel Spaß“, bevor die österreichische Indie-Rock-Band mit „Fascism Is Invisible (Why Not You?)“ beginnt. Der Song des neuen Albums „Don’t Play With The Rich Kids“ ist gemütlich in Tempo und Intensität. Er bietet mit dem einnehmenden Refrain einen spielerischen Einstieg in das von linkspolitischen Gedanken geprägte Universum von Ja, Panik, bei dem Spechtl oft philosophisch den Kapitalismus und das gesellschaftliche Zeitgeschehen hinterfragt.

Auch „Lost“ danach beginnt sanft, legt aber mitten drin mit einer genauso wuchtigen wie hymnischen Rockattacke los. In der Folge konzentrieren sich Ja, Panik auf die Songs von „Don’t Play With The Rich Kids“, und das ist gut so.

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Charismatisch

Denn nach dem eher düsteren Vorgänger-Album haben Spechtl und seine Band damit zum unbekümmerten Rock-Sound der Anfangsjahre zurückgefunden. Das zeigen „Mama Made This Boy“ und „Kung Fu Fighter“.

Dazwischen schieben Ja, Panik Highlights aus früheren Alben, wie zum Beispiel „Die Luft ist dünn“ von 2009 oder „Libertatia“. Die Intensität steigert sich von Song zu Song – allein durch die Kraft der Musik, durch Spechtls ausdrucksstarken Gesang und seine charismatische Bühnenpräsenz.

Dadurch kann der Auftritt nach dem sympathisch ungezwungenen Beginn auch jetzt weitgehend frei von visuellen Effekten bleiben und trotzdem mehr und mehr faszinieren. Nur gelegentlich setzen stark stilisierte und strikt in schwarz/weiß gehaltene Video-Einspielungen auf einer LED-Wand hinter der Bühne optische Akzente.

Die musikalischen Akzente kommen von Rabea Erradi, Spechtls Lebensgefährtin, die permanent zwischen Keyboards, Saxofon und E-Viola wechselt. Anfangs war sie eher schlecht zu hören und der Sound für diesen akustisch sensiblen Konzerthaussaal ein bisschen zu massiv.

Aber das haben die Sound-Leute von Ja, Panik mittlerweile voll im Griff, und das Konzert steuert mit dem an Boogie erinnernden, von einem hackenden Klavier bestimmten „Alles hin, hin, hin“ auf den Höhepunkt zu.

„Ushuaia“ wird nach sanftem Beginn zu einer mächtigen Rock-Hymne, an deren Ende Spechtl auf der Gitarre soliert. Lange. Und noch länger. Wenn man schon denkt, intensiver geht es jetzt nicht mehr, ist doch noch eine Steigerung drinnen – bis sich Spechtl in hypnotisierter Euphorie immer weiter spielend am Boden wälzt.

Danach sind die Zugaben ein Triumphzug. Eigentlich sollte mit der Klavier-Ballade „The Evening Sun“ Schluss sein. Doch da singen die Wiener mit fast sakraler Hingabe den Refrain „I was sleeping in a room with my soul left out“ so schön mit, dass Ja, Panik dann noch – ungeplant und ungeprobt – das viertelstündige Epos „Dmd Kiu Lidt“ anhängen. B. Schokarth