Kultur

Heribert Sasse: Er opferte sein ganzes Herz für das Theater

Wer Heribert Sasse näher kannte, schätzte so vieles an ihm. Seinen Intellekt – er konnte blitzschnell analysieren und die komplexesten Themen präzise auf den Punkt bringen.

Seine Haltung – er stand in künstlerischen und humanitären Fragen stets auf der richtigen Seite, jener der Qualität und der Loyalität.

Seinen Humor – wenn er lachte, und er lachte durchaus gerne, schwang so viel an Erfahrung, an Weisheit, ja ein ganzer Kosmos an Erinnerungen und schönen Aussichten mit. Dank seines Blickes, seiner stechenden Augen, die auch in Filmen so viel ausdrücken konnten, vermittelte er gleichermaßen Charme wie spitzbübische Frechheit.

Seinen Stil – egal ob auf der Bühne, wo er die großen Rollen spielte und auch aus den vermeintlich kleinen stets die großen, die seinen, machte; oder abseits, wo er perfekt gekleidet, fast immer mit Stecktuch, den Gentleman nicht gab, sondern ein solcher war.

Seine Formulierungskunst – nicht nur in der Gestaltung fremder Texte war er herausragend, auch im Verfassen eigener.

Seine Wertschätzung von Freunden und Mitarbeitern – als er Intendant am Renaissancetheater wurde, lernte er als erstes den Namen jedes einzelnen am Haus Beschäftigten.

Seine leider aus der Zeit gefallenen Umgangsformen – er wusste Menschen stets höflichst zu behandeln. Sogar sein Hund, die Weimaranerdame Alma, hatte seine Kultiviertheit übernommen und trug eine silberne Kette als Halsband. Eine Leine besaß er gar nicht.

Heribert Sasse war in jeder Hinsicht ein Großer. Menschlich wie künstlerisch. Und wurde, vielleicht auch, weil er konsequent seinen Weg verfolgte und nicht immer strategisch agierte, von der breiten Öffentlichkeit viel zu wenig als ein solcher wahrgenommen.

Biografisches

Geboren 1945 in Linz, aufgewachsen in Wien, studierte er zunächst die Musik, ehe es ihn ans Theater verschlug. Nach Stationen am Volkstheater und in München wechselte er nach Berlin und arbeitete immer wieder auch als Regisseur (Volksbühne Berlin, Salzburger Festspiele etc.). 1980 übernahm er als Intendant das Berliner Renaissancetheater und danach als Generalintendant die Staatlichen Schauspielbühnen Berlin – er war der letzte in dieser Machtposition. Als die Großkonstruktion zerbrach, eröffnete er in Berlin das Schlosspark-Theater als Privatbühne. Nikolaus Bachler lernte unter ihm sein Handwerk.

Mitte der 2000er Jahre kam er zurück nach Wien, spielte zunächst am Volkstheater und wurde danach Ensemblemitglied der Josefstadt, wo er noch vor einer Woche in der Bühnenfassung von Viscontis "Die Verdammten" von Publikum und Kritik gefeiert wurde. Der ehemalige Staatssekretär Franz Morak hatte einst sogar die Bestellung von Sasse zum Intendanten der Josefstadt betrieben, wozu es leider nicht kam.

Als Film- und TV-Darsteller war Sasse schon in den 70er Jahren in "Tatort" oder "Kottan" zu sehen. Ab 2004 arbeitete er eng mit Thomas Roth zusammen ("Trautmann", "Falco", "Brand" etc.), der all seine Qualitäten erkannte. Zuletzt war er in "Deckname Holec" zu sehen.

Am wohlsten fühlte sich Sasse in Hinterstoder, wohin er sich immer wieder zurückzog, um das Milieu von außen zu betrachten. Jetzt schaut er von woanders zu, wenn hoffentlich viele erkennen, wie einzigartig er war. Adieu, Heribert Sasse!