Kultur

Oscar, wir kommen!

Als Regisseur ist einem jeder Preis willkommen“, sagt Michael Haneke (70). Aber manche sind dann doch viel willkommener als andere. Nach Goldener Palme, Europäischen Filmpreisen, Nominierung für den Golden Globe (der kommenden Sonntag verliehen wird) – jetzt also auch der Kandidat für den Oscar. Und nicht nur für einen.

Insgesamt erhielt Hanekes grausam-zärtliches Sterbedrama „Amour“ („Liebe“) am Donnerstag fünf(!) Nominierungen. Drei davon gingen an ihn persönlich: für beste Regie, bestes Originaldrehbuch und bester fremdsprachiger Film. Als älteste Frau, die je für einen Oscar nominiert wurde, gesellt sich noch Hauptdarstellerin Emmanuelle Riva (85) dazu, eine Ikone des französischen Kinos. Außerdem geht „Amour“ in der Königsklasse Bester Film an den Start, ein Oscar, der an den Produzenten verliehen wird. In Österreich ist das die Wega Film.

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Der begehrteste Staubfänger der Filmbranche ist tatsächlich der einzige Toppreis, der Michael Haneke noch fehlt. Ob der Oscar denn seine Preise noch toppen könnte? Haneke: „Das ist so, wie wenn man sagt, eine Blonde kann eine Rothaarige nicht toppen. Die Palme hat für den künstlerischen Film den höheren Anerkennungswert, aber der Oscar für den Verkauf.“

Waltz hat wieder Chancen auf Oscar

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Wie schon vor drei Jahren, steht ihm auch heuer Christoph Waltz bei der Oscar-Gala zur Seite (dieser ist lustigerweise sogar weitläufig mit Haneke verwandt). Waltz hatte für „Inglourious Basterds“ 2010 den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen, was ihm diesmal wieder passieren könnte: In Quentin Tarantinos Western-Rap „Django Unchained“ spielt er neben Jamie Foxx einen durch Westernlande tingelnden deutschen Zahnarzt. Tarantinos Film, der kommende Woche in Österreich anläuft (lesen Sie am Sonntag ein Gespräch mit dem Wiener Christoph Waltz) ist insgesamt auch fünf Mal nominiert.

Haneke: "Freue mich außerordentlich“


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Doch zurück zu Haneke. Die Nachricht des Nominierungsregens erreichte den 70-Jährigen in Madrid, wo er seit Anfang Jänner auf Einladung von Gérard Mortier Mozarts „Cosí fan tutte“ probt.

„Ich freue mich außerordentlich“, ließ Haneke über Wegafilm-Produzent Veit Heiduschka ausrichten. „Jede Anerkennung bedeutet auch, dass meine Arbeit in Ordnung gewesen ist“. Seine Opernpremiere wird übrigens am Tag vor der Oscarverleihung (23. 2.) über die Bühne gehen. Was dazu führt, dass Haneke nicht dabei sein wird: Er reist nach der Generalprobe Richtung L. A. ab.

12 Nominierungen für "Lincoln"

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Dort trifft er dann auf seine nicht gerade unnamhaften Oscar-Konkurrenten: Als absoluter Top-Favorit gilt Steven Spielberg mit seinem (eher zäh bis humorlosen) Film „Lincoln“ (mit Daniel Day Lewis) zum Thema amerikanischer Vergangenheitsbewältigung: zwölf Nominierungen. Gefolgt von Ang Lees virtuoser philosophischer Fabel „Life of Pi“: elf Nominierungen. Weitere Favoriten: das Musical „Les Miserables“ (acht) und die schräg charmante Liebeskomödie „Silver Linings“ (acht).

Zu den Nominierungsverlierern zählt übrigens neben „Skyfall“, der nur in Nebenkategorien genannt wurde, der französische Überraschungserfolg „Ziemlich beste Freunde“, der als Bester fremdsprachiger Film hoch gehandelt wurde. „Das ist mein größter Konkurrent“, hatte auch Haneke im Vorfeld geglaubt. Nun, jetzt heißt er dann doch Spielberg.

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Seltsamer Hitler-Gag bei Bekanntgabe

Seth MacFarlane and Emma Stone moderierten am Donnerstag die Sendung der Academy of Motion Picture Arts and Sciences (siehe Video). MacFarlane, der auch Gastgeber der Oscar-Gala am 24. Februar sein wird, irritierte bei der Bekanntgabe der ersten Oscar-Nominierung für Michael Hanekes Film "Amour" (Liebe), indem er sagte: "'Liebe' ist eine deutsch-österreichische Koproduktion. Die letzte war Hitler, aber die hier ist viel besser."

Die wichtigsten Nominierungen in Bildern:

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FESTIVAL DE CANNES:
Goldene Palme für den Besten Film des Festivals

FIPRESCI:
Grand Prix for Best Film of the Year

EUROPEAN FILM AWARDS:
Best Film, Best Director, Best Actress, Best Actor

NATIONAL SOCIETY OF FILM CRITICS:
Best Picture 2012, Best Director, Best Actress

LOS ANGELES FILM CRITICS ASSOCIATION:
Best Film 2012, Best Actress

NEW YORK FILM CRITICS CIRCLE:
Best Foreign Language Film

NEW YORK FILM CRITICS ONLINE:
Best Foreign Language Film

BOSTON SOCIETY OF FILM CRITICS:
Best Foreign Language Film, Best Actress

NATIONAL BOARD OF REVIEW OF MOTION PICTURE:
Best Foreign Film

TORONTO FILM CRITICS ASSOCIATION:
Best Foreign Film

CHICAGO FILM CRITICS ASSOCIATION:
Best Director

OKLAHOMA FILM CRITICS CIRCLE:
Best Foreign Language Film

FORT WORTH FILM CRITICS ASSOCIATION:
Best Foreign Language Film

WASHINGTON DC FILM CRITICS ASSOCIATION:
Best Foreign Language Film

SAN FRANCISCO FILM CRITICS CIRCLE:
Best Foreign Language Film, Best Actress

LAS VEGAS FILM CRITICS ASSOCIATION:
Best Foreign Language Film

KANSAS CITY FILM CRITICS CIRCLE:
Best Foreign Language Film

DUBLIN FILM CRITICS CIRCLE:
Best Foreign Language Film, Best Actress

DURBAN INTERNATIONAL FILM FESTIVAL:
Best Film

CINE EUROPEO SEVILLA:
Audience Award

SAN SEBASTIAN FILM FESTIVAL:
Fipresci Award

HAUGESUND FILM FESTIVAL:
The Andreas Ecumenical Prize

VIENNALE:
Wiener Filmpreis 2012

Nominierungen

ACADEMY AWARDS
Best Picture, Best Foreign Language Film, Best Director, Best Screenplay, Best Actress

GOLDEN GLOBES:
Best Foreign Language Film

BAFTA:
Best Foreign Language Film, Best Director, Best Screenplay, Best Actress

LONDON CRITICS’ CIRCLE FILM AWARDS:
Best Film, Best Foreign Film, Best Director, Best Actress, Best Actor, Best Screenplay, Best Supporting Actress

BRITISH INDEPENDENT FILM AWARDS:
Best Foreign Independent Film

CRITICS CHOICE AWARDS (USA):
Best Film, Best Foreign Film, Best Actress, Best Director, Best Original Screenplay

ONLINEFILM CRITICS SOCIETY AWARDS (USA):
Best Film, Best Actress

SAN DIEGO FILM CRITICS ASSOCIATION:
Best Foreign Language Film

CHICAGO FILM CRITICS ASSOCIATION:
Best Actress

HOUSTON FILM CRITICS ASSOCIATION:
Best Foreign Language Film, Best Actress

PHOENIX FILM CRITICS ASSOCIATION:
Best Foreign Language Film

WASHINGTON DC FILM CRITICS ASSOCIATION:
Best Actress

SATELLITE AWARDS (USA):
Best Foreign Film, Best Actress

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Als Favorit geht am 24. Februar Steven Spielbergs "Lincoln" ins Oscar-Rennen, der österreichische Regisseur Michael Haneke und sein Film "Amour" haben immerhin Chancen in fünf Kategorien. Auch der österreichische Schauspieler Christoph Waltz ist erneut nominiert. Die wichtigsten Kategorien hier im Überblick:

Bester Film
• "Amour"
• "Argo"
• "Beasts of the Southern Wild"
• "Django Unchained"
• "Les Misérables"
• "Life of Pi"
• "Lincoln"
• "Silver Linings"
• "Zero Dark Thirty"

Beste Regie
• "Amour" Michael Haneke
• "Beasts of the Southern Wild" Benh Zeitlin
• "Life of Pi" Ang Lee
• "Lincoln" Steven Spielberg
• "Silver Linings Playbook" David O. Russell

Bester Darsteller
Bradley Cooper in "Silver Linings Playbook"
Daniel Day-Lewis in "Lincoln"
Hugh Jackman in "Les Misérables"
Joaquin Phoenix in "The Master"
Denzel Washington in "Flight"

Bester Nebendarsteller
Alan Arkin in "Argo"
Robert De Niro in "Silver Linings Playbook"
Philip Seymour Hoffman in "The Master"
Tommy Lee Jones in "Lincoln"
Christoph Waltz in "Django Unchained"

Beste Darstellerin
Jessica Chastain in "Zero Dark Thirty"
Jennifer Lawrence in "Silver Linings Playbook"
Emmanuelle Riva in "Amour"
• Quvenzhané Wallis in "Beasts of the Southern Wild"
Naomi Watts in "The Impossible"

Beste Nebendarstellerin
Amy Adams in "The Master"
Sally Field in "Lincoln"
Anne Hathaway in "Les Misérables"
Helen Hunt in "The Sessions"
Jacki Weaver in "Silver Linings Playbook"

Bester nicht-englischsprachiger Film
• "Amour" (Österreich)
• "Kon-Tiki" (Norwegen)
• "No" (Chile)
• "A Royal Affair" (Dänemark)
• "War Witch" (Kanada)

Bestes adaptiertes Drehbuch
• "Argo", Chris Terrio
• "Beasts of the Southern Wild", Lucy Alibar & Benh Zeitlin
• "Life of Pi", David Magee
• "Lincoln", Tony Kushner
• "Silver Linings", David O. Russell

Bestes Originaldrehbuch
• "Amour", Michael Haneke
• "Django Unchained", Quentin Tarantino
• "Flight", John Gatins
• "Moonrise Kingdom", Wes Anderson & Roman Coppola
• "Zero Dark Thirty", Mark Boal

Bester Animationsfilm
• "Brave", Mark Andrews und Brenda Chapman
• "Frankenweenie", Tim Burton
• "ParaNorman", Sam Fell und Chris Butler
• "The Pirates! Band of Misfits", Peter Lord
• "Wreck-It Ralph", Rich Moore

Bester Dokumentarfilm
• "5 Broken Cameras"
• "The Gatekeepers"
• "How to Survive a Plague"
• "The Invisible War"
• "Searching for Sugar Man"