Kolumnen/Wir schauen Fern

Kulturnation?

Warum finden so viele Politiker erst im Abgang die richtigen Worte? In ihrer Abschiedspressekonferenz, die der ORF übertrug, sagte die scheidende Staatssekretärin Ulrike Lunacek: „Ich habe in meinem Leben oft gewonnen, aber auch verloren. Auch das gehört zum Leben dazu.“ Ein Satz, wie gemacht für einen chinesischen Glückskeks. Noch etwas sehr Richtiges sagte die „Feministin, lesbische Frau, Weltbürgerin aus Krems an der Donau“ dann: „Österreich spielt in der Weltliga des Kunst- und Kulturlebens eine führende Rolle.“

Es wäre hoch an der Zeit, dass diese Erkenntnis auch in der Politik ankommt: Kunst und Kultur ist nicht eine dubiose Melange aus Lästigkeit, behübschten Kreisverkehrsmittelflächen und anstrengendem theoretischen Blabla, sondern ein entscheidender Wirtschaftsfaktor. Österreich ist keine „Kulturnation“, weil der liebe Gott es so wollte – sondern weil seine Künstler es dazu machen.