Chronik/Wien

Schulstraße in Leopoldstadt: Eltern-Taxis bleiben ausgesperrt

Das allmorgendliche Verkehrschaos vor der Volksschule Vereinsgasse in der Leopoldstadt beseitigen: Dieses Ziel peilte die Stadt an, als sie dort  im September eine sogenannte Schulstraße verordnete – der KURIER berichtete.

Seither dürfen Autos und Motorräder eine halbe Stunde rund um den Unterrichtsbeginn weder in die  Gabelsberger- und einen Teil der Vereinsgasse   hinein- noch herausfahren. Nach einer knapp zweimonatigen Testphase wird das Fahrverbot nun zur Dauereinrichtung – und soll als Blaupause für weitere Standorte dienen.  

„Das temporäre Fahrverbot vor der Schule hat eindeutig für mehr Sicherheit für die Kinder gesorgt“, sagt Fußgängerbeauftragte Petra Jens von der städtischen Mobilitätsagentur.

Begleitende Untersuchungen von Verkehrsexperten hätten gezeigt, dass das  Verkehrsaufkommen vor der Schule  gesunken und der Eltern-Bringverkehr stark zurückgegangen sei.

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Bringverkehr reduziert

Demnach hielten früher vor dem Läuten der Schulglocke 15 Eltern-Taxis am Schultor. Inzwischen sei ihre Anzahl auf sieben gesunken – diese parken weiter weg.

Für Jens hat sich damit ein wichtiges Erfolgskriterium erfüllt: Der Bringverkehr hat sich nicht einfach  an eine andere Stelle verlagert, sondern ist zurückgegangen. „Wesentlich weniger Kinder sind mit dem Auto zur Schule gebracht worden und stattdessen mit dem Roller, Fahrrad oder zu Fuß gekommen“, sagt sie. 

Lag der Auto-Anteil an den Schulwegen der Kinder vor dem Versuch noch bei zehn Prozent, sei er nun auf sieben gesunken.

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50 Euro Strafe

Mit der Verstetigung des Pilotprojekts endet die Schonfrist für Autolenker. Fuhren sie bisher trotz Verbots durch den betroffenen Abschnitt, mahnte sie die Polizei lediglich ab. „Wer sich nicht an die Verkehrszeichen hält, muss mit einem Organmandat von 50 Euro rechnen“, teilt eine  Sprecherin der Wiener Polizei mit.

Zusätzlich sollen mobile Poller uneinsichtige Lenker aufhalten. Denn Versuche, ohne physische Barrieren auszukommen, sind laut Jens nicht geglückt.

Der Test habe zudem gezeigt, dass die Einführung einer Schulstraße betreut werden müsse: „Es ist ganz klar, dass man intensiv mit den Eltern arbeiten muss.“

Diese und weitere Lehren aus dem Pilotprojekt arbeitet die MA 46 (Verkehrsorganisation) nun in einen Kriterienkatalog ein. Er soll bei der Bearbeitung von Anträgen für  weitere Schulstraßen  zur  „Überprüfung der jeweiligen Verkehrssituation“ herangezogen werden, sagt eine Sprecherin. Ansuchen sollen so rasch umgesetzt werden. 

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20 Interessenten

Laut Mobilitätsagentur stehen weitere Schulen bereits Schlange: Über 20 Anfragen von Schul-Leitungen und Elternvereinen seien bereits eingegangen – die Umsetzung werde derzeit geprüft.

Zwei mögliche Standorte befinden sich in Neubau: Die Kandl- und die Stiftgasse.

Derzeit laufen noch Gespräche mit den Schulgemeinschaften, der Bezirk unterstützt das Vorhaben. „Wir stehen beiden Standorten offen gegenüber und treten gerne in Dialog“, heißt es aus dem Büro von Bezirksvorsteher Markus Reiter (Grüne). 

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Für mehr Sicherheit

Trugschluss

Jedes fünfte Volksschulkind in Wien wird mit dem Auto zur Schule gebracht – oft aus Sicherheitsgründen.  Die vielen Eltern-Taxis vor dem Schultor bewirken laut Experten aber das Gegenteil: Sie sind eine direkte Gefahrenquelle für die Schüler.

Regeln in der Leopoldstadt

Seit  10. September gilt in der Gabelsbergergasse und einem Teil der Vereinsgasse an Schultagen von 7.45 bis  8.15 Uhr ein Fahrverbot für Kraftfahrzeuge. Für Anrainer gibt es keine Ausnahmen.

Vorbilder in Österreich

Vorreiter in Sachen temporäres Fahrverbot ist das steirische Leibnitz. Seit den 1980er-Jahren ist dort eine Straße zeitweise für Pkw gesperrt. Ähnliche Initiativen gibt es in Graz-Andritz und Bregenz. In Wien wurde vor zehn Jahren der Bereich vor dem Eingang ins Schulzentrum Friesgasse in Rudolfsheim-Fünfhaus  zur temporär autofreien Zone erklärt.