Chronik/Wien

Wien Favorit für den Song Contest

Schon einen Tag nach dem Song-Contest-Finale begann das Gezerre um den Ausrichtungsort im kommenden Jahr in Österreich. Nach Absprache mit der EBU (European Broadcast Union) hat ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz nun das Anforderungsprofil in einem persönlichen Brief an alle Bewerber und an alle Landeshauptleute geschickt.

Dabei hat die Bundeshauptstadt alle Trümpfe in der Hand. Die meisten Mitbewerber aus den Bundesländern scheitern bereits an den geforderten 3000 Hotelbetten in der Umgebung. Dazu kann Wien eine Infrastruktur vorweisen, die neben öffentlichen Verkehrsmitteln auch über einen leistungsfähigen Flughafen verfügt.

Kein Open-Air-Event

Fix ist mittlerweile auch, dass es wohl keine Freiluft-Veranstaltung werden kann: „Die Veranstaltungsstätte muss überdacht, schall- und lichtgedämmt sowie klimatisiert sein“, steht in dem Brief. Nach Einbau der Bühne müssen rund 10.000 Zuschauer Platz finden, die Mindestraumhöhe beträgt in etwa 15 Meter.

Doch nicht nur eine große Halle für Bühne und Publikum ist gefragt, es werden auch Räumlichkeiten für den Backstage-Bereich (6000 ) und ein Pressezentrum für 1500 internationale Journalisten (4000 ) gebraucht. Auch eine Räumlichkeit für die Bewirtung von 1000 Sponsor-Gästen muss gewährleistet sein. Darüber hinaus muss die Halle mindestens sechs Wochen vor dem Finale des Song Contests im Mai 2015 zu Verfügung stehen. Bei dem Termin favorisiert man derzeit den 23. Mai, Alternativ-Termine wären der 9., 16. oder 30. Mai.

Beim Branding ist man streng: Es dürfen weder innen noch außen Sponsorenlogos oder Markenzeichen angebracht sein.

Alter Favorit

Obwohl schon mehr als 50 Jahre alt, hielt Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SP) kürzlich eine adaptierte Wiener Stadthalle für die Austragung des Contests als bestens geeignet. Bei der Stadthalle selbst gibt man sich ebenfalls optimistisch: „Die technischen und räumlichen Anforderungen sind kein Problem“, heißt es von Seiten der Stadthalle. Details müssten natürlich noch geprüft werden.

Im ORF geht man allerdings davon aus, dass mehrere Bewerber dem Anforderungsprofil entsprechen. Auch die Möglichkeit eines Hallen-Neubaus wird noch nicht ausgeschlossen.

Der Tourismus rechnet offenbar schon fix mit einer Entscheidung pro Wien. So haben sich die Preise für manche Hotelkategorien am Song-Contest-Wochenende bereits nahezu verdoppelt. Das zeigt ein Blick in die Reisesuchmaschine checkfelix. Ein Zimmer in einem Wiener 5-Sterne-Hotel kostet Ende Juni 2014 im Schnitt rund 170 Euro pro Nacht, am Wochenende des 15. Mai 2015 rund 310 Euro – eine Preissteigerung von mehr als 80 Prozent. Bei den 3-Sterne-Häusern beträgt die Differenz 47 Prozent.

„Dass bei Großveranstaltungen die Preise steigen, ist überall ein Effekt“, sagt Michaela Reitterer, Präsidentin der österreichischen Hoteliervereinigung. Nachsatz: „Natürlich werden wir unsere Zimmer an dem Wochenende nicht herschenken.“