Chronik/Wien

Otto-Wagner-Spital: Privat-Uni bekommt mehr Platz

Zwei Unterschriften von den Verantwortlichen der Universität, gleich sechs von der Stadt Wien. Das habe die Ungarn zwar zunächst etwas erstaunt, aber schließlich habe man sich darüber erfreut gezeigt, dass gleich alle involvierten Politiker das Memorandum of Understanding (Absichtserklärung) zwischen der Central European University (CEU) und der Stadt Wien unterzeichneten.

Wie berichtet, will die Privatuniversität, die der in Ungarn geborene US-Milliardär George Soros 1991 gegründet hat, nebst ihrem Hauptsitz in Budapest und einer Lehrstätte im US-Bundesstaat New York auch eine Hochschule in Wien eröffnen. Und zwar auf dem Otto-Wagner-Areal im 14. Bezirk.

Dem KURIER liegt das siebenseitige Schreiben, das den weiteren Verlauf der Verhandlungen absteckt, vor.

Studentenheim

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Laut der Absichtserklärung (unterzeichnet von Bürgermeister Michael Häupl, Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou, Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger, Finanzstadträtin Renate Brauner, Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny und Wohnbaustadtrat Michael Ludwig) will die Universität nicht – wie bisher kolportiert – etwa ein Drittel des Otto-Wagner-Areals besiedeln, sondern fast die Hälfte.

Konkret heißt es in dem Schreiben: „Die CEU hat den voraussichtlichen Flächenbedarf für den Universitätsbetrieb (Studien- und Verwaltungsbereiche) in Wien auf ca. 20.000  bis 25.000 sowie auf bis zu zusätzlich 30.000  für universitäre Unterkünfte festgesetzt.“

Soll heißen: Die Uni braucht statt 25.000 zirka 50.000 Platz und will, statt wie bisher angenommen nicht acht, sondern etwa 15 Pavillons beziehen. Denn auf dem Areal soll ein ganzer Campus inklusive Studentenwohnheim errichtet werden.

Die Eckpunkte für den „Bestandsvertrag“, also sämtliche technischen, finanziellen und rechtlichen Voraussetzungen, sollen laut dem Memorandum bis spätestens Juli festgelegt werden. Weil sich aber auch schon die Unterzeichnung der Absichtserklärung verzögerte, könnte sich der gesamte Zeitplan um einige Wochen nach hinten verschieben. Der Vertrag, der spätestens im September dieses Jahres rechtswirksam werden soll, wird für 99 Jahre gelten.

Die CEU wird die Pavillons ausschließlich mieten, es sollen keine Grundstücke an die Universität verkauft werden. Die Höhe der Miete wird zwischen Stadt Wien und CEU direkt vereinbart. Die Investitionskosten für den Umbau der teils stark sanierungsbedürftigen Pavillons will sich die Stadt über die Mieteinnahmen zurückholen. Im Memorandum ist zu lesen: „Die CEU erwartet sich ein Mietzinsniveau, das mit anderen Bestandverträgen für Universitäten in Wien vergleichbar ist.“

Drei Jahre Bauzeit

Die Bauzeit soll maximal drei Jahre betragen. Spätestens Mitte 2022 sollen die Liegenschaften an die Universität übergeben werden. Da soll der Campus mit insgesamt 1500 Stundenten und etwa 500 Personen in Uni-Verwaltung und Lehre auch in Vollbetrieb gehen. Schon im Wintersemester 2019 will die CEU aber die ersten 500 Studenten in Wien willkommen heißen. Dafür sucht die Stadt aktuell nach Übergangsquartieren. Dem Vernehmen nach wurden den Ungarn acht Liegenschaften, die als Zwischenlösung in Fragen kommen, genannt.

Außerdem soll die Stadt bei der Suche nach Wohnmöglichkeiten für Studenten und Lehrende helfen. Welche Studienfächer in Wien angeboten werden sollen, steht noch nicht fest.

Morgen, Dienstag, wird das Memorandum im Gemeinderatsausschuss für Kultur, Wissenschaft und Sport behandelt.