Chronik/Wien

Mein G'schäft: Eine Dorfgreißlerin in der Wiener Innenstadt

Am Anfang waren die Blumen und die Bienen. Dann kam der Honig. Und dann gab auch noch Bruder Georg Rohrauer seinen Senf dazu. Das Resultat ist eine kleine Dorfgreißlerei mitten in der Stadt – die Stammkunden wie Passanten mit rustikalem Flair begeistert: der „dazu Hofladen“ am Alsergrund. „Dazu“, weil das Sortiment gut zum Essen dazu passt.

Hier verkauft Franziska Schöggl den Honig vom familieneigenen Biohof Rohrauer im burgenländischen Lackendorf sowie kreative Senfvariationen, die ihr Bruder Georg wie’s früher gang und gäbe war mit Honig statt mit Glukosesirup produziert. Wiener Senf zum Beispiel oder Apfel-Kren-Senf. Aber auch süße Senfsaucen, die gut zu Käse und Gegrilltem passen: mit Marillen, Feigen, Kirschen oder Birne/Quitte.

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Die Region im Glas

Außerdem gibt’s Zwetschken-Ketchup (das schmeckt wie Ketchup, das nach Zwetschken schmeckt), mäßig bis höllisch scharfe Chilipasten (erraten: mit Honig) – „weil wir wohnen nahe der ungarischen Grenze, da hat man eine Chili-Affinität“, wie Schöggl erklärt. Sowie je nach Saison Powidl, Marillen- und Zwetschkenröster oder Salsa.

All das kommt direkt aus der „dazu-Manufaktur“, in der Imker-Familie Rohrauer die Produkte ihrer kleinen Landwirtschaft händisch verarbeitet. „Unser Ziel ist es, das ins Glas zu bringen, was die Region zu bieten hat.“

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Weil man nur mit Honig, Senf und saisonalen Spezialitäten wirtschaftlich aber nur schwer überleben kann, erweiterte Franziska Schöggl das Sortiment ihres „dazu Hofladens“ schon früh. Im kleinen Geschäft in der Liechtensteinstraße findet die qualitätsbewusste Kundschaft seit sieben Jahren auch zahlreiche andere Produkte von österreichischen Kleinbauern und Bioproduzenten.

Etwa Sauerteigbrot ohne Hefe von der Dampfbäckerei Öfferl (das Roggen-Weizen-Mischbrot „Madame Crousto“, die Dinkel-mit-Honig-Kreation „Rotraud von Oberkulm“ und das Roggen-Weizen-Brot mit Nüssen namens „Robert de Vino“ verströmen einen wunderbaren Duft im Laden), Wurst aus der Schinken-Manufaktur Thum, Bio-Weine aus dem Burgenland, Käse, Säfte, Öle, frisches Obst und Gemüse von der eigenen Landwirtschaft oder auch Milch und Joghurt im Glas vom steirischen Froihof.

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verWERTet

Letzteres ist kein Zufall, Müllvermeidung ist Schöggl ein Herzensanliegen. Darum setzt sie auf Mehrwegbehälter und Pfandsystem. Und deswegen landen Obst- und Gemüsereste nicht im Abfall.

Was nicht verkauft wird, wird weiterverarbeitet – eingekocht, eingelegt oder zum Backen verwendet. Unter dem Label „verWERTet“ fertigt die 31-Jährige Marmeladen und Sugo aus den Restln. Zudem bäckt sie während der Öffnungszeiten von Mittwoch bis Samstag täglich Süßes und Pikantes: einfache, saftige Kuchen und Quiche in erster Linie.

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Die Preise für die Gläser aus dem dazu-Kernsortiment schlagen mit 3,50 bis 6 Euro zu Buche. Geschätzt wird das Angebot von einem bunt gemischten Publikum. Mindestsicherungsbezieher kaufen hier ebenso ein wie Promis, die man aus dem Fernsehen kennt. „Die meisten Kunden kommen aus dem Grätzel“, erzählt Schöggl. „Es ist wie in einer Dorfgreißlerei – jeder kennt jeden.“ Und: „Wer einmal kommt, kommt wieder.“

 

Bestellung

Die Produkte aus der dazu-Manufaktur – Senfkreationen, Senfsaucen, Chilipaste, Apfelsaft, Zwetschkenröster, Zwetschkenketchup, Powidl, aber auch diverse Geschenk-Box-Varianten (von 13,70 bis 31,50 Euro) – können auch online bestellt werden. Nähere Informationen unter www.dazu.at