Chronik/Wien

Allwettertest für neue Flexity-Straßenbahn

„Wir machen Wetter auf Be stellung“, sagt Gabriel Hal ler, der wissenschaftliche Leiter der RTA-Fahrzeugversuchsanlage in Floridsdorf. Im weltweit einzigen Klima-Wind-Kanal für Tests an Schienenfahrzeugen könne „alles simuliert werden, was in bewohnten Gebieten auftreten kann: Temperaturen von minus 45 bis plus 60 Grad, Sonneneinstrahlung, Luftfeuchtigkeit, Regen, Schnee, Vereisung und Windgeschwindigkeiten bis zu 300 km/h“.

Davon profitieren auch die Fahrgäste der Wiener Linien. Denn zurzeit steht hier die neue Bim-Generation – die von Bombardier entwickelte Flexity-Straßenbahn – auf dem Prüfstand. Ende 2018 soll sie in Betrieb genommen werden.

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Beim KURIER-Lokalaugenschein ist die Flexity gerade der künstlichen Nachmittagssonne und einer leichten Brise im Klima-Wind-Kanal ausgesetzt. Der voll verkabelte Innenraum der Bim-Garnitur ist mit kleinen Heizgeräten und Sensoren übersät (Bild). Heizmatten auf den Sitzen si mulieren die Körperwärme der Fahrgäste. So wird getestet, wie sich die Temperatur im Fahrzeug verteilt. Auf drei Niveaus: Im Fußbereich, in 1,10 Metern Höhe (also auf Sitzhöhe) so wie in Kopfhöhe der Passagiere.

Außerdem zeigt die Testphase, wie gut die neue Straßenbahn thermisch isoliert ist. Aber auch alle anderen Funktionen werden abgeklopft, „damit sowohl der bestmögliche Komfort als auch die Erfüllung aller technischen Aufgaben gewährleistet sind“, sagt Flexity-Projektleiter Robert Gradwohl von den Wiener Linien. Das beginnt bei den Scheibenwischern, die bei niedrigen Temperaturen genauso funktionieren müssen wie die Heizung, die Türen oder die Bremsen. Zudem muss das Fahrzeug auch im tiefsten Winter startklar sein. Um das gesamte Jahresspektrum abzubilden, wird zwischen minus 20 und plus 40 Grad getestet.

Energiesparen

Im Klima-Wind-Kanal zeigt sich also, ob die Rahmenbedingungen der Ausschreibung erfüllt wurden. „Wir bekommen jetzt quasi unsere Note“, erklärt Alexander von Bombardier. 119 Fahrzeuge hat Wien bei dem Unternehmen bestellt.

Bei der Entwicklung der 34 Meter langen Straßenbahn, die 211 Fahrgästen Platz gibt, habe man sich insbesondere punkto Energieeinsparmöglichkeiten viel überlegt, betont Benesch. „Die Hauptlast für die Klimaanlage ist die Vollbesetzung – da wird die Luft im Fahrzeug 16-mal pro Stunde umgewälzt. Das ist ein ziemlicher Energieverbrauch. Bei weniger Fahrgästen ist das aber gar nicht notwendig. Darum muss das Fahrzeug erkennen, wie viele Personen sich im Waggon befinden.“ Deshalb wird nun die von den Fahrgästen ausgeatmete -Menge gemessen und die Luftumwälzung entsprechend bis auf ein Drittel gedrosselt. Auch dieses Verfahren wird bei RTA getestet.

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Andere Innovationen sind etwa die getönten Folien auf den Fensterscheiben, die die Wärmeisolierung erhöhen und den Einstrahlungseffekt der Sonne reduzieren. Oder die besonders leise Klimaanlage in der Fle xity. In den Fahrerständen sind eigene Klimaanlagen installiert.

ÖSV-Adler

Bei RTA, wo der mit 100 Me tern Länge größte Klima-Wind-Kanal der Welt im Einsatz ist, stehen aber nicht nur Schienenfahrzeuge auf dem Prüfstand – sondern auch Busse oder Teile von Flugzeugen. Und manchmal trainieren hier sogar die ÖSV-Adler.

Über die Homepage www.rta.eu kann man sich für eine Führung anmelden. Am 13. April nimmt das Unternehmen im Eigentum der Republik, das mit Bombardier, Siemens, Hitachi Rail Italy sowie dem Austrian Institute of Technology (AIT) zusammenarbeitet, zudem wieder an der „Langen Nacht der Forschung“ teil.