Chronik/Wien

237 internationale Unternehmen siedelten sich 2022 in Wien an

Gerhard Hirczi, Chef der Wiener Wirtschaftsagentur, hat einen frommen  Wunsch. Und zwar, dass der Direktor des Wien Tourismus (Norbert Kettner, Anm.) in  ferner Zukunft bei Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SPÖ) antanzen und um mehr Geld bitten muss. Und zwar um sein Marketingbudget aufzustocken, weil alle nur noch über Wien als Wirtschaftsstandort reden.

Dass das jemals so sein wird, darf freilich bezweifelt werden, aber zumindest kann man dem Chef der Wirtschaftsagentur nicht vorwerfen,  Wien als Wirtschaftsstandort nicht attraktiver  machen zu wollen. 

237 internationale Unternehmen siedelten sich 2022 in Wien an. Das sind um fünf Prozent mehr als im Jahr 2021; es ist der zweitbeste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen.

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Damit  nähert sich die Zahl der Betriebsansiedelungen erstmals wieder an jene vor Corona (im Jahr 2019) an. Die 237 neuen Unternehmen in Wien entsprechen 66 Prozent der österreichweiten internationalen Betriebsansiedlungen. „Wien ist also das Herzstück der österreichischen Wirtschaft“, sagt Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SPÖ). 

Sehr naher Osten

54 der neuen Unternehmen stammen aus Deutschland, 18 aus der Schweiz, 16 aus den USA. Auch östliche Länder spielten bei den Betriebsansiedelungen im Vorjahr eine große Rolle: 12 neue Unternehmen kamen aus der Ukraine, 11 aus Tschechien, 10 aus der Slowakei und 10 aus Ungarn. Außerdem: 10 aus Italien, 8 aus China und 7 aus dem Iran. 

Es sind vor allem Unternehmen aus dem sogenannten „wissensintensiven Bereich“, die sich in Wien niedergelassen haben. Das sind Unternehmen, die sich mit Forschung, Entwicklung, Planung, Konstruktion und Design beschäftigen. (Und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oft einen Universitäts- oder Fachhochschulabschluss haben).

Dazu zählen u. a. der IT-Bereich, das Baugewerbe und die sogenannten Life Sciences (etwa Mikrobiologie und Biotechnologie).  Wie wichtig diese Betriebsansiedelungen für Wien sind, veranschaulicht Hirczi am  IT-Bereich: Die Wertschöpfung, die Unternehmen aus dieser Sparte bringen, ist dreimal so groß wie jene, die der Tourismus Wien bringt. Insgesamt bringen die neuen Betriebe 110 Millionen Euro an Wertschöpfung  und schaffen 1.143 Arbeitsplätze.

Beratungen

Damit die Ansiedelungen optimal verlaufen, dockte die Wirtschaftsagentur 2021 mit dem Business Immigration Office an die MA 35 an.  2.600 persönliche Beratungen fanden seither statt und etwa 500 im eigenen Expat-Center.