Chronik/Österreich

WWF fordert Schutz für gesamtes Flusssystem der Osttiroler Isel

Die EU wartet derzeit auf Antwort aus Wien. Brüssel will geklärt wissen, warum 200 möglicherweise schutzwürdige Naturräume in Österreich nicht als Natura-2000-Gebiete ausgewiesen sind. Einer davon betrifft die Isel in Osttirol, um die gerade wieder besonderes Gezerre herrscht. Dass dieser Fluss sich für eine Nachnominierung aufdrängt, ist für Umweltlandesrätin Ingrid Felipe (Grüne) unstrittig. Weil sie zuletzt aber offen ließ, ob der gesamte Verlauf des Flusses oder gar auch die Zubringerflüsse unter Schutz gestellt werden sollen, hat nun der WWF aufgeschrien.

Das gesamte Flusssystem müsse zum Natura-2000-Gebiet erklärt werden, forderte die Umweltschutzorganisation am Donnerstag. „Wir haben entlang der gesamten Isel und ihren Zubringern Bestände der Deutschen Tamariske gefunden“, sagt Gebhard Tschavoll vom WWF. Der unscheinbare gelbe Strauch gilt als schützenswert. Und damit steht er Kraftwerksplänen an der Isel im Weg.

Gutachten: Öl ins Feuer

Erst vor einer Woche ließ der Bürgermeister von Matrei, Andreas Köll, mit einem neuen Projekt aufhorchen. Geht es nach ihm, soll südlich seiner Gemeinde ein 3,9 km langer Abschnitt der Isel zur Stromerzeugung genutzt werden. Köll ist überzeugt, dass sich so ein Kraftwerk nicht mit Natura-2000-Zonen spießen würde. „Wir haben ein Fachgutachten, das das belegt.“ Es gebe in diesem Bereich zwar einzelne Tamariskenvorkommen. Sie würden jedoch keine Einrichtung eines größeren Schutzgebietes rechtfertigen, erklärt Köll. Die Obere Isel - auch dort gibt es Kraftwerkspläne - sei laut dem Gutachten sogar nahezu frei von Tamarisken.

Im Ressort von Landesrätin Felipe laufen derweil die Vorarbeiten für den Nachnominierungsprozess. Die Gebietsabgrenzungen seien noch nicht vollständig, heißt es aus ihrem Büro. Es gehe vor allem um Rechtssicherheit. Um die sicherstellen zu können, hoffen Felipe und ihre Amtskollegen aus den anderen Bundesländern, dass die EU mehr Zeit für die Benennung weiterer Natura-2000-Gebiete und die Erstellung der dafür notwendigen Gutachten einräumt.

Mit einer Protestaktion vor dem Umweltministerium machten Naturschützer Donnerstag in Wien wieder einmal auf die Schwarze Sulm aufmerksam: An dem Fluss bei Schwanberg in der Weststeiermark soll ein Wasserkraftwerk errichtet werden, die Bescheide sind rechtskräftig (der KURIER berichtete).

Der Bau ist umstritten, doch zuletzt machte die zuständige steirische Behörde klar: Der Fluss sei in dem Bereich nicht mehr schützenswert, die Wasserqualität nur noch „gut“ statt „sehr gut“. Außerdem handle es sich auch nicht mehr um eine unberührte Flusslandschaft.

Umwelt- und Naturschutzorganisationen wollen das aber nicht recht glauben. Rund 150 Aktivisten, unter ihnen auch die frühere Grün-Politikerin Freda Meissner-Blau, forderten ÖVP-Minister Nikolaus Berlakovich auf, den Bau mittels Amtsbeschwerde gegen SPÖ-Landeshauptmann Franz Voves zu verhindern. Im Ministerium heißt es, die Unterlagen würden geprüft.