Chronik/Österreich

Ukrainer am Arbeitsmarkt: Tirol und Oberösterreich ganz vorne

Fast genau zwei Jahre dauert der russische Angriffskrieg auf die Ukraine bereits, ein Ende ist nicht absehbar. In Österreich leben derzeit knapp 48.000 Menschen aus der Ukraine im sogenannten erwerbsfähigen Alter - sind also zwischen 18 und 64 Jahre alt. Über 17.235 (11.794 davon Frauen) sind aktuell in den Arbeitsmarkt integriert, vor Kriegsausbruch waren es rund 5.000 Ukrainerinnen und Ukrainer, die vor allem als Saisonarbeiter in Österreich tätig waren. 

Oberösterreich gilt in Sachen Integration vertriebener Ukrainerinnen und Ukrainer als Vorzeigeland. Das haben Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) und der oö-Soziallandesrat Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) am Montag mit Zahlen unterlegt. 

Bei der Erwerbsquote - darin finden sich alle Personen, die entweder einer Beschäftigung nachgehen oder arbeitslos gemeldet sind - liegt OÖ mit 75 Prozent an der Spitze, der Österreichschnitt liegt bei 45 Prozent, Burgenland ist Schlusslicht mit 22,9 Prozent. 

Oberösterreich ist hier deshalb Spitzenreiter, weil vor genau einem Jahr eine "Bemühungspflicht" für Vertriebene im erwerbsfähigen Alter eingeführt wurde. Das bedeutet, dass sich diese Personen aktiv um einen Arbeitsplatz bemühen müssen, ansonsten werden Leistungen aus der Grundversorgung gekürzt. 

Die Erwerbsquote ist der Anteil an Personen aus der Ukraine im erwerbsfähigen Alter, die entweder in Beschäftigung oder beim AMS gemeldet sind

Oberösterreich: 75,7 Prozent

Tirol: 69,4 Prozent

Vorarlberg: 68,7 Prozent

Salzburg: 64,3 Prozent

Körnten: 56,3 Prozent

Österreich: 45 Prozent

Wien: 39,6 Prozent

Steiermark: 37,9 Prozent

Niederösterreich: 35,5 Prozent

Burgenland: 22,9 Prozent

Sprich: Eine Meldung beim Arbeitsmarktservice ist Standard, ebenso der Besuch einer Jobbörse. Wobei Hattmannsdorfer nach einem Jahr weiß: Nur in sechs bis acht Prozent der Fälle seien Sanktionen gesetzt worden. Denn in den allermeisten Fällen sei ein großes Interesse an Jobs in Oberösterreich vorhanden, versicherte er. 

Bei der Beschäftigungsquote - also konkret bei der Zahl jener Personen, die im Arbeitsprozess integriert sind, einen Job haben oder selbstständig tätig sind, hat Tirol knapp die Nase vorn. Was auf die eine hohe Anzahl an Beschäftigten in der Tourismusbranche gerade jetzt im Winter zurückzuführen sei, merkten Kocher und Hattmannsdorfer an. 

Oberösterreich liegt auf Platz zwei in diesem Ranking. Hattmannsdorfers Erklärung: Einerseits die "Hallo in Oberösterreich"-Kurse, die über die normalen Sprachkurse hinaus Alltagsdeutsch und Wissenswertes über Oberösterreich, seine Gesellschaft und deren Werte vermittelten. Dazu die mit Jobbörsen verknüpfte Bemühungspflicht mit über 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie die Etablierung des Begegnungszentrums "Point of Ukraine". 

Ebenso habe die gestaffelte Zuverdienstmöglichkeit dazu geführt, dass eine größere Zahl an Personen geringfügige Jobs gesucht habe, ohne gleich die gesamten Leistungen der Grundversorgung zu verlieren. "Auch das ist ein erster Schritt in Richtung Selbstversorgung", ist Hattmannsdorfer überzeugt. 

Tirol: 64,9 Prozent

Oberösterreich: 61,3 Prozent

Vorarlberg: 61,1 Prozent

Salzburg: 59,9 Prozent

Kärnten: 47,7 Prozent

Österreich: 37,9 Prozent

Wien: 33,8 Prozent

Steiermark: 29,6 Prozent

Niederösterreich: 27,8 Prozent

Burgenland: 15,4 Prozent

Von 4.240 Ende des Vorjahres gemeldeten Ukrainern beziehen aktuell in Oberösterreich noch 1.723 Leistungen aus der Grundversorgung, 2.820 Personen sind unselbstständig beschäftigt, 380 geringfügig oder als freie Dienstnehmer, 90 Personen sind Selbstständig. Was nicht bekannt ist: Wie viele der nach Österreich vertriebenen Ukrainerinnen und Ukrainer noch in ihrem Heimatland, etwa über Telearbeit, beschäftigt sind. 

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In Oberösterreich ist der Großteil (608) übrigens in der Produktion beschäftigt, 533 arbeiten im Tourismus, 387 im Handel, 236 sind in der öffentlichen Verwaltung untergekommen - am AMS Oberösterreich etwa passenderweise in der Beratung ukrainischer Vertriebener. 

Langfristige Perspektive geplant

Die EU-Richtlinie, mit der Flüchtlinge aus der Ukraine als Vertriebene gelten, die ihnen einen uneingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglicht, läuft nach aktuellem Stand Anfang März 2025 aus. Ob diese noch einmal verlängert werde, können man derzeit nicht sagen, räumte Kocher ein.

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Er will aber noch in der aktuellen Regierungsperiode vor der Wahl die Grundlage für eine Zukunftsperspektive für jene Vertriebenen schaffen, die derzeit schon in Österreich beschäftigt sind. Er denkt dabei an eine Rot-Weiß-Rot-Karte plus. Kocher: "Die, die hier beschäftigt sind, sollen eine Bleibeperspektive über diese Möglichkeit erhalten. Jeder, der bleiben möchte, soll bleiben können." 

Er könne sich vorstellen, dass zumindest die Rahmenbedingungen dafür noch in der aktuellen Regierungsperiode gelegt werden können: "Um Planungssicherheit zu schaffen." Für die Vertriebenen, aber auch für Unternehmerinnen und Unternehmer, die Vertriebene beschäftigen. 

Apropos Rot-Weiß-Rot-Karte: Allein in Oberösterreich sind die Antrage dafür von 830 im Jahr 2021 auf 2.085 im Jahr 2023 gestiegen.