Chronik/Oberösterreich

Ein Fuß im Gummistiefel, einer im Marketing

In Oberösterreich wird auf 1600 Hektar Gemüse angebaut, die Hälfte davon allein im Bezirk Eferding. Trotz des üppigen Eferdinger Beckens sind die Gemüsebauern vermehrt unter Druck: Gute Ernten bedeuten schlechte Preise, erklärt die Obfrau des Verbands der oö. Obst- und Gemüseproduzenten Gabriele Wild-Obermayr. „Um am Markt bestehen zu können, muss man sich spezialisieren. Dieser Trend erfordert größere Anbauflächen, wobei die landwirtschaftlichen Betriebe weniger werden. Der Preiskampf ist immer ein brisantes Thema."

Marketing

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Biobauern seien durch ihre spezielle Vermarktung gewissermaßen in einer Sonderposition, so Günter Achleitner, der auf seinem Biohof in Eferding 100 Hektar bewirtschaftet.
Die Entscheidung, den elterlichen Betrieb auf biologischen Anbau umzustellen, sei für ihn und seine Gattin Ilse im Jahr 1990 eine leichte gewesen – und habe sich trotz Unkenrufen ausgezahlt. „Auch wenn das damals noch nicht so populär war wie heute, kam für mich nie etwas anderes infrage." Ein riesiger Biopalast an der Eferdinger Bundesstraße und rund 5000 Haushalte in Oberösterreich, Salzburg und Teilen Niederösterreichs, die ihre prall gefüllte „Biokiste" ins Haus geliefert bekommen, geben dem Paar recht. Gemeinsam mit der Firma Biogast beliefert Achleitner seit 2010 den Großhandel.

Das alles wäre in Eigenregie nicht möglich, weiß der 52-jährige gelernte Gärtner. „In der heutigen Zeit muss man seine Fühler ausstrecken. Vielfalt ist für den Konsumenten entscheidend, da braucht man kompetente Partner." Rund 100 Biobauern aus ganz Österreich beliefern das Eferdinger Unternehmen. Am eigenen Hof werden Salate, Kohlgemüse, Paprika und Spinat gezogen. Die Familie Achleitner stehe „mit einem Fuß im Gummistiefel" und mit dem anderen in der Vermarktung.

Gastarbeiter

In der Erntesaison seien Fremdarbeitskräfte unverzichtbar. Bis zu 30 Rumänen und Polen beschäftigt der Biohof dann. Biologischer Anbau erfordere viel Handarbeit. Alleine mit dem Unkrautzupfen bei den Karotten seien zehn Arbeiter bis zu fünf Tage lang beschäftigt, weiß Achleitner.

1350 Fremdarbeitskräfte aus Drittstaaten wie der Ukraine und dem Kosovo und 800 aus EU-Staaten arbeiten in der Hochsaison auf oberösterreichischen Feldern – entlohnt werden sie nach Kollektivvertrag. Über 80 Prozent kehren jedes Jahr in dieselben Betriebe zurück. „Stammarbeiter haben einen hohen Stellenwert, da man sich bei der Feldarbeit auf ihre Erfahrung verlassen kann", sagt Wild-Obermayr.