Chronik/Niederösterreich

EU-Regionen: Kooperation ohne Grenze

Große Erwartungen setzen Niederösterreich und sein Nachbarland Tschechien in die anstehenden Verhandlungen um den EU-Finanzplan in Brüssel. Es geht um die Dotierung der Regionalfördermittel für 2021 bis 2027. Die grenzüberschreitende Gesundheitskooperation, die in der Region Gmünd - Czeske Velenice aufgebaut wurde, gilt als europaweit einzigartig. Sie dient auch als Argument und positives Beispiel für die Zweckmäßigkeit kommender EU-Interreg-Förderprogramme.

Als „Leuchtturmprojekt“ bezeichnete Landesrat Martin Eichtinger (ÖVP) das im Grenzgebiet gerade in Bau befindliche Gesundheitszentrum Gmünd. Ab dem Frühjahr 2021 werden in dem mit EU-Mitteln finanzierten 2,5 Millionen Euro teuren Center Österreicher und Tschechen behandelt werden, kündigte Eichtinger im Rahmen eines Treffens mit den tschechischen Vizeminister Zdeněk Semorád an. 25 Arbeitsplätze werden mit Ärzten, Therapeuten und Pflegefachkräften aus beiden Ländern besetzt. Die grenzübergreifende medizinische Kooperation hat sich rund um das Landesklinikum Gmünd ab 2013 entwickelt. Seitdem habe man 7.600 Patienten aus dem Raum Czeske Velenice behandelt, berichtet Primar Michael Böhm vom Spital Gmünd. Mit dem Projekt „Healthacross“, das den Bau des neuen medizinischen Zentrums beinhaltet, erfahre der Standort eine Aufwertung. Böhm: „Früher waren wir in Grenznähe, jetzt befinden wir uns im Zentrum einer Versorgungsregion“.

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700 Projekte

Stolz sei man, weil sowohl die Weltgesundheitsorganisation WHO als auch die EU dieses Interreg-Projekt ausgezeichnet hat, sagte Eichtinger. Seit dem EU-Beitritt vor 25 Jahren konnten direkt in Niederösterreich 700 Projekte mit einem Volumen von 109 Millionen Euro abgewickelt werden. Mit Tschechien gibt es derzeit 60 Aktivitäten mit 324 Projektpartnern. 98 Millionen Euro standen und stehen dem Programm „Österreich-Tschechien“ von 2014 bis zum heurigen Jahr zur Verfügung. 86 Prozent davon konnten bereits ausgenutzt werden, wobei 17 Millionen nach Niederösterreich flossen, zog Eichtinger Bilanz. Brüssel müsse dafür sorgen, dass genügend Geld für die Regionen zur Verfügung gestellt wird, forderte er.

Auch für Vizeminister Semorád ist die positive Wirkung der Interreg-Förderungen für die tschechische Grenzregion unbestritten. Noch sei unklar wie viel Geld im Regionaltopf sein werde, sagte er. Von den nächsten Projekten hat er aber klare Vorstellungen: Forschung, Naturschutz und Infrastruktur sollen dabei sein.

Projektvielfalt

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs vor 30 Jahren entwickelten sich zwischen österreichischen und tschechischen Regionen vorerst Kultur- und Tourismus-Kooperationen. Ab dem EU-Beitritt Österreichs  1995 taten sich neue Chancen durch den Regionalfonds der EU auf.  In den laufenden 60 Projekten finden sich  17 Forschungskooperationen mit Universitäten, 25 Initiativen zum Schutz des Natur- und Kulturerbes oder  Unterricht für 73.000 Kinder in der Sprache des Nachbarlandes.