Chronik/Burgenland

Lehrlinge sind im Burgenland Mangelware

Drei Lehrlinge nimmt die Schittl GmbH in Deutsch Kaltenbrunn im Bezirk Jennersdorf pro Jahr. Heuer gab es nur eine Bewerbung und der „war nicht der Richtige“, sagt Geschäftsführer Roman Gradwohl. 57 Mitarbeiter beschäftigt das Metall-Unternehmen, das vor allem in der Lohnfertigung für den Maschinenbau tätig ist. Schon in den vergangenen Jahren wurde es schwieriger Lehrlinge zu finden. „Das Rohmaterial, das wir veredeln könnten, fehlt“, sagt Gradwohl. Die Konkurrenz wird größer, „die Schulen tun alles, damit kaum Lehrlinge überbleiben“, meint Gradwohl. Auch große Firmen in der Steiermark locken Lehrlinge mit einem gratis Führerschein oder einem iPhone, meint der Geschäftsführer: „So etwas können wir uns nicht leisten.“

Die Firma Schittl steht nicht alleine da. „Österreichweit klagen 82 Prozent aller Unternehmer über Facharbeitermangel“, sagt Burgenlands Wirtschaftskammer Präsident Peter Nemeth.

Weniger Lehrlinge

Die Anzahl der Lehrlinge geht in den vergangenen Jahren zurück. Im Jahr 2000 gab es 3119 Jugendliche in einer Lehre, 2017 waren es nur mehr 2608 Lehrlinge. Auch die Lehrbetriebe sind von 1313 auf 822 gesunken.

Für Landeshauptmann Hans Niessl ist klar: „Handwerk – und damit die Lehre – haben goldenen Boden.“ Deshalb unterstützt das Land auch die von Wirtschaftskammer, AMS und Bildungsdirektion ins Leben gerufenen Lehrlingscastings, die von 21. Jänner bis 21. Februar in allen Bezirken stattfinden (Info: www.wko.at/bgld/lehrlingscasting). „Wir stellen uns den Herausforderungen der Zukunft, derzeit haben sich bereits 104 Betriebe zum Lehrlingscasting angemeldet“, sagt Nemeth. Bei diesen Veranstaltungen werden lehrlingssuchende Unternehmen mit arbeitssuchenden Jugendlichen an einen Tisch gebracht. Die Betriebe können sich vorstellen und die Jugendlichen haben die Chance, einen ersten Eindruck von einem Betrieb zu bekommen.

Bewerbungen

Vertragsabschlüsse vor Ort seien laut AMS Burgenland-Chefin Helene Sengstbratl zwar selten, die Unternehmer würden aber die Möglichkeit schätzen, die potenziellen Lehrlinge persönlich kennenzulernen. „Im Anschluss daran folgen Einladungen zu Schnuppertagen, schließlich sollen die Jugendlichen hautnah erleben, was im Betrieb dann auf sie zukommt.“

Laut Sengstbratl gibt es derzeit über 50 offene Lehrstellen in Metall- und Elektro, Fremdenverkehrsberufen oder dem Handel. Das wirkt sich natürlich negativ auf die zur Verfügung stehenden Facharbeiter aus. Niessl und Nemeth fürchten negative Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum.