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Das Land am Kura-Fluss

Wer Chatschapuri und Chinkali mag, der weiß vermutlich, wovon die Rede ist. Für alle anderen: Erstere bezeichnen pizzaähnliche Fladenbrote. Zweitere sind pikant gefüllte Teigtaschen – und in beiden Fällen handelt es sich um typisch georgische Spezialitäten. Womit wir beim Kern der Sache wären: Georgien ist in Wien derzeit in aller Munde. Sowohl kulinarisch (seit Kurzem gibt es etwa mit dem Aragwi in der Neustiftgasse eine neue Adresse für georgische Küche), als auch architektonisch. Denn im Wiener Ringturm kann man im Rahmen einer von Adolf Stiller kuratierten Ausstellung in die Baukunst der Hauptstadt Tiflis eintauchen.

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Wer jetzt nur eine vage Vorstellung hat: Georgien liegt an der Grenze zwischen Europa und Asien. Zwischen Schwarzem Meer und Großem Kaukasus. Zwischen Russland im Norden und der Türkei, Armenien und Aserbaidschan im Süden. Knapp vier Millionen Menschen bevölkern das kleine Land, rund ein Viertel davon lebt im Landesinneren in der Hauptstadt Tiflis. Der Name wird vom Altgeorgischen "tbili" hergeleitet, das so viel wie "warm" bedeutet und der Stadt im 5. Jahrhundert ihren Namen verlieh. "Tbilissi" bezieht sich auf die zahlreichen, bis zu 47 Grad heißen Schwefelquellen, die bis heute in unterirdischen Badeanlagen dampfen und von den Einheimischen regelmäßig genutzt werden.
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Die an der Seidenstraße gelegene Stadt lebte lange vom Handel und der Landwirtschaft, wodurch sie mit vielen Kulturen in Berührung kam. Das hat sich auch in der Architektur manifestiert, die europäische, maurische und persische Elemente vereint. In der sogenannten "oberen Altstadt" kann man das noch heute sehen. Teilweise original belassene Laubengänge und kunstvoll geschnitzte Holzbalkone legen davon Zeugnis ab. Ebenso wie die Häuser am Ufer der Kura, die Vogelnestern gleich die Klippe säumen.Ende des 19. Jahrhunderts gesellten sich mehrere größere städtische Gebäude europäischen Zuschnitts hinzu. Architekten, die zum Großteil aus dem Ausland kamen, mischten Epochen und Stile wild durcheinander und schufen so einen Eklektizismus, der das Stadtbild bis heute prägt. Ein Beispiel aus dieser Zeit ist etwa die Standseilbahn auf den Hausberg Mtazminda. Deren Bergstation, 1938 im Stile des Sozialistischen Realismus erbaut, ist fast von jedem Punkt der Stadt aus sichtbar.
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Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Tiflis erneut einen großen Wachstumsschub. Neben neuen Wohngebieten entstanden auch einige herausragende Beispiele sowjetischer Architektur. Aushängeschild ist etwa das Ministerium für Straßenbau – ein bizarres Gebilde aus sich überlagernden Betonbalken auf einem extrem reduzierten Fundament. Der Minister für Straßenbau, George Chakhava, war zugleich Bauherr und Architekt. Sein Ziel war es, möglichst wenig Bodenfläche zu beanspruchen und eine Raumstruktur zu schaffen, die in alle Richtungen erweiterbar ist. Als weitere Beispiele modernistischer Architektur gelten unter anderem das Aqua-Sport-Zentrum "Leninsky Komsomol" oder der Busbahnhof Ortatchala. Die Staatliche Philharmonie – ein gläserner Zylinder – symbolisiert die Aufbruchsstimmung, die Ende der 60er-Jahre unter Architekten aufkam.
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Darüber hinaus thematisiert Stiller auch jüngste architektonische Entwicklungen, die auf das Betreiben von Micheil Saakaschwili, bis 2013 amtierender Präsident, eingeleitet wurden. Er ließ überall im Land neue Bauten – zum Großteil von dem Berliner Architekten Jürgen Mayer H. – errichten. Auch nach Tiflis hat er namhafte Architekten eingeladen, woraufhin einige spektakuläre Projekte an neuralgischen Punkten entstanden sind. Unter anderem die von Michele De Lucchi aus Mailand entworfene Friedensbrücke über den Kura-Fluss. Oder das "Justizhaus" der aus Rom stammenden Architekten Massimiliano und Doriana Fuksas. Nach der Ausstellung sei übrigens das "Cafe Ansari" (Praterstraße 15), nur ein Steinwurf vom Wiener Ringturm entfernt, empfohlen. Architekt Gregor Eichinger hat hier ein großartiges Ambiente geschaffen, in dem feinste georgische Delikatessen serviert werden– authentischer kann der Museumsbesuch nicht ausklingen.

Zum Jahresauftakt präsentiert der Wiener Städtische Versicherungsverein im Rahmen seiner „Architektur im Ringturm“-Reihe das architektonische Erbe Georgiens. „Tiflis – Architektur am Schnittpunkt der Kontinente“, kuratiert von Adolf Stiller, zeigt die vielfältige Architekturlandschaft und -geschichte der georgischen Hauptstadt.

Noch bis 27. April (Mo.–Fr. 9 bis 18 Uhr) im Wiener Ringturm bei freiem Eintritt.

www.wst-versicherungsverein.at