Wissen/Gesundheit

Experte Sprenger: "Ein Lockdown ist wie eine Hochdosis-Chemotherapie"

Der Gesundheitswissenschafter Martin Sprenger warnt gegenüber dem KURIER vor einem zweiten Lockdown: „Das wäre wie eine Hochdosis-Chemotherapie. So eine Therapie muss man sich sehr gut überlegen, und es muss erwiesen sein, dass der Nutzen größer ist als der Schaden. Das ist es aber nicht. Es gibt keinen Grund für einen Lockdown. Er hat so viele Nebenwirkungen, dass er meist nicht verhältnismäßig ist.“

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Es habe sich extrem viel verbessert im Vergleich zum Frühjahr, etwa auf der Behandlungsebene: „Wir wissen heute ganz genau über die Risiken schwerer Krankheitsverläufe Bescheid.“ Nur auf die täglich positiv getesteten Fälle zu schauen, gebe kein Bild der Wirklichkeit ab: „Das sagt zum Beispiel nichts aus über ,erkrankt‘ oder ,infektiös‘.“

Es fehle auch an einer einheitlichen Definition der Erkrankung Covid-19: „Die Veröffentlichung genauer Daten über die Erkrankten, ihr Alter, ihre Begleiterkrankungen, ihren Krankheitsverlauf, ihre Genesung, das wäre relevanter als eine Statistik positiver PCR-Tests. Aber unser Datensystem ist intransparent. Damit werden Verschwörungstheorien befeuert.“ Die Erkrankung müsse ernst genommen werden: „Wir müssen im Winter aufpassen, aber wir müssen die Kirche auch im Dorf lassen. Managen wir die Situation gut, unterstützen wir die, die es wirklich benötigen, Pflegeheime, das Gesundheitssystem. Aber hören wir mit der Angstmacherei auf.“

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