Wie sehr verändert Cannabis das Gehirn?
Kiffen liegt im Trend, die Legalisierung von Cannabis wird weltweit vorangetrieben. Eines der Hauptargumente der Befürworter: Es sei harmloser als das (legale) Trinken von Alkohol. Doch ist das so?
In Wirklichkeit ist alles sehr kompliziert. Wie Marihuana auf das Gehirn wirkt, wird seit Jahren intensiv untersucht. Dabei wird immer offensichtlicher, dass die Auswirkungen komplexer sind, als bisher gedacht. Sie sind vor allem abhängig von der Person und von deren Erbanlagen, wie zwei neue Studien zeigen, die im Journal JAMA Psychiatry veröffentlicht wurden.
Genetische Anlagen spielen eine große Rolle
Das Gehirn verändert sich - vor allem bei jungen Menschen
Weiters: Bei Menschen, die eine erbliche Prädisposition für Schizophrenie haben, kann früher Cannabiskonsum die Gehirnentwicklung negativ verändern. In einer weiteren aktuellen Studie von Dr. Tomáš Paus, Neurowissenschaftler am Rotman Research Institute, Toronto, wurden mit Magnetresonanzgeräten MRI die Gehirne von mehr als 1500 männlichen Teenagern untersucht – und zwar zwei Mal. Einmal mit 15 und dann mit 19 Jahren. Bei jenen, die in diesem Zeitraum von vier Jahren kifften und gleichzeitig eine genetische Veranlagung für Schizophrenie hatten, wurde der Kortex im Gehirn „dünner“. Zwar ist nicht klar, was diese Veränderung konkret bewirkt, aber es könnte ein Hinweis darauf sein, dass diese Cannabiskonsumenten weniger Verbindungen zwischen den Gehirnzellen haben, und auch weniger Blutgefäße und Kapillaren, die das Gehirn versorgen.
Das Fazit der Forscher: supervorsichtig sein!
Speziell bei jungen Menschen mit einer Disposition für Schizophrenie reift das Gehirn anders. „Gibt es in der Familiengeschichte schwere psychotische Erkrankungen, muss man die Kids daher ermutigen, Cannabis gänzlich zu meiden. Da muss man super-, supervorsichtig sein“, sagt Studienautor Tomáš Paus. „Cannabis ist keine harmlose Droge“, kommentiert auch der bekannte Neurowissenschaftler David Goldman die neuen Erkenntnisse. Was die Substanz speziell in und mit jungen Gehirnen anstellt, sei nach wie vor unklar und von sehr vielen Faktoren abhängig. Außerdem macht die Dosis das Gift – unumstritten ist, dass das am Markt befindliche Cannabis immer höhere Konzentrationen am halluzinogenen Wirkstoff Tetracannabinol aufweist, und daher entsprechend stärker wirkt. Mit unbekannten Folgen.