René Alfons Haiden: "Ich bin ein Workaholic"
Der 84-jährige Ex-Chef der Bank Austria geht immer noch täglich ins Büro und zieht als Multi-Funktionär viele Fäden. Das Bankgeschäft sei früher menschlicher gewesen, sagt er.
Morgen, Donnerstag, feiert der ehemalige Generaldirektor der Bank Austria seinen 84. Geburtstag – und will von Ruhestand noch lange nichts wissen. Obwohl seit 1995 in gut dotierter Banker-Pension, berät er "seine Bank" bei Bedarf nach wie vor im Bereich Exportförderungen. "Wenn ein Mensch 50 Jahre lang ununterbrochen gearbeitet hat, kann man ihn doch nicht einfach wie eine Maschine abstellen."
Konsulent
Die Familie bleibt da schon manchmal auf der Strecke, gibt er zu. Haiden hat zwei Söhne, die ebenfalls im Bankgeschäft sind, und vier Enkelkinder im Schulalter: "Meine Frau habe ich vorgewarnt: Ich bin ein Workaholic", schmunzelt er und erzählt, dass sie ihm beim Pensionsantritt 1995 nur einen Termin pro Woche gönnen wollte. "Nun fragt sie mich oft erstaunt: Hast du heute keine Termine?" Hobbys sind da beinahe schon ein Fremdwort: Die vielen Fotos und Filme, die er auf seinen vielen Reisen gemacht habe, könne er auch mit 95 noch ordnen.
1048 Schilling
Haiden kann sich noch an seine Anfangszeit bei der Zentralsparkasse erinnern, als die Bankangestellten noch Beamte und die Kunden Parteien waren. "Der Oberbeamte ist mit dem Fiaker vorgefahren." Der spätere Bankchef kam 1953 als Werkstudent eher zufällig zur Bank. Auch sein Anfangsgehalt fällt ihm noch ein, es waren 1048 Schilling brutto.
Einmal hat sich aber auch der Banker gründlich verrechnet. Haiden investierte 50.000 Euro in Fonds des US-Milliarden-Betrügers Bernard Madoff. Das Schneeballsystem flog bekanntlich auf, das Geld war futsch.