Wirtschaft

Kosten für Schulden der Republik nahmen 2021 weiter ab

Obwohl die Coronakrise den Finanzschuldenstand der Republik Österreich seit 2019 um rund ein Fünftel (21 Prozent) nach oben getrieben hat, sind die jährlichen Kosten, die der Staat für diese Schulden berappen muss, dank niedriger Zinsen weiter zurückgegangen.

Der effektive Zinsaufwand des Bundes lag laut Zahlen der Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) im Vorjahr mit rund 3,5 Mrd. Euro oder 0,87 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und damit so tief wie noch nie.

2020 waren es 1,05 Prozent des BIP oder 4 Mrd. Euro, im Jahr 1995 mussten 3,5 Prozent des BIP für Zinsen aufgewendet werden.

Der in der Krise notwendig gewordene massive Schuldenaufbau "wurde von der EZB mit einem sehr günstigen Zinsumfeld unterstützt, damit das für die Staaten auch wirklich leistbar ist", sagte OeBFA-Geschäftsführer Markus Stix am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) ist mit dem 1,85 Billionen Euro schweren Pandemie-Notprogramm PEPP der größte Anleihenkäufer in der gesamten Eurozone.

Profitieren vom niedrigen Zinsumfeld

Von dem niedrigen Zinsumfeld konnte Österreich als Staatsanleihenemittent heuer erneut profitieren. Die durchschnittliche Verzinsung aller neu aufgenommenen Schulden lag 2021 bei minus 0,34 Prozent.

"Es ist das dritte Mal in der Geschichte der Republik, das die kompletten Begebungen des Jahres durchschnittlich mit negativem Zinssatz emittiert wurden und es ist auch das zweite Mal, dass alle Bundesanleihen negativ begeben wurden", sagte Stix.

Auch die durchschnittliche Portfolio-Rendite sank damit im Vorjahr weiter nach unten - von 1,47 Prozent im Jahr 2020 auf 1,17 Prozent. Darüber hinaus wurde die durchschnittliche Laufzeit weiter auf 10,6 Jahre gesteigert, wodurch die günstigeren Konditionen für einen längeren Zeitraum eingeloggt werden.

All das führe zu einer sinkenden Zinsbelastung für den Staat. Aus dem Finanzschuldenstand erhalte er wegen der Negativverzinsung derzeit netto sogar Zinseinnahmen.

So habe die Republik "in den letzten drei Jahren - seit wir negativ sind - von Investoren über 4 Mrd. Euro an Zinsen überwiesen" bekommen bzw. bekommt es gerechnet auf die gesamte Laufzeit der Schulden noch, so Stix.

Der starke Abwärtstrend bei der Zinslast werde sich jedoch nicht ewig fortsetzen können, laut OebFA-Berechnungen werde es sich ab 2025 wieder umkehren. Das hänge aber auch davon ab, wie sich die Zinsen weiter verändern.

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Unsichere Lage

Insgesamt sei das vergangene Jahr vom Renditenverlauf der Anleihen her eher volatil verlaufen. Ähnliches sei auch für heuer zu erwarten, wenn die im Herbst ausgebrochene Inflationsdiskussion weitergeht und die internationalen Notenbanken ihre Geldpolitik in Reaktion darauf straffen müssen.

Die US-Notenbank Fed hat für heuer bereits mehrere Zinsschritte angekündigt. Bei der EZB ist bisher nur fix, dass das Pandemie-Kaufprogramm im Frühling auslaufen wird und die Unterstützung für das normale Anleihen-Programm sukzessive reduzieren wird. Am Markt gebe es aber auch für die europäischen Währungshüter bereits Spekulationen über Zinserhöhungen im späteren Herbst.

In Anbetracht dieser Entwicklungen sei "sehr viel Unsicherheit in den Märkten und auch bei den Investoren" zu spüren. Das habe man auch bei der gestrigen Platzierung neuer Anleihen im Gespräch mit den Käufern wahrgenommen.

Drei neue Papiere

Am Mittwoch hat die OeBFA in einem Syndikatsverfahren gleich drei Papiere am Markt angeboten. Neu begeben wurde eine siebenjährige Anleihe, zudem wurden eine 20-jährige (Endfälligkeit 2040) und eine 50-jährige Bundesanleihe (Endfälligkeit 2071) aufgestockt.

Insgesamt wurden damit 6,25 Mrd. Euro eingenommen. Es war die erste Dreifach-Begebung im Syndikat eines europäischen Staates, so Sitx.

Die Emissionsrenditen für die Papiere lagen allesamt im positiven Bereich, für die siebenjährige belief sei sich auf 0,25 Prozent, für die 20-jährige auf 0,626 Prozent und für die 50-jährige Anleihe auf 1,004 Prozent. Es war die erste von den drei bis vier geplanten Syndizierungen im heurigen Jahr, so der OeBFA-Chef.