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Was bedeutet der Brexit für Studenten?

Ein paar der renommiertesten Unis weltweit befinden sich in Großbritannien. Das Imperial College London, die London School of Economics, die University of Oxford oder Cambridge. An so einer Uni inskribiert zu sein oder ein Erasmus-Semester zu absolvieren, ist auch unter Studenten aus dem Ausland begehrt.

Laut Higher Education Statistics Agency sind rund 485.000 nicht-britische Studenten an Hochschulen des Vereinigten Königreichs eingeschrieben, 143.000 davon kommen aus der EU. Derzeit sind sie in vielen Belangen britischen Studenten gleichgestellt. Sie zahlen dieselben Studiengebühren, über Erasmus-Programme gar keine. Aber wie geht es nach dem Brexit weiter?

Was bedeutet der Brexit für die rund 2.000 Österreicher, die derzeit in Großbritannien studieren?

Zunächst einmal nichts. Studierende, die nicht am Erasmus-Programm teilnehmen, werden in der Übergangszeit wie britische Studierende behandelt, zahlen dieselben Gebühren wie Briten („Home Fee Status“) und haben Zugang wie bisher zu staatlichen Studienförderungen. Ob es für die EU-Studenten bei dem niedrigeren Preis bleibt, ist ungewiss. Im schlimmsten Fall werden sie wie Studierende aus Drittstaaten höhere Gebühren zahlen, Aufenthaltsbestimmungen verschärft und können keinen Studienkredit beantragen. Was für die Semester ab 2021/22 gilt, könnte Teil der Verhandlungen mit der EU sein.

Was ändert sich für Erasmus-Studenten?

„Erst mal nichts“, betont Jakob Calice vom Österreichischen Austauschdienst (OeAD). Im Austrittsvertrag mit der EU ist festgehalten, dass das Erasmus-Programm bis zum 31.12.2020 normal weiter läuft und auch voll finanziert wird. Auch jene, die sich für das Wintersemester 2020/21 in Großbritannien beworben haben, können weiterhin am Erasmus-Programm teilnehmen. „Für die Zeit nach der Übergangsphase haben auch einige Unis Vorbereitungen getroffen. Der Brexit hat insofern für stärkere Partnerschaftsbeziehungen unter Hochschulen gesorgt“, so Calice.

Wird ein Studienabschluss einer britischen Uni in Österreich weiterhin anerkannt?

Bereits anerkannte Ausbildungen und Studienabschlüsse, die in einer britischen Bildungseinrichtung erworben wurden, behalten auch nach dem Austrittsdatum ihre Gültigkeit in Österreich und der EU. Darüber informiert auch das österreichische Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung. Allerdings können ab dem Austritt Zertifikate bzw. Qualifikationen nicht mehr wie bisher gemäß EU-Recht anerkannt werden. Ab diesem Tag müssen zum Beispiel Zeugnisse die den Berufszugang gewähren, nostrifiziert werden. Erst mit dieser Zulassung zu einem reglementierten Beruf, können sich Absolventen britischer Hochschulen nach den österreichischen Berufsvorschriften bewerben.

Bleibt das Vereinigte Königreich Teil von Erasmus+?

Hier ist noch vieles offen. Ab dem 1. Jänner 2021 besteht die Möglichkeit, dass Großbritannien als Nicht-Mitglied der EU, wie zum Beispiel Norwegen, an dem Austausch-Programm teilnimmt. Das kann in einem Sondervertrag nach dem Austritt verhandelt. Die zweite Option: Großbritannien wird zu einem Partnerland – auch hier müssen die Bedingungen verhandelt werden.

Was gibt es für Alternativen für ein englischsprachige Erasmus?

Alternativen sind Irland, die Niederlande oder skandinavische Länder. „Doch momentan zeichnet sich kein Trend in diese Richtung ab“, sagt Jakob Calice vom OeAD. „Großbritannien ist nach wie vor ein beliebtes Ziel.“ 2019 hat der OeAD ca. 780 Studierende, darunter auch Hochschulpersonal über Erasmus+ vermittelt hat und erwartet nur einen leichten Rückgang.