Wirtschaft/Karriere

Ein Update für Europas Unis

Viele Universitäten in Europa blicken – zu Recht – mit Stolz auf eine jahrhundertelange Geschichte zurück. In den nächsten Jahren, so sehen es zumindest die Bildungsexperten der EU-Kommission, werden sie – wieder einmal – eine Revolution im Hochschulbereich erleben.
In der Brüsseler Behörde geht man nämlich davon aus, dass E-Learning im kommenden Jahrzehnt um das Fünfzehnfache wachsen wird – und Mitte der 2020er-Jahre knapp ein Drittel des gesamten Bildungsangebotes ausmachen wird. „Diese Veränderung sollte aber nicht etwas sein, das einfach passiert, sondern sollte von Bildungseinrichtungen und der Politik bewusst gesteuert werden“, sagt Androulla Vassiliou, bis Anfang November EU-Bildungskommissarin.

„Unis sind nicht bereit“

Vassiliou warnt, dass der Wandel unaufhaltsam sei – „aber viele Universitäten sind für diese Veränderung noch nicht bereit und viele Regierungen haben nur sehr zögerlich das Heft in die Hand genommen“. Die größten Problemfelder, die die Kommission ausgemacht hat: Die Hochschul-Landschaft in Europa sei „stark fragmentiert“, es gebe „zahlreiche Hürden für Innovation“ und nicht zuletzt gebe es „nur sehr wenige vollwertige Strategien, wie man neue Methoden des Lehrens und Lernens anwenden kann“.
Um das anzukurbeln, hat die Kommission nun eine „Agenda zur Modernisierung von Europas Hochschulsystemen“ mit 15 konkreten Forderungen präsentiert. Die zentralen Punkte:


Integrales Element

Die Integration von digitalen Technologien soll ein „integrales Element“ in den Lehrplänen der Universitäten werden.


Nationaler Kompetenzplan

Jeder EU-Staat soll einen „nationalen Kompetenzplan für digitale Fertigkeiten“ entwickeln. Er soll in die Ausbildungspläne für Uni-Professoren eingebaut werden.


Grundausbildung der Lehrenden

Jeder, der an einer Uni unterrichtet, soll eine Grundausbildung für „relevante digitale Technologien“ erhalten – und laufend Auffrischungskurse.


Anreize schaffen

In den Budgets soll es Anreize für die Unis geben, „ihre Lehrpläne zu öffnen und flexiblere Wege der Wissensvermittlung zu entwickeln“. Hochschulen, die in diesem Feld aktiver und erfolgreicher sind als andere, sollen vom Staat auch mehr Geld bekommen.


Qualitätskriterien

Um Wildwuchs zu verhindern, sollen die Länder Rahmenbedingungen und Qualitätskriterien für (offene) Online-Kurse festlegen.


Förderungen

Aus Brüssel soll es Gelder aus dem EU-Haushalt geben, wenn Länder grenzüberschreitend an solchen Qualitätsstandards arbeiten.


ECTS-Punkte

Das System der ECTS-Punkte an den Unis soll überarbeitet werden – dabei sollen die Wissenschaftsministerien ermutigt werden, auch für „alle Formen von Online-Kursen“ die Anrechnung von ECTS-Credits zu ermöglichen.


Kosten

Staatliche Unis sollten daran arbeiten, dass „möglichst alle Lernmaterialien kostenlos online zugänglich sind“.
Viel zu tun also – und das möglichst schnell, sagt Mary McAleese, die Leiterin der Expertengruppe: „Europa verzeichnet zwar bereits Fortschritte bei der Nutzung neuer Technologien an Universitäten und Hochschuleinrichtungen, ist gegenüber den USA jedoch immer noch im Rückstand.“

Was es ist

Bei Massive Open Online Courses können Lernwillige weltweit ohne formale oder finanzielle Hürden Internet-Lehrveranstaltungen besuchen – oft bei Kapazundern des jeweiligen Fachgebietes.

Wer es macht

Die meisten MOOC-Anbieter gibt es in den USA, wo auch die größten sitzen: In Stanford wurden „Udacity“ und „Coursera“ entwickelt, Harvard & MIT stehen hinter „edX“. Europas Unis haben eine Aufholjagd gestartet: Allein von September 2013 bis Juni 2014 hat sich die Zahl der MOOCs in Europa auf über 600 verdoppelt – mit weiterer Tendenz nach oben.