Wirtschaft

IWF: Ukraine-Krieg gefährdet die Finanzstabilität

Der russische Angriff auf die Ukraine stellt laut Internationalem Währungsfonds (IWF) eine Gefahr für die Finanzstabilität dar. Die Weltwirtschaft schwäche sich bereits ab, der Krieg werde nun die Stabilität der Kapitalmärkte testen, sagte IWF-Experte Tobias Adrian am Dienstag. Die größten Gefahren gebe es in Russland und der Ukraine, über Engpässe bei Rohstoffen und Lieferketten seien aber zahlreiche Staaten rund um den Globus betroffen.

Seit Jahresbeginn haben sich die Finanzierungsbedingungen in weiten Teilen der Welt bereits deutlich verschärft, am stärksten in Osteuropa. Allerdings seien die Rahmenbedingungen in vielen Ländern noch immer in der Nähe ihrer langfristigen Durchschnittswerte.

Künftige Schocks können schädlicher sein

Sollten sich der Krieg verschärfen und die Sanktionen eskalieren, könnte es aus Sicht des IWF dazu kommen, dass Gefahren plötzlich neu bewertet würden. Zusammen mit den durch die Coronapandemie entstandenen Verwundbarkeiten löse dies dann womöglich einen starken Rückgang der Börsenwerte aus. "Obgleich sich das Finanzsystem gegenüber jüngsten Schocks als widerstandsfähig gezeigt hat, könnten künftige Schocks schädlicher sein", hieß es in dem Bericht.

Das Engagement der internationalen Banken in Russland und in der Ukraine ist aus Sicht des IWF vergleichsweise überschaubar. In größerem Umfang sind dort vor allem einige europäische Institute engagiert. Noch unklar ist allerdings, wie stark die Geldhäuser indirekt den Kriegsfolgen ausgesetzt sind. Hierzu sind die Veröffentlichungen eher lückenhaft. Der IWF wies darauf hin, dass solche indirekten Risiken aus Aktivitäten wie dem Investmentbanking oder der Vermögensverwaltung oder der Lieferkettenfinanzierung bedeutsam sein und bei Offenlegung Investoren überraschen könnten. Ein Gebiet, das Sorgen bereite seien Derivate. "Sie sind sehr undurchsichtig, und es ist schwierig zu wissen, ob es irgendwelche versteckten Hebel gibt", sagte IWF-Experte Adrian.

Aus Sicht des IWF müssen die Notenbanken die zuletzt sprunghaft gestiegene Inflation wieder unter Kontrolle bringen. Sie müssten entschieden handeln. "Zinserhöhungen werden womöglich stärker ausfallen müssen als bisher vom Markt eingepreist", sagte Adrian. Dabei dürfe nicht vergessen werden, dass eine zu restriktive Geldpolitik die Wachstumsaussichten vieler Länder zusätzlich eintrüben könne. Das sei ein schwieriger Balanceakt. In Industriestaaten brauche es eine klare Kommunikation der Notenbanker zur Straffung, um Turbulenzen in den Märkten zu verhindern.

Europa sei zunächst stärker durch den Krieg vor der eigenen Haustür in Mitleidenschaft gezogen - wegen der hohen Abhängigkeit von russischen Energielieferungen sowie den Engagements einiger Banken in Russland. Wegen der Erwartung weiterer Zinserhöhungen in den USA gebe es aber vor allem in Schwellenländern die Gefahr, dass Investoren abrupt Gelder abziehen.