Wirtschaft

Für Aktionäre bahnt sich ein chancenreicher Sommer an

Am Pfingstmontag schloss der Frankfurter Leitindex DAX erstmals über der Marke von 10.000 Punkten. Am Dienstag setzte sich der Aufwärtstrend mit einem Plus von 0,21 Prozent fort. Den größten Wertzuwachs im DAX seit Start im Juli 1988 erzielte mit 3680 (!) Prozent BASF, gefolgt von BMW mit 1730 und VW mit 1690 Prozent.

Das lang erwartete Überspringen der magischen 10.000 Punkte-Marke ist auf die Beschlüsse der Europäischen Zentralbank zurückzuführen. Die ultralockere Geldpolitik der EZB bringt es mit sich, dass viel Kapital auf dem Aktienmarkt investiert wird. Zwar fürchten einige Beobachter, dass dadurch die Kurse künstlich nach oben getrieben werden und eine Preisblase entsteht. Doch noch sind die Kurs-Gewinn-Verhältnisse in einem vernünftigen Rahmen, Aktien somit nicht zu teuer.

Die Erwartung zusätzlicher Maßnahmen der EZB, die die Renditen im Anleihenbereich unattraktiver machen könnten, würden weitere Kurszuwächse bei Aktien erwarten lassen, sagt Harald Schoder, Wertpapierfachmann bei der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien.

Friedrich Glechner, Kapitalmarktexperte des Österreichischen Volksbanken Konzerns, rechnet in nächster Zeit ebenfalls tendenziell mit etwas steigenden Aktienkursen. „Etwaige Phasen von Gewinnmitnahmen sollten in diesem Umfeld nicht von langer Dauer sein.“ Neben den bereits genannten Einflussfaktoren sei auch die Konjunkturentwicklung in den USA sowie der Ukraine-Konflikt maßgeblich.

Branchenvergleich

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Der vergangene Monat Mai verlief für europäische Aktien durchaus positiv. Von den 18 Branchen im Euro-Stoxx-Index wiesen zwölf eine positive Entwicklung auf. „Die Märkte profitierten von den Europawahlen“ sagt Schoder. Mit Erleichterung sei aufgenommen worden, dass die europakritischen Kandidaten – trotz Zugewinnen in manchen Ländern – insgesamt doch in Zaum gehalten werden konnten.

Die jüngsten Konjunkturdaten aus Europa würden (noch) keinen Grund für Euphorie auslösen. Angesichts mangelnder Veranlagungsalternativen werde den Aktienmärkten aber weiterhin Geld zufließen.

Unterm Strich stehen seit Jänner 14 Branchen mit Zugewinnen nur vier Verlierer gegenüber (siehe Grafik).

1. Juli 1988: Der DAX wird aus der Taufe gehoben. Basis der Berechnung ist der 30. Dezember 1987 mit einem Wert von 1.000 Punkten. Der Börsenindex umfasst die 30 größten deutschen Unternehmen.

5. April 1991: In Frankfurt geht das "Integrierte Börsenhandels-und Informationssystem" - kurz Ibis genannt und eine Art Vorläufer des Xetra-Systems - an den Start.

19. Jänner 1996: Die Börse führt den MDAX ein, dem zunächst 70 mittelgroße Unternehmen angehören. Im März 2003 wird der MDAX auf 50 Firmen verkleinert.

18. November 1996: Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am DAX nimmt stark zu.

10. März 1997: Start des Neuen Marktes für wachstumsstarke Technologiewerte. Nach einer Reihe von Skandalen wird das Segment am 21. März 2003 wieder abgeschafft. Inoffizieller Nachfolger wird der TecDAX, dem 30 Tech-Aktien angehören.

28. November 1997: Mit dem neuen elektronischen Handelssystem Xetra - kurz für "Exchange Electronic Trading" - bricht für die Börse ein neues Zeitalter an.

2000 erstmals über 8.000

7. März 2000: Der DAX erreicht ein Rekordhoch von 8.136,16 Punkten. Befeuert wird die Euphorie vom Fusionsfieber. Ein geplanter Zusammenschluss der Deutschen Bank mit der Dresdner Bank scheitert aber. Die Dresdner Bank geht an die Allianz, die sie 2009 an die Commerzbank weiterreicht. Vom Hype profitieren auch Börsenneulinge. Beim IPO (Initial Public Offering) von Infineon, der Siemens-Chiptochter, am 12. März 2000 übersteigt die Nachfrage die Zahl der angebotenen Aktien um das 33-Fache. Danach beginnt eine langjährige Abwärtsbewegung, die von den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 verschärft wird.

12. März 2003: Der DAX rutscht unter 2.200 Punkte und notiert damit so niedrig wie zuletzt im November 1995. Im Laufe des Jahres dreht der deutsche Leitindex. Mit der Erholung der Weltwirtschaft in den Folgejahren wächst auch das Vertrauen in die Gewinnentwicklung der Unternehmen wieder.

1. Juni 2007: Erstmals seit März 2000 steigt der DAX wieder über 8.000 Punkte.

13. Juli 2007: Mit 8.151 Zählern setzt der DAX an diesem Freitag, den 13., einen neuen Meilenstein. Trotz erster Bankenpleiten und Not-Eingriffen der Europäische Zentralbank (EZB) am Geldmarkt steht der DAX zu Beginn des Krisenjahres 2008 wieder über 8.000 Zählern. Doch ab dann geht es bergab.

Von der Lehman-Pleite zur ungedrosselten Geldflut in den USA

15. Jänner 2008: Der Absturz der damals im DAX gelisteten Aktien des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate um 35 Prozent leitet die Talfahrt ein.

9. März 2009: Die Krise der Banken hat Tribut gefordert: 56 Prozent hat der DAX seit dem Hoch vom 13. Juli 2007 eingebüßt. Mit 3588 Punkten erreicht er den niedrigsten Stand seit Oktober 2003. Wenige Tage später wirft die US-Notenbank Fed die Notenpresse an. Von nun an geht es bergauf. Anfang Mai 2011 steht der DAX schon wieder bei 7.500 Punkten.

8. März 2013: Der DAX notiert erstmals seit dem 2. Jänner 2008 wieder über 8.000 Zählern.

5. Juni 2014: Die Entscheidung der EZB, die Zinsen weiter zu senken, treibt den DAX erstmals über die 10.000-Punkte-Marke.