Wirtschaft

Blaue Weichenstellungen für den ÖBB-Vorstand

Eineinhalb Tage lang ging der Aufsichtsrat der ÖBB-Holding diese Woche in Klausur. Am zweiten Tag waren auch die Belegschaftsvertreter dabei. Der Mittwoch schloss mit einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung. Unter Allfälliges standen Vorstandsangelegenheiten. Galt es doch, die Weichenstellungen für Arnold Schiefer vorzubereiten.

Das ging dann rasch, die Sitzung dauerte nur 15 Minuten.

Noch-Finanzvorstand Josef Halbmayr wird sich, wie berichtet, aus privaten Gründen vorzeitig zurückzuziehen. Der 62-Jährige wollte ursprünglich mit Jahresende 2018 gehen, wird aber die Erstellung der Bilanz 2018 noch unterstützen und erst mit 31. März 2019 abtreten.

Am 1. April soll Arnold Schiefer, derzeit Vorsitzender des Holding-Aufsichtsrates, in den Vorstand wechseln. Die offizielle Ausschreibung startet zwar erst in den nächsten Wochen, doch im blau dominierten Verkehrsministerium ist bereits jetzt fix, dass Schiefer den Job bekommen soll. Er muss sich nur noch bewerben. Alle Beteiligten gehen davon aus, dass dies der Fall sein wird. Der Manager ist für die Position top qualifiziert, er war bereits im Vorstand der Rail Cargo und der ÖBB-Infrastruktur.

Die Geschäftsverteilung im Holding-Vorstand wird zugunsten von Schiefer geändert, der derzeit im Vorstand der Heta Asset Resolution noch die letzten Aktiva der Kärntner Hypo verkauft. Schiefer wird bei der Bahn neben den Finanzen auch den Personalbereich übernehmen. Jährlich müssen rund 2000 Eisenbahner neu aufgenommen werden, in den nächsten Jahren werden sich 10.000 ÖBBler in die Pension verabschieden.

Wer ist der Boss?

Stellt sich die Frage, wer hat tatsächlich das Sagen. Der Vertrag des SPÖ-nahen CEO Andreas Matthä läuft Mitte 2021 ab und soll aus heutiger Sicht verlängert werden. Formal soll Matthä CEO bleiben und nach außen repräsentieren. Der angeblich uneitle Schiefer, dem der Titel egal sein dürfte, wird jedoch de facto der Boss. Der Burschenschafter genießt das Vertrauen von FPÖ-Verkehrsminister Norbert Hofer.

Nachfolger als Aufsichtsratsvorsitzender soll Ex-ÖBB-Manager Gilbert Trattner werden, ebenfalls aus dem blauen Lager. Er wurde am Mittwoch als dritter Stellvertreter in das Aufsichtsratspräsidium gewählt, um nach Schiefers Wechsel die Spitze zu übernehmen.

Fragt sich nur, ob die ÖVP dabei tatenlos zuschaut. Die Türkisen wären an der Spitze der Staatsbahn dann nur noch mit Kurt Weinberger vertreten. Der Vize-Aufsichtsratspräsident der ÖBB und Chef der Hagelversicherung gilt als exzellenter Manager, aber es ist anzunehmen, dass die ÖVP personell doch stärker präsent sein will.

Verlustbringer

Bei der nächsten Holding-Aufsichtsratssitzung steht Halbmayr eine unangenehme Aufgabe bevor. Er muss die Ergebnisse der Q-Logistics (Stückgut-Transporte) präsentieren. Das Joint Venture von ÖBB (60 Prozent) und der privaten Logistik-Gruppe Quehenberger liegt weit hinter dem Business-Plan zurück und fährt hohe Verluste ein. Knapp 26 Millionen im Vorjahr, auch für das laufende Jahr gibt es rote Zahlen.

Wie es mit Q Logistics weiter geht, ist derzeit völlig offen. Durchaus möglich, dass Quehenberger aussteigt. Die Suche nach einem neuen Partner dürfte für die ÖBB allerdings sehr schwierig werden. Vorstellbar, dass sich auch die Bahn aus dem Verlust-Abenteuer zurückzieht.

Ärger gibt es obendrein mit der Gewerkschaft. Rund 100 der mehr als 1000 Mitarbeiter sind Beamte. Die Gewerkschaft will jetzt, dass diese Kollegen wieder in die ÖBB zurück wechseln.andrea.hodoschek