Sport/Wintersport

Fenninger ist ihre Gesamtweltcup-Führung los

Die Erwartungen waren nicht hoch, doch Anna Fenninger wollte sich nicht vorwerfen müssen, dass sie es nicht wenigstens versucht hätte, im Slalom ein paar Weltcuppunkte zu holen. Aber Startnummer 25 (die letzte des ersten Durchgangs) und die bei plus sieben Grad und Nieselregen schwer mitgenommene Piste von Méribel machten das Ansinnen der 25-jährigen Führenden im Gesamtweltcup zu einem Ding der Unmöglichkeit – mit dem Handicap von 2,06 Sekunden Rückstand auf ihre Rivalin Tina Maze war Fenninger schon bei Halbzeit chancenlos.

"Die Leistungsdichte im Slalom ist sehr hoch, da ist es schon schwierig für mich, mitzuhalten", wusste die Salzburgerin, die beim Einfahren am Samstagmorgen "extrem unsicher" war. "Ich hab’ vorher gewusst, dass ich so weit hinten starten würde und dass die Verhältnisse so schwierig sein würden. Dafür bin ich nicht unzufrieden – mein Ziel war es, nicht Letzte zu werden." Das hat sie erreicht, Anna Fenninger wurde Vorletzte vor der Schweizerin Michelle Gisin.

Ein paar Kolleginnen hätten ausfallen müssen, damit die Salzburgerin noch zu Punkten kommt, allein, sie taten ihr diesen Gefallen nicht. So wurde es am Ende der 23. Platz, während Tina Maze mit zwei soliden Fahrten Vierte wurde und damit wieder im Gesamtweltcup führt. 18 Punkte beträgt der Vorsprung der Riesenslalom-Olympiasiegerin aus Slovenj Gradec auf die Riesenslalom-Weltmeisterin aus Adnet vor dem Riesenslalom am Sonntag (Start: 10/12.30 Uhr, live ORFeins). Das bedeutet:

Gewinnt Anna Fenninger und wird Tina Maze Zweite, hat die Salzburgerin den Gesamtweltcup sicher;

ebenso, wenn sie Zweite wird und Maze Dritte.

Wird Fenninger aber Dritte und Maze Vierte, geht die große Kugel schon nach Slowenien. Denn für den dritten Rang gibt es 60 Punkte, für den Vierten aber nur 50.

Die Saisonbilanz spricht für Anna Fenninger, die die letzten beiden Riesenslaloms gewonnen und zudem zwei zweite Plätze vorzuweisen hat. Tina Maze hingegen hat nur einen Saisonsieg und keine weiteren Podestplätze eingefahren.

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Dennoch hat die 31-Jährige am Samstag neuen Mut gefasst: "Ich hatte eine schwierige Zeit, nach den zwei nicht so guten Slaloms in Maribor und Åre bin ich aber endlich wieder vorne dabei." Vor allem hat sie ihre körperlichen Probleme überwunden: "Nach drei Wochen bin ich jetzt wieder gesund und kann skifahren. Nun ist es ein bisschen eine Nervensache, dass die Entscheidung erst im letzten Rennen fällt."

Kopfsache

Starke Nerven bewies Mikaela Shiffrin, die mit ihrem vierten Saisonsieg zum dritten Mal in Serie die kleine Kristallkugel für den Slalom geholt hat. "Es ist viel passiert in dieser Saison, ich hatte oftmals auch Stress. Ich war mir nicht immer wirklich sicher mit meinem Skifahren, umso mehr freut es mich, was ich in dieser Saison alles erreicht habe", sagte die 20-Jährige aus den USA, die bei ihrer Heim-WM ja auch den Weltmeistertitel geholt hat.

Die Österreicherinnen hatten nichts zu bestellen. Carmen Thalmann war als Neunte noch die Beste, "das ist zwar schön, aber da wär’s lieber, wenn ich nur drittbeste Österreicherin bin – und dafür auf dem Podest stehe", sagte die Kärntnerin.

Stand im Gesamtweltcup vor dem letzten Rennen

Endstand:
1. Mikaela Shiffrin USA 1:34,08
2. Frida Hansdotter SWE 1:34,13
3. Veronika Velez Zuzulova SLK 1:34,48
4. Tina Maze SLO 1:34,55
5. Sarka Strachowa CZE 1:35,01
6. Nastasia Noens FRA 1:35,05
7. Laurie Mougel FRA 1:35,27
8. Erin Mielzynski CAN 1:35,41
9. Carmen Thalmann AUT 1:35,50
10. Nicole Hosp AUT 1:35,59
11. Kathrin Zettel AUT 1:35,61
12. Maria Costazza ITA 1:35,62
13. Lena Dürr GER 1:35,81
14. Anna Swen-Larsson SWE 1:35,86
15. Maria Pietilä-Holmner SWE 1:35,89
16. Wendy Holdener SUI 1:35,95
17. Marie-Michele Gagnon FRA 1:36,00
18. Emelie Wikström SWE 1:36,06
19. Nina Löseth NOR 1:36,31
20. Manuela Mölgg ITA 1:36,41
21. Michaela Kirchgasser AUT 1:36,44
22. Bernadette Schild AUT 1:36,71
23. Anna Fenninger AUT 1:36,85
24. Michelle Gisin SUI 1:37,38

Ausgeschieden: Charlotta Säfvenberg (SWE)

Ende April will Skirennläuferin Nicole Hosp so weit sein, dass sie eine Entscheidung über ihre Zukunft treffen kann. Nach Platz zehn im Slalom in Méribel und ihrem Saisonabschluss 2014/2015 vergoss die Tirolerin im Zielraum viele Tränen. "Es hat jetzt leicht der letzte Lauf sein können. Es ist noch nicht fix. Aber das kann ich nicht mehr nachholen", begründete sie ihre Emotionen.

Die Gewinnerin von 12 Medaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften war froh, dass die Saison zu Ende ist. "Dass ich sie gesund und gut rumgebracht habe. Jetzt freue ich mich auf daheim, auf ein bisschen durchschnaufen. Dann hoffe ich, dass mir die Zeit das Richtige weisen wird. Ich möchte mit dem Winter abschließen und dann schauen, was mir mein Gefühl sagt." Im Méribel-Zielraum gab es viele Umarmungen mit den Teamkolleginnen, auch Marlies Schild, die ihre erste Saison als Sport-Pensionistin hinter sich hat, war anwesend.

Dass sich die Bichbacherin nicht mehr so gerne durch das Sommertraining quält, gibt die 31-Jährige gerne zu. "Aber das ist ganz normal, wenn man so lange dabei ist, das gehört halt dazu. Spaß macht mir das Skifahren. Das ist halt der Unterschied."

Nicht leichter macht die Entscheidung, dass Hosp - Team-Weltmeisterin und Kombi-Silbermedaillengewinnerin in Vail/Beaver Creek - ein erfolgreiches Jahr hinter sich hat. "Klar macht das extrem nachdenklich. Vor allem mit den Abfahrtsergebnissen. Ich bin doch dem großen Ziel, irgendwann einmal eine Abfahrt zu gewinnen, extrem viel näher gekommen. Andererseits war es ein großes Ziel, ein großer Wunsch, gesund und nach einer erfolgreichen Saison aufzuhören. Das würde jetzt auch gut passen."

Hosp hat im vergangenen November den Slalom in Aspen gewonnen und den zwölften Weltcupsieg ihrer Karriere gefeiert (5 Riesentorlauf, 5 Slalom, je 1 Super-G und Kombination). Österreichs "Sportlerin des Jahres 2007" war zudem jeweils Dritte im Super-G von St. Moritz und der Abfahrt in Meribel. Geht es nach ihrem Vater Hans Hosp, der sie über Jahre zu fast allen Rennen begleitet hat, darf die Gesamtweltcupsiegerin von 2006/2007 ruhig noch weitermachen. "Das muss sie selber entscheiden, ich kann ihr das nicht abnehmen. Ich hoffe, dass sie noch eine Saison dranhängt. Ich fahre auch noch zwei Jahre mit ihr mit", meinte er.

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