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Tiger Woods: Der gefeierte erste Verlierer

Rafael Nadal hatte gerade das Masters-1000-Turnier in Toronto gewonnen, da hatte die Nummer eins der Tennis-Weltrangliste nur eines im Sinn: Tiger schauen. Der Spanier kontrollierte via Mobiltelefon den Spielstand bei der PGA Championship der Profigolfer. Seine eigene Siegerehrung musste einfach ein paar Minuten warten.

Der mögliche Triumph von Tiger Woods beim vierten Major-Turnier des Jahres hatte die Sportwelt am Sonntagabend in verheißungsvolle Aufregung versetzt. Mit der besten Schlussrunde (64 Schläge) bei seinem 80. Major-Turnierstart und vier Birdies auf den letzten sieben Löchern hatte es der 42-jährige Amerikaner noch einmal spannend gemacht.

Dass ihm Major-Titel Nummer 15, der erste seit zehn langen Jahren, doch um zwei Schläge doch verwehrt blieb, schien nebensächlich. Der mediale Tenor nach Platz zwei von Woods in St. Louis war eindeutig: Der Tiger ist zurück.

Bis auf mich und mein Team haben alle mit Tiger mitgefiebert.

Brooks Koepka
über den Hype rund um Tiger Woods

Dementsprechend wenig geschrieben wurde über Turniersieger Brooks Koepka, der immerhin als erst fünfter Golfer nach den US Open auch die PGA Championship binnen weniger Wochen gewinnen konnte.

Die Schlagzeilen gehörten Tiger Woods, was auch der 28-jährige Koepka verstand: „Bis auf mich und mein Team haben alle mit Tiger mitgefiebert. Jeder auf dem Golfkurs hat es gehört“, sagte der nunmehrige dreifache Major-Sieger aus Florida.

Für Landsmann Woods hatte bis vor wenigen Monaten wenig gesprochen. Vor zwei Jahren hatte er seinen lädierten Rücken erneut operieren lassen müssen; erst etwas mehr als zwölf Monate ist es her, dass er wegen Drogenmissbrauchs aus dem Straßenverkehr gezogen wurde. Das Polizeifoto des desorientierten Sport-Milliardärs ging um die Welt.

Tendenz steigend

In das Jahr 2018 startete Woods als Nummer 656 der Weltrangliste, seit gestern ist der langjährige Branchenprimus die Nummer 26. Tendenz weiter steigend, obwohl die Dominanz früherer Tage aufgrund der gewaltigen Konkurrenz unwahrscheinlich erscheint. Fünf Top-6-Ränge 2018, zwei davon bei Major-Turnieren, bestätigen den Aufwärtstrend.

Auch privat wirkt Woods ausgeglichener und gelassener denn je. Was seine Kinder vom Comeback halten würden, wurde er gefragt: „Sie interessiert das nicht wirklich. Für sie zählt gerade mehr, dass ihre Schule beginnt“, sagte Woods und lächelte dabei zufrieden.

Ganz im Gegensatz zu den Buchmachern: Die führen den Superstar für das Masters im April 2019 bereits als Nummer zwei der Favoriten.