Sport/Motorsport

Formel 1: Ein lahmes Pferd beim Heimrennen in Monza

Wieder setzt Ferrari ein Zeichen beim Heimrennen. Die Rote Göttin und ihre Fahrer werden in Monza auch Gelb tragen. Beim Rennen am Sonntag (15.00/live ORF1, Sky) kommt die ursprüngliche Werksfarbe „Giallo Modena“ zum Einsatz. Sie erinnert an Enzo Ferrari, der die Marke vor 75 Jahren gründete und an dessen Heimat Modena. Denn nirgendwo ist die Leidenschaft für den Rennsport so groß wie in Monza auf dem Autodromo Nazionale.

„Giallo Modena“ erinnert auch an bessere Zeiten. Noch immer ist Ferrari die erfolgreichste und legendärste Marke der Formel 1, wenn nicht sogar der gesamten Motorsport-Welt. Doch einmal mehr steckt der Rennstall tief in der Krise. 15 Jahre ist es her, dass Kimi Räikkönen für Ferrari den bisher letzten der 15 Fahrer-Titel geholt hat. Sowohl der zweifache Weltmeister Fernando Alonso scheiterte mit der Scuderia am Projekt WM-Titel als auch der vierfache Weltmeister Sebastian Vettel.

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Nach vielen Jahren des Leidens, der Niederlagen und der Schmach fing das Jahr 2022 dann so vielversprechend an. Der innovative Ferrari war bei den Testfahrten auf Anhieb schnell, zum Auftakt in Bahrain gewann Charles Leclerc vor Carlos Sainz Jr. Die Euphorie war überschäumend, Italien träumte nach nur einem Rennen schon vom Titel. „Es ist keine Fata Morgana in der Wüste. Es ist alles wahr. Zwei Jahre im Fegefeuer, jetzt sehen wir wieder den Titel“, schrieb damals die Gazzetta dello Sport.

Nur ein halbes Jahr später ist die Stimmung komplett umgeschlagen. Technische Defekte, Missgeschicke und katastrophale taktische Fehler haben beide Fahrer in der WM weit zurückgeworfen. Während Max Verstappen und Red Bull am Rande der Perfektion und anscheinend mühelos in Richtung Titel fahren, geht bei Ferrari schief, was nur schiefgehen kann.

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Zuletzt hatte die Crew beim Grand Prix in Belgien beim Boxenstopp nur drei statt vier Räder parat, dann ließ ein Mechaniker den Schlagschrauber so liegen, dass Sergio Pérez mit dem Red Bull darüberfuhr.

Danach übte sogar Nico Rosberg harsche Kritik: „Sogar Formel-3-Teams machen einen besseren Job“, sagte der Weltmeister von 2016 und attackierte auch Teamchef Mattia Binotto heftig. Dieser wiederum hält von einem Köpferollen nichts und stellt sich demonstrativ vor sein Team: „Wir haben großartige Leute und keinen Zweifel. Es ist erwiesen, dass Stabilität im Sport noch wichtiger ist, damit wir uns von Rennen zu Rennen verbessern.“

Ersatzfahrer Nyck de Vries wird am Sonntag sein Renndebüt in der Formel 1 geben. Der 27-jährige Niederländer ersetzt für den Rest des Grand-Prix-Wochenendes in Monza den Stammpiloten Alex Albon bei Williams. Der 26-Jährige aus Thailand hatte sich Samstagfrüh nicht wohlgefühlt, nach Teamangaben hat er eine Blinddarmentzündung.

 "Alex ist in guter Stimmung und das Team wünscht ihm eine rasche Erholung", verlautete Williams in einer Aussendung. De Vries hat 2019 die Formel 2 und 2021 die Formel E gewonnen

Skepsis in Monza

Für Ferrari ist es eine schmerzhafte Tatsache: Beim Heimrennen ist man Außenseiter. „Auf dem Papier ist Monza für uns nicht die beste Strecke“, sagte Leclerc. „Ich weiß, dass die Fans hinter uns stehen werden, aber unsere Aufgabe in Italien wird schwieriger sein als in Zandvoort.“

Bezeichnend: Vergangene Woche kursierten im Internet auch noch Fotos von einem Ferrari-Truck, dessen Bremsen auf dem Weg von Zandvoort nach Monza Feuer gefangen hatten und gelöscht werden mussten.