Sport/Fußball

Weder Rausch noch Kopfweh für Austria

Die Austria und ihre zwei Gesichter in dieser Saison. Das weniger schöne hob man sich zuletzt für die Wochenenden und die Liga auf, das strahlende zeigt sie vorzüglich am Donnerstag im Europacup. Gestern war wieder einer dieser Donnerstage, an dem das violette Antlitz immerhin ein freundlicheres als zuletzt war. Der Europacup-Abend wird nicht als unvergesslich in die Historie eingehen. Muss er auch nicht.

Die Violetten erkämpften und erspielten sich im Wiener Prater gegen Viktoria Pilsen im zweiten Gruppenspiel der Europa League ein torloses Remis, das schwer einzuordnen ist. Einerseits hatte man sich einen vollen Erfolg gewünscht, um einen weiteren Schritt in Richtung Aufstieg zu tätigen. Umgekehrt behielt man nach Tagen der offenen Türen diesmal die weiße Weste und blieb gegen den tschechischen Meister ohne Gegentor.

Gleich von Beginn an aber spielten sich die Gäste wie echte Hausherren auf, hatten dank profunder Technik und sicherer Kombinationen deutlich mehr Ballbesitz als die Austria, die erst allmählich ihren Rhythmus fand und sich die erste große Chance erarbeitete.

Bessere Optik

Den Fans klopfte bei der vermeintlichen Führung schon das Herz, doch nach einer Maß-Flanke von Grünwald befand sich Kayode entscheidende Zentimeter im Abseits (19.). Von da weg präsentierten sich die Wiener überlegen, spielten sich im Ansatz in einen Rausch, während Pilsen in der Abwehr bei einigen Situationen zu schwanken schien. Wie gewohnt versuchte man die Schnelligkeit von Kayode, Venuto und Pires ins Treffen zu führen, was ab und an gelang, Hochprozentiges an Chancen blieb aus.

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Die zweite Hälfte begann wie die erste, nämlich mit etwas flüssigeren Kombinationen der Pilsener und Austrianern, die zwischendurch Unsicherheiten erkennen, aber kaum Chancen zuließen. Wie auch im ersten Durchgang hatten die Fans den Jubel wieder auf den Lippen, diesmal zirkelte Holzhauser einen Freistoß auf Filipovic, dessen Kopfball am langen Eck knapp vorbei zischte (61.).

Fehlpfiff

Nur drei Minuten später freuten sich wieder alle Violetten vergeblich, weil ein Tor von Kayode nicht für gültig befunden wurde. Doch diesmal irrte der schottische Schiedsrichter Beaton mit seiner Abseits-Entscheidung.

Pilsen hielt nach dem Schreck zwar dagegen, prüfte Austria-Schlussmann Almer nur einmal durch einen Kopfball von Poznar. Im Finish suchte die Austria den Sieg, fand ihn aber nicht. Die Wiener halten nun bei vier Punkten, ebenso wie der kommende Gegner AS Roma, den man Mitte Oktober in Rom zum Kampf fordert.

Wien, Ernst-Happel-Stadion, 16.509 Zuschauer, SR Beaton/SCO

Austria: Almer - Stryger Larsen, Filipovic, Stronati, Martschinko - Serbest, Holzhauser - Venuto (80. Tajouri), Kayode (86. Friesenbichler), Pires - Grünwald

Pilsen: Kozacik - Mateju, Hubnik, Hejda, Limbersky - Horava - Petrzela (58. Kopic), Zeman - Kace (90. Hromada) - Bakos (66. Krmencik), Poznar

Gelbe Karten: Filipovic (62.), Serbest (82.) bzw. Limbersky (15.), Mateju (73.), Hejda (87.), Kace (88.), Krmencik (90.)

Thorsten Fink (Austria-Trainer): "Wir haben eine super Leistung geboten. Wir haben uns leider nicht mit einem Tor belohnt. Das aberkannte Tor war schade. Wir haben alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Ich weiß nicht, ob Pilsen eine Torchance hatte. Im direkten Vergleich zuhause kein Tor zu bekommen ist auch nicht so schlecht. Die Mannschaft kann mitnehmen, gegen den tschechischen Meister mitgehalten zu haben. Jetzt gilt der Fokus aber schon dem nächsten Meisterschaftsspiel. Ein Sonderlob gibt es für Patrizio Stronati, der ein hervorragendes Spiel gemacht hat."

Roman Pivarnik (Pilsen-Trainer): "Die Austria war ein starker Gegner. Wir haben gut begonnen, aber dann haben wir technische Fehler gemacht und die Austria wurde immer stärker und stärker. Wir haben um die Stärke der Austria bei Standardsituationen gewusst und sind gut gestanden. Mit dem Punkt bei diesem starken Gegner können wir zufrieden sein. Es war ein besonderes Spiel für mich. Beide Fangruppen haben eine tolle Stimmung gemacht."

Raphael Holzhauser (Austria-Mittelfeldspieler): "Wenn man den Spielverlauf sieht, sind das zwei verlorene Punkte für uns. Wir haben uns zahlreiche Chancen erarbeitet. Man hat gesehen wie viel Qualität in der Mannschaft steckt. Wir können stolz auf uns sein. Wir haben zu null gespielt, haben defensiv geschlossen gearbeitet und waren auch vorne gefährlich. Darauf können wir in den nächsten Wochen aufbauen."