Sport/Fußball

Nach Roses Abschied: Die Bilanz der zehn Red-Bull-Trainer

Es ist längst die Regel: Ein Trainer bei Red Bull Salzburg bleibt maximal zwei Jahre im Amt. Auch Marco Rose hält es nicht länger im Salzburger Trainersessel aus. Er wird im Sommer neuer Trainer bei Borussia Mönchengladbach. Dieses Geheimnis, das ja eigentlich keines mehr war, gab der 42-jährige Deutsche bei einer extra einberufenen Pressekonferenz Mittwochmittag preis.

Rose wird mit seiner zweijährigen Amtszeit Salzburger Rekordtrainer der Ära Red Bull – einen Titel, den er sich allerdings mit Giovanni Trapattoni und Roger Schmidt teilen muss.

Der KURIER wirft einen Blick zurück auf die zehn Cheftrainer bei Salzburg seit dem Einstieg des Getränkekonzerns im Jahre 2005 …

 

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Kurt Jara: Der Tiroler war der erste Trainer, der das Projekt in die Erfolgsspur bringen sollte. Im Sommer 2005 ging  Jara mit den Red-Bull-Millionen auf große Einkaufstour. 15 Spielen kamen, drei weitere im Laufe der Saison. Da war es kein Wunder, dass es zu lange dauerte, bis Jaras Mannschaft zu einem Team wurde. Nach 36 Runden hatte Salzburg 13 Spiele verloren. Das waren einfach zu viele Niederlagen, um Meister zu werden. Die Austria entschied den Zweikampf für sich. Für Jara endete die Zusammenarbeit mit Red Bull nach nur einem Jahr vor Gericht. Der mittlerweile 68-Jährige hat seit 2006 nicht mehr als Trainer gearbeitet.

 

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Giovanni Trapattoni: In der ersten Saison unter dem „Mister“ aus Italien fixierte Salzburg schon in  Runde 31 den Meistertitel. Salzburg war nicht nur das beste Heim-, sondern auch das beste Auswärtsteam.  Das war im zweiten und letzten Jahr unter der Trainer-Legende anders. Weil man nur drei von 18 Auswärtsspielen (!) gewinnen konnte, wurde Salzburg 2007/’08 hinter Rapid nur Vizemeister. In der Champions-League-Qualifikation waren Valencia und Donezk zu stark, in der 1. Runde des UEFA-Cups kam gegen Blackburn und AEK Athen das Aus. Trapattoni sollte eigentlich in Salzburg gehalten werden, doch er entschied sich, seinen Vertrag nicht zu verlängern und wurde lieber Teamchef in Irland.

 

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Co Adriannse: Offensiv hui, defensiv pfui – das erste und letzte Jahr unter dem eigenwilligen Niederländer war ein turbulentes. Neben beeindruckenden Siegen (5:1 und 4:1 gegen Austria,  jeweils  6:0 gegen Mattersburg und Kärnten) gab es in der Saison 2008/’09 oft unerklärliche Niederlagen (2:5 gegen Kapfenberg, 0:3 in Ried, 1:4 gegen Altach). Trotzdem reichte es locker zum Titel. Auch weil Marc Janko, der zum Saisonbeginn für Adriaanse nur Stürmer Nummer 4 gewesen war, Tor um Tor erzielen konnte. Am Saisonende waren es 39 Treffer. Nach einem Jahr war  die Ära Adriaanse, die in Europa mit dem Ausscheiden in der 1. UEFA-Cup-Runde gegen den FC Sevilla schon im September 2008 vorbei war, schon wieder zu Ende. Er hatte sich mit seinem Führungsstil bei Red Bull zu viele Feinde gemacht.   

 

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Huub Stevens: Irgendwie hatte er mit seiner direkten Art nicht zu Red Bull gepasst, der „Knurrer von Kerkrade“. Aber erfolgreich war Stevens in seinem ersten Jahr. Salzburg spielte in der Saison 2009/’10 nie überragend, punktete aber immer kontinuierlich. Erst nach der schweren Verletzung von Torhüter Eddie Gustafsson begann man zu wackeln. Aber am Ende reichte es dank eines Auswärtssieges bei Sturm Graz doch noch zum Titel. Die zweite Saison brachte Stevens nicht mehr zu Ende. Nach 27 Runden war für den Niederländer Schluss in Salzburg. Der aktuelle Schalke-Trainer scheiterte zwei Mal in der Champions-League-Qualifikation (an Maccabi Haifa und Hapoel Tel Aviv). Dafür führte er Red Bull in beiden Saisonen in die Europa League. 2009/’10 überstand die Mannschaft die Gruppenphase mit sechs Siegen, scheiterte in der Zwischenrunde aber an Standard Lüttich. 2010/’11 waren die Gruppengegner Manchester City, Lech Posen und Juventus Turin zu stark. Salzburg wurde nur Gruppenletzter.

 

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Ricardo Moniz: Am Niederländer schieden sich die Geister. Salzburg holte in der ersten kompletten Saison unter dem Stevens-Nachfolger das erste Double der Klubgeschichte, überstand die Europa-League-Gruppenphase trotz starker Gegner wie Athletic Bilbao und Paris Saint-Germain, um sich dann in der Zwischenrunde gegen Charkiw fürchterlich zu blamieren. Überzeugend war das Red-Bull-Spiel selten. Sein Rücktritt im Sommer 2012 nach einem Streit mit der medizinischen Abteilung kam trotzdem überraschend.

 

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Roger Schmidt: Der neue Red-Bull-Fußballchef Ralf Rangnick machte nicht den logischen Moniz-Nachfolger Niko Kovac zum neuen Trainer, sondern holte den damals noch unbekannten Deutschen. Schmidt startete mit der Champions-League-Katastrophe gegen Düdelingen denkbar schlecht. Aber danach wurde die Mannschaft um fast 20 Millionen Euro umgebaut. Und das Werkl begann zu laufen. In der zweiten Saison unter Schmidt wurde der Meistertitel in beeindruckender Manier geholt. Auch zum Cupsieg reichte es. In der Champions League kam zwar gegen Fenerbahce Istanbul früh das Aus, dafür wurde in der Europa League nach zwei Galavorstellungen gegen Ajax Amsterdam erstmals das Achtelfinale erreicht, in dem Red Bull gegen den FC Basel unglücklich ausschied. Im April 2014 nützte Schmidt eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag und verabschiedete sich nach Saisonende Richtung Leverkusen.

 

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Adi Hütter: Der ehemalige Salzburg-Spieler wechselte vom beschaulichen Grödig in die benachbarte Landeshauptstadt. Schon bei seinem Amtsantritt beging er einen schweren Fehler. Er bestand auf keinen Co-Trainer seiner Wahl. Der viel mehr auf Disziplin als sein Vorgänger achtende Vorarlberger hatte bei Red Bull einen schweren Stand. Es reichte zwar zum dritten Double der Klubgeschichte, aber das unnötige Aus im Champions-League-Play-off gegen Malmö konnte auch eine ordentliche Europa-League-Saison, die in der Zwischenrunde gegen Villarreal endete, nicht vergessen machen. Nach einer Saison hatte Hütter von Red Bull genug. Mit dem Satz „Ich sehe mich nicht in Zukunft als Ausbildungstrainer“ beendete er seine Tätigkeit – eine Aussage, die der aktuelle Frankfurt-Erfolgstrainer danach mehrmals relativierte.

 

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Peter ZeidlerDer Deutsche stieg als bisher einziger FC-Liefering-Trainer auf. Bei Salzburg fehlte ihm die Rückendeckung des Vereins, Stammspieler wie Jonatan Soriano und Martin Hinteregger machten, was sie wollten und wurden nicht in die Schranken gewiesen. In der Champions-League-Qualifikation (gegen Malmö) und in der Europa-League-Qualifikation (gegen Dinamo Minsk) kam früh das Aus. Nach nur fünfeinhalb Monaten und gerade einmal 18 Bundesligarunden musste Zeidler so schnell wie kein anderer Red-Bull-Trainer seinen Posten räumen, obwohl der Rückstand auf Platz 1 gerade einmal zwei Zähler betrug. Die letzten beiden Spiele der Herbstsaison 2015 betreute Liefering-Coach Thomas Letsch die Mannschaft.

 

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Oscar Garcia: Eigentlich sollte der Katalane schon im Sommer 2015 das Traineramt bei Salzburg übernehmen. Mit einem halben Jahr Verspätung wurde er dann Coach. Er führte Red Bull bisher als einziger Trainer zu zwei Doublegewinnen, holte also mehr Titel als jeder andere Salzburg-Coach bisher. In Europa lief es nicht so gut. Gegen Dinamo Zagreb wurde die Champions-League-Gruppenphase verschenkt, in der Europa-League-Gruppenphase rotierte Oscar Garcia zu viel, um sich in einer starken Gruppe mit den Gegnern Schalke 04, OGC Nizza und Krasnodar durchsetzen zu können. Noch mehr in Erinnerung blieben seine markigen Aussagen, mit denen er die Transferpolitik von Ex-Salzburg-Sportchef Ralf Rangnick kritisierte, der mehrere Spieler aus Salzburg abwarb. Sein Ausspruch „Es gibt jetzt Liefering A und Liefering B“ wurde zum geflügelten Wort. Oscar kokettierte mehrmals mit seinem Abgang, im Sommer 2017 war es soweit. Er wechselte zu AS St. Etienne, wo er allerdings nur ein paar Monate im Amt war.

 

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Marco Rose: Überraschend wurde der Youth-League-Sieger und nicht Thomas Letsch Nachfolger von Oscar. In der Champions-League-Qualifikation ist auch der Deutsche am Versuch gescheitert, in die Gruppenphase zu kommen (2017 gegen Rijeka, 2018 gegen Roter Stern Belgrad). In der Europa League war er dafür erfolgreicher als jeder andere Salzburg-Trainer bisher. Nach dem Semifinaleinzug 2018 (Endstation Olympique Marseille) kam in dieser Saison im Achtelfinale gegen SSC Napoli das Aus. So viele nationale Titel wie sein Vorgänger kann Rose allerdings nicht holen: Vor einem Jahr reichte es zwar zum Meistertitel, das Cup-Finale wurde hingegen gegen Sturm Graz mit 0:1 nach Verlängerung verloren. In diesem Jahr ist das Double aber immerhin noch möglich.